Diskussion:Christentum

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Betreff: Frage Hegel und Christentum

Hallo,

ich lese mit großem Interesse ihre Beiträge über Hegel. Ich selbst hatte bis vor wenigen Monaten nicht die Geringste Berührung mit Hegel. Nur zufällig stieß ich auf seine Werke. Diese haben mich dann ganz schön gepackt und ich war völlig "infiziert". Für mich als Laie waren und sind die Texte natürlich sehr schwer zu begreifen. Aber der Anspruch Hegels ist ja auch nicht gering "Die Wahrheit ist ein hohes Wort und noch eine höhere Sache", so ließ ich mich auch durch herbe Rückschläge nicht davon abbringen weiterzumachen und Kenntnisse zu sammeln. Wie dem auch sei so möchte ich zu meiner Frage kommen.

Habe ich folgendes bei Hegel recht verstanden?:

Die Idee die in der Welt ist und immer war, sozusagen eine "göttl. Vorsehung" ist so etwas wie ein "Weltgesetz". Das Ganze ist ein sich ständig vollbringender Prozess und wir alle sind Momente dieses Prozesses und tragen dazu bei, dass dieser sich vollbringt. Nur dieser Prozess ist wirklich und vernünftig, in dem Sinne, dass nur das wirklich ist, wo die Idee (das Innere, Inhalt) mit der Form (der Äußerung) im Einklang ist und dementsprechend das Gute in der Welt ist und war. Somit ist das uns unmittelbar Gegebene nicht scheinbar zufällig, sondern es steckt eine Idee (Logos) "dahinter". Und diesen müssen wir erkennen, nur so können wir uns selbst erkennen als das, was wir wirklich sind. Unsere unmittelbare Beschaffenheit ist zwar endlich, aber unsere Bestimmung ist ewig. Diese tragen wir in unserem endlichen Leib in uns. Wenn wir das erkennen sind wir im Geiste frei. Damit deckt sich Hegels Logik im Prinzip mit der christl. Religion. Gott offenbart sich als Mensch, somit weiß der Mensch sich als göttl. Wesen; damit fällt der Gegensatz Subjekt-Objekt hinweg, wenn wir uns als Teil des Ganzen erkennen. "Darum aber, dass der Mensch als das Höchste gesetzt ist, folgt, dass er keine Achtung vor sich selber hat, denn erst mit dem Bewusstsein eines höheren Wesens erlangt der Mensch einen Standpunkt, der ihm eine wahre Achtung gewährt"(PdG). Erst, wenn der Mensch sich als "göttl. Wesen" erkennt, wird er frei und handelt nicht gegen seinesgleichen z.B.unterjochend. Denn wenn der Mensch sich sich gegen Andere abgrenzt, setzt er sich selbst eine Grenze und ist unfrei. Wir können den Prozess den Fluss der Welt nicht aufhalten oder ändern, wir können uns nur darin erkennen und vernünftig handeln. Der Begriff ist dann die Übereinstimmung der Idee mit deren Äußerung (Natur). Die Kraft ist dann die Äußerung der Idee. Die Dinge in der Natur bilden sich so aus (Beschaffenheit) wie sie sein sollen, das ist ihre Bestimmung. Somit können wir in der Natur nur das "beobachten" (erkennen), was dem Wesen der Natur entspricht, "...sein Dasein ist nur Manifestation seiner selbst, nicht eines Anderen."(Enz.§142). Diese Manifestation der Idee wäre dann eigentlich mit dem Begriff Gottes gleichzusetzen. In der Natur ist sozusagen die Darstellung der Idee; und mit der Logik (die Darstellung der Idee, welche in der Welt ist) können wir sie begreifen und erkennen. Und nur wir Menschen können die Idee erkennen, darum weil wir denken und begreifen können und auch Vernunftswesen sind, weil unsere Idee (wie wir sein sollen) mit unserer Beschaffenheit (wie wir sind) übereinstimmt. Die ganzen "Philosophien" vor Hegel sind dann "in sich vollendete und wichtige Zwischenstationen" zur Erkenntnis der Wahrheit. Damit ist es faktisch falsch zu sagen, wir können das Absolute (Gott) nicht erkennen, eben darum weil wir in diesem Absoluten involviert sind und nur wir Menschen das erkennen können. Unsere Um-welt hat keine andere Bestimmung (Inhalt) als wir selbst haben, nur ideelle und endliche Beschaffenheit zu sein aber einen ewigen (reellen) Geist in uns zu haben. So geht der einzelne Mensch zu Grunde, aber die Idee des Lebens wirkt weiter (der Geist des Lebens). Die Lebendigen bestimmen den Begriff des Lebens. Damit ist auch das Christentum in seiner Idee die Vorstellung dessen. Die Einheit von Gott und Mensch als konkrete Darstellung. In diesem Sinne ist sie auch die absolute Religion und damit wären die anderen Religionen nur Vorstufen zur Entwicklung des Christentums und zur Darstellung dessen, dass der Mensch frei ist.

Es ist sehr schwer sich in seinem "gemeinen" Umfeld über dieses Thema zu unterhalten, da dies sogleich auf Unverständlichkeit und folglich auf Ablehnung stößt. Ich bin jedenfalls völlig fasziniert in diesen "Dimensionen" an Hegels Denken (so weit mir das möglich ist) teilhaben zu können. Ich habe nur versucht einen kurzen Abriss meiner Gedanken über die Texte Hegels zu geben und wollte eine Fachkundige Meinung darüber, ob ich Hegel vorerst klar genug verstanden habe um Missverständnisse zu vermeiden.

Vielen Dank im Voraus und weiterhin viel Schaffenskraft

Viele Grüße

Patrick


Antwort:

hallo,

deine zeilen gefallen uns sehr gut.

eine kleinigkeit ist uns aufgefallen:

"Darum aber, dass der Mensch als das Höchste gesetzt ist, folgt, dass er keine Achtung vor sich selber hat, denn erst mit dem Bewusstsein eines höheren Wesens erlangt der Mensch einen Standpunkt, der ihm eine wahre Achtung gewährt"(PdG). Erst, wenn der Mensch sich als "göttl. Wesen" erkennt, wird er frei und handelt nicht gegen seinesgleichen z.B.unterjochend.

erst wenn der mensch gott (das höhere wesen), nicht nur sich als göttlich erkennt, wird er frei.


lg martin grimsmann lutz hansen