Diskussion:Reflexion in sich

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Womit muß in der Lehre vom Wesen der Anfang gemacht werden ?

(Briefwechsel aus der Mailingliste „Hegelianer [email protected])

zurück zu Hegel-System.de

http://hegel.net/de/d121.htm

Frage lh

Hallo Hegelianer,

bei der Durchsicht der von Kai empfohlenen Zusammenfassung der Hegelschen Logik in Erdmanns "Geschichte der neueren Philosophie" bin ich bei der Darstellung des Wesens hängen geblieben.

Erdmann meint, die Fassung der Enzyklopädie sei in Bezug auf die Wesens-Logik eine Verbesserung, an deren Einteilung man sich zu halten habe.

Z.B. gehörten "der Schein" und "das Unwesentliche" zu recht nur in die Einleitung und machen kein eigenes Kapitel aus.

Erdmann gibt hierfür keine inhaltliche Begründung an, nur, daß die Enzyklopädie später geschrieben sei.

Ist es aber nicht vielmehr so, daß die Enzyklopädie - als starke Komprimierung - im Hinblick auf den "strengen logischen Gang" eine Verschlechterung gegenüber der großen Logik darstellt ?

Was meint ihr ?

Eine inhaltliche Debatte hierüber würde sich vielleicht lohnen.

Viele Grüße Lutz Hansen


anbei: Die Passage von Erdmann, die mich "stutzig" machte:

"Bei dem ersten Theile der Logik konnte die Darstellung sich genau an das erste Buch der Wissenschaft der Logik anschliessen, dessen zweite Ausgabe das enthält, was Hegel noch in seinem letzten Lebensjahre als richtig ansah. Anders verhält es sich mit dem Folgenden; der Tod verhinderte ihn, den zweiten Theil der Logik, von dem er stets als von dem schwersten zusprechen pflegte, umzuarbeiten. Dass er ihm aber eine ganz andere Gestalt gegeben hätte, geht aus der Darstellung der Logik in der Encyclopädie hervor. Der Unterschied beider tritt sogleich grell genug hervor im Ersten Abschnitt, welcher das Wesen (als Reflexion in ihm selbst sagt die Wissenschaft der Logik, als Grund der Existenz sagt die letzte Ausgabe der Encyclopädie) betrachtet. In der Wissenschaft der Logik zerfällt dieser Abschnitt in drei Capitel, welche der Schein, die Reflexionsbestimmungen, der Grund überschrieben sind. Die erste Ausgabe der Encyclopädie verändert diesen Gang, indem sie den Inhalt des ersten Capitels, das Verhältniss vom Wesen und Schein und was sich daraus ergibt, als einleitende Vorbemerkungen behandelt, durch welche sie dazu kommt, dass das Wesen als solches in den reinen Reflexionsbestimmungen gefasst werde (darum auch dies die Ueberschrift wird) als welche nun nach einander Identität, Unterschied, Grund abgehandelt werden. Diese Veränderung ist jedenfalls eine Verbesserung zu nennen, weil sie die erste Darstellung in dem ausführlichen Werke, von Schwierigkeiten, ja Widersprüchen befreit."


Antwort gl

Lieber Herr Hansen,

Sie stellen eine schwierige Frage.

Ich würde sagen:

a) Man darf vermuten, dass die Enz. gegenüber der Wesenslogik eine Korrektur Hegels an seinem eigenen "Vorschlag" einer Wesenslogik darstellt.

b) Wenn das stimmt, wäre sie "besser" als diese. Würde also "Fehler" in der ersten Fassung der Wesenslogik ggf. korrigieren. (Sie sehen meine Vorsicht in den Formulierungen.)

Wichtiger wäre für mich hier:

Bevor man die größeren Probleme in den Blick nimmt, sollte man an kleineren experimentieren.

Ihre Frage zielt ja auf die Bedeutung der Logik der Reflexion - in der Gestalt, wie sie Hegel am Anfang der Wesenslogik gegeben hat.

Man könnte fragen, ob er gut daran getan hat, diese in der letzten Fassung der Enz. auf "brutale" Art und Weise zu verkürzen.

Ich würde anders vorgehen wollen.

Klären wir mal das Unproblematische an Erdmanns Wesenslogik.

Sehen wir uns in einem zweiten Schritt die Probleme näher an.

Liebe Grüße

Gerd Laschefski



Antwort

Es ist auf jeden Fall schonmal ein Vorteil, daß die Wesenslogik mit Identität und Unterschied beginnt, weil das genau die wesenslogischen Formen von Sein und Nichts sind.

In der kleien Logik ist Widerspruch eine Form des Unterschieds, nicht wie in der großen die Vermittlung von Identität und Unterschied - das ist sofort evident. Das Ding wird in das Ansichsein gerückt - es ist damit ein Ding an sich.



Antwort bg

M.E. hat Erdmann recht. Dies geht insbesondere gut hervor aus der ersten Ausgabe der Enzyklopädie-Logik (Heidelberger Enzyklopädie von 1817), die in kondensierter Form Hegels Gedankengang enthält. Die Grosse Logik ist mit viel zu viel Abschweifungen belastet, so dass der dialektische Gedankengang nur schwer zu verfolgen ist. Ich gehe mit Herrn Sönke einig: Was Hegel im Kapitel A. der Wesenslogik ('Die reinen Reflexionsbestimmungen') macht ist analog zu sehen zum Anfang der Seinslogik. Dort werden die Grundbegriffe des Denkens in Kategorien des Seins entwickelt: Sein - Nichts - Werden. Diese tauchen dann immer wieder auf in der Entwicklung des Begriffs des 'Daseins'. Die analogen Grundbegriffe der Wesenslogik sind die reinen Reflexionsbestimmungen des Denkens in Kategorien des Wesens: Identität - Unterschied - Grund, welche dann immer wieder in den weiteren Bestimmungen der Existenz, Erscheinung, Verhältnis, Wirklichkeit hervortreten.

Was ich bei Erdmann allerdings nicht ganz verstehen ist seine Beschreibung des spezifischen Unterschieds zwischen den beiden Logiken. Er sagt:

"Der Unterschied beider tritt sogleich grell genug hervor im Ersten Abschnitt, welcher das Wesen (als Reflexion in ihm selbst sagt die Wissenschaft der Logik, als Grund der Existenz sagt die letzte Ausgabe der Encyclopädie) betrachtet.."

Hier kann ich eigentlich keinen Unterschied feststellen: Das Wesen ist als Reflexion in ihm selbst zu fassen und deshalb auch als Grund der Existenz. Würde man hier einen Unterschied machen, dann würde dies auf eine erneute Differenz zwischen Epistemologie und Ontologie herauslaufen, was bei Hegel seit der Jenaer Zeit ausgeschlossen ist. Erdmann müsst sich hier m.E. deutlicher ausdrücken.

Herzliche Grüsse, Beat Greuter



Antwort ol

Werter Herr Hansen,

daß Erdmann hier richtig liegt, kann man durch Vergleich der Texte in WdL II und Enzyklopädie nachvollziehen. Das Wesentliche und das Unwesentliche gehört unmittelbar in den Obertitel der Wesenslogik, denn mit dem Übergang von der Seins- in die Wesenslogik ist die Seinslogik zur Logik des Unwesentlichen herabgesetzt - weil sie nicht scheint, und scheinendes Sein ist das Wesen. Oder anders: Scheinlogik des Seins ist Wesenslogik.

Aber auch die Enzyklopädie läßt sich in diesem Punkt verbessern. Statt

A. Das Wesen als Grund der Existenz
   a. Die reinen Reflexionsbestimmungen (Identität - Unterschied - Grund)
   b. Die Existenz
   c. Das Ding

schlage ich vor

A. Der Schein    
   a. Die Wesenheiten (Identität - Unterschied - Grund)
   b. Die Existenz
   c. Das Ding
B. Die Erscheinung
C. Die Wirklichkeit.

Den Unterschied unterscheidet Hegel noch einmal in den bloß seienden und in den scheinenden, also in den unwesentlichen und den wesentlichen: Verschiedenheit und Entgegensetzung. Nur die reflektierte Einheit der Entgegengesetzten geht zugrunde und ergibt den Grund der kommenden Existenz. Die Verschiedenheit bleibt daseiend und unwesentlich.

Dieses Andauern des Unwesentlichen im Wesen erinnert an die noch tote geologische Natur im ersten Abschnitt der Organik in der Naturphilosophie. Jedes Ansich, jede Voraussetzung einer Sache ist noch nicht das, was die Sache selbst oder für sich ist.

Freundlicher Gruß von Oberlercher

Antwort kf

Liebe Hegel-Freunde,

a) Der Text auf den sich Lutz Hansen in seiner Frage bezieht, ist wie er schreibt, die von mir

empfohlenen Zusammenfassung der Hegelschen Logik
in Erdmanns "Geschichte der neueren Philosophie"

Da vermutlich nicht jeder von Euch den Text verfügbar hat, habe ich eine Version online gestellt unter http://hegel.net/buecher/Erdmann-Logik/

Ich möchte den Text jedem von Euch empfehlen, er ist meines Erachtens die beste Kurzdarstellung von Hegels Philosophie die ich kenne (und zudem frei verteilbar/nutzbar) und sicherlich ein guter Ausgangspunkt um uns über Hegels Philosophie zu unterhalten.

b) Als Hegelianer haben wir zwei - sich ergänzenden - Aufgaben, wie ich bereits am Thema der "Zusätze" versucht habe zu erläutern:

Zum einen wollen wir versuchen, uns die logische Grundlage der hegelschen Argumentation klar zu machen, also speziell die Hauptargumentationslinie Hegels (ohne die Abschweifungen/Ablenkungen, etwa zu den Diskussionen seiner Zeit, die schon in Hegels eigenen Anmerkungen auftauchen).

Das wäre sozusagen das Kernstück der hegelschen Philosophie, das es zu verstehen gilt.

Zum anderen hat Hegel selbst ja, wie die jetzt zahlreich vorliegenden Dokumente von 30+ Jahre intensiver Hegel Philologie insbesondere des Hegel Archives zeigen, seine Philosophie ständig weiter entwickelt, nicht nur in seinen Jenaer Systementwürfe etc, sondern auch in seinen Berliner Vorlesungen selbst.

(oder wie in dem hier angesprochenen Problem seiner Logik und den drei Auflagen seiner "kleinen Logik" im Rahmen der Enzyklopädie).

Schliesslich haben es seine Schüler ihm nachgemacht und einerseits sich bemüht, seine Logik (und andere Teile des Systems) noch klarer heraus zu arbeiten und zu ergänzen, andererseits aber auch zu "verbessern" und umzuarbeiten.

Dies verlangt und trainiert unsere Urteilsfähigkeit, weil wir uns hier nicht einfach auf einen kanonischen Text dogmatisch beziehen können, sondern weil wir sozusagen durch diese ganzen Texte hindurch sehen müssen und dabei erkennen müssen, worauf es ankommt, was der Gedanke dahinter ist und ihn so beurteilen, wie auch Hegel und seine Schüler ihre Gedanken beurteilt haben, so dass sie ihre Wissenschaft weiter entwickelt haben.

(Eine Fähigkeit, die gerade deshalb zu trainieren ist, weil dieses weiter führen noch viel mehr für uns aktuell ist als damals).

c) Es gibt eine Reihe von Maßgaben, die man beachten kann, um dabei zu guten Urteilen zu kommen, die meisten werden (wie könnte es auch anders sein), in der Logik selbst entwickelt.

Eine dieser Maßgaben wäre die Suche nach der Identität in der Nichtidentität und Nichtidentität in der Identität (steht wahrscheinlich in der entsprechenden Stelle am Anfang der Wesenslogik, mit der richtigen Begründung, dass es andersherum ja auch nur banal ist).

Bezogen auf die Architektur des Gesamtsystems (einschliesslich der Logik selbst) hat sich dabei als heuristisches Mittel für mich bewährt jeweils zu untersuchen, wo es Strukturanalogien über verschiedenen Bereiche des Systems gibt und wo nicht und darüber nachzudenken, warum dies der Fall ist, um so vertiefte Einsichten in den Stoff zu bekommen (oder auch umgekehrt Anregungen, etwas zu ändern).

(Ein Beispiel für diese heuristischen Vorgehensweise gebe ich unter: http://hegelwerkstatt.de/index.php/Absoluter_Geist#zur_Reihenfolge_der_Einteilung )

d) Bezogen auf das hier geäusserte Problem des Anfangs der Wesenslogik spricht auch in meinem Verständnis viel dafür, aufgrund der Analogien zur Seins-Logik (aber auch zu ABE bzw. Begriff-Urteil-Schluss) mit Identität - Nichtidentität/Unterschied - Grund anzufangen.

(Andererseits könnte es sich natürlich heuristisch bewähren, sich zu fragen, warum Hegel hier abweicht. Zumindest der bekannteste Interpret dieses Teils der Wesenslogik in der Gegenwart, Iber, meint dass gerade dieses erste Kapitel eines der wichtigsten ist, was andererseits natürlich jeder Interpret von "seinem" Teil der Logik bzw. des hegelschen Systemes meint. Eine befriedigende Erklärung der Abweichung dieser Struktur gibt er aber wenn ich mich recht erinnere nicht, ich vermute mal, weil er sich eher auf die Details der Satz- und Wortanalyse konzentriert als auf die grösseren Zusammenhänge)

e) Ich würde gerne die Anregung von Gerd aufgreifen und in erweiterter Form zur Diskussion stellen:

Wir könnten alle gewinnen, und unser Hegel-Verständnis gemeinsam auf den höchsten gemeinsamen Nenner heben, wenn wir gemeinsam einmal die Logik durchgehen, und zwar vielleicht angefangen von den Punkten, die wir alle verstehen (wobei wir versuchen, uns die Lücken gegenseitig zu füllen).

Die in der Hegelwerkstatt unter http://hegelwerkstatt.de/index.php/Literatur_zum_System_und_zur_Logik gegebene Literatur sollte dabei behilflich sein. Wenn ihr zusätzliche Geheimtipps habt, lasst sie uns gerne wissen.

Auf der anderen Seite steht zu befürchten, angesichts bisheriger Erfahrungen mit solchen Mailinglisten, dass uns ein solches Vorgehen mindestens 1 Jahr lang in Beschäftigung halten würde.

Vielleicht könnten wir die Zeit auch besser nutzen?

Noch eine Ergänzung:

der von Lutz Hansen zitierte Abschnitt findet sich unter http://hegel.net/buecher/Erdmann-Hegel/ Die letzte Ergänzung sollte natürlich heissen: http://hegel.net/buecher/Erdmann-Hegel/Erdmann746.jpg und http://hegel.net/buecher/Erdmann-Hegel/Erdmann748.jpg

Kai Froeb

Antwort gl

Ich würde sagen:


1. Pädagogen machen bisweilen von der Möglichkeit Gebrauch, - im Sinne ihrer Schüler (!) - nicht alles zu sagen, was sie wissen.

2. Es könnte sein, dass auch Hegel von dieser Möglichkeit Gebrauch hat, als der - selbst in der letzten Fassung seiner Enz. - einen Leitfaden für seine Schüler verfasste.

3. Wenn das stimmt, dann könnte es sein, dass der Beginn, den wir heute in der Wesenslogik vorfinden, ...

a) zur Sache passt und angemessen ist, wobei dies ....

b) aber Gedanken wären, die auch weggelassen werden könnten, ohne dass man den entscheidenden Kern der Wesenslogik verpassen würde.


Aber noch mal:

Warum mit Fragen beginnen, die extrem schwer sind??

Das ist für mich wenig einsichtig.

Es ist im Grunde besser, in leichterem Gelände zu beginnen.

Machen wir mal die Wesenslogik, wie Erdmann sie vorschlägt. Auf Hegel sehen wir dann später.

Es geht nie um Hegel als Philosoph oder um sonst wen. Es kann eigentlich immer nur um die Sache selbst gehen.

Beginnen wir also lieber - wie Kai geschrieben hat - bei Dingen, die wir verstehen.

Liebe Grüße

Gerd Laschefski



Antwort:

Identität, Unterschied sind ja nicht einfach Analogien der Seinskategorien - das Wesen beschreibt logische Kategorien, die in sich doppelt sind und die unmittelbarste Form dieser Verdopplung ist die Identität - die Unterschied wird - die Probleme fangen für mich erst mit dem Grund an.

Die Trennung in Wesentliches und Unwesentliches ist irreführend, weil nicht in jeder Kategorie der Wesenslogik eine Seite unwesentlich ist - man muß auch den Übergang aus der Seinslogik nicht als eine Kategorie nehmen - worin er besteht wird durch den Begriff des Wesens klar, auch durch die Indifferenz, die höchste Stufe des Seins, weil sich hier eben zeigt, daß die Unterschiede im Sein nur Schein waren - äußere Größenveränderungen usw.

Probleme insgesamt sehe ich vor allem in der Wesenslogik und im objektiven Teil der Begriffslogik - bei den anderen Sachen nur im Detail.

Ich finde es ok sich über diese Dinge auf diese oberflächliche Weise auszutauschen weil viele Dinge unmittelbar evident sind zB. der Gegensatz von Qualität und Quantität. Überhaupt ist es gut, daß System von außen nach innen zu verstehen und nicht mit den Details anzufangen.



Antwort:

Der geologische Organismus ist nicht unwesentlich weil im Leben Wesen und Unwesen einen Schluß bilden - Wesen ist nicht ein Wesen im Sinne z.B. eines Tieres - die Erde ist Unorganische Natur des Organischen, das sie assimiliert - das Wesen assimiliert nicht, es bezieht sich als Gesetz auf seiner Erscheinung, als Grund auf seine Folge usw.


Antwort: kf

Hallo B./hposolihp,

du schreibst

Identität, Unterschied sind ja nicht einfach Analogien der
Seinskategorien

Das ist mir klar. Wären sie einfach gleich, könnte man sie ja auch weglassen. Jeder Begriff im System muss aus sich und seinem Platz heraus seine spezifische, einzigartige Bedeutung haben. (die heuristische Hilfe der Parallelen liegt darin, über die Ähnlichkeiten unter diesen unterschiedlichen Positionen im System nachzudenken und umgekehrt).


- das Wesen beschreibt logische Kategorien, die in sich doppelt sind

Das ist gut und zutreffend, aber wie wäre das zu begründen, dass dies Thema der Wesenslogik ist (vom Übergang vom sein her oder "top-down" von der begriffsgemässen Aufteilung der Logik in 3 Teile her)? (zudem wäre die Beschreibung "doppelt" wahrscheinlich noch zu lax, wie könnte man sie enger/zutreffender formulieren?)


und die unmittelbarste Form dieser Verdopplung ist 
die Identität - die Unterschied wird

ok

- die Probleme fangen für mich erst mit dem Grund an.

Welche denn? Vielleicht hilft der Ausschnitt der erdmannschen Logik hier?


Die Trennung in Wesentliches und Unwesentliches ist irreführend, weil
nicht in jeder Kategorie der Wesenslogik eine Seite unwesentlich ist -

Interessant. Können Sie das bitte näher ausführen?


man muß auch den Übergang aus der Seinslogik 
nicht als eine Kategorie nehmen

Verstehe ich nicht ganz. Den Übergang nehme ich als Übergang, egal ob Kategorie oder nicht? (aber von den jeweils letzten Kategorien eines Abschnittes muss es natürlich einen Übergang zum nächsten Abschnitt geben)

worin er besteht wird durch den Begriff des Wesens
klar, auch durch die Indifferenz, die höchste Stufe des Seins, weil
sich hier eben zeigt, daß die Unterschiede im Sein nur Schein waren -
äußere Größenveränderungen usw.

Die Unterschiede im "Sein" waren nur Schein? Das ist ein neuer Gedanke für mich. Kannst du das näher erläutern?

Und wie geht von da aus der Übergang zu "doppelt"? (sieht doch eher nach einem Übergang nach Wesen-Schein aus?)

Probleme insgesamt sehe ich vor allem in der Wesenslogik und im
objektiven Teil der Begriffslogik - bei den anderen Sachen nur im
Detail.

Gut, hier ist der Ort sich dazu auszutauschen und gegenseitig zu helfen. Ich bin sicher, wir können alle voneinander lernen.

Ich finde es ok sich über diese Dinge auf diese oberflächliche Weise
auszutauschen weil viele Dinge unmittelbar evident sind zB. der
Gegensatz von Qualität und Quantität. Überhaupt ist es gut, daß
System von außen nach innen zu verstehen und nicht mit den Details
anzufangen.

Bin mit allem einverstanden.

Alles Gute, Kai Froeb

Antwort: kf

Lieber Beat,

ich schlage vor, zunächst einmal den Text von Erdmann zu Hegel (die Doppelseiten auf http://hegel.net/buecher/Erdmann-Hegel/ ) komplett zu lesen und sich darüber zu verständigen (wo gibts Fragen, Probleme etc).

Als beste Kurzbescheibung zu Hegel die ich kenne (wer besseres kennt, möge dies nennen oder für immer schweigen :-)) sollte es helfen, uns zusammenzuraufen oder auch erste Unterschiede in den Auffassungen und der Herangehensweise aufzuzeigen.

Teil der Darstellung ist auch eine Kurzdarstellung der Logik. Diese hilft auch schon einen ersten Blick auf diese zu werfen (mein zu Diskussion gestellter darauf folgender Schritt). In dieser Kurzdarstellung hatte Lutz Hansen eine Frage aufgeworfen, die wir zuächst mal im Kontext des Gesamttextes angehen koennen.

Sodann verweist die Frage aber auch auf die Sache, den Anfang der Wesenslogik selbst. Darum hatte ich in dem 2.Verzeichnis http://hegel.net/buecher/Erdmann-Logik/ den entsprechenden Ausschnitt von Erdmanns Logik gestelt, so dass die Frage auch aus dem Blickwinkel behandelt werden kann.

Zudem erlaubt das gleichzeitig eine erste Beurteilung von Erdmanns Logik durch Euch, inwiefern ihr diese für gut und hilfreich anseht (falls nicht, macht es wohl wenig Sinn, anhand ihrer die logik durchzugehen).

Sprich: ich versuche die Anfrage von Lutz Hansen dazu zu nutzen, systematisch theoretische Grundlagen für eine weitere Zusammenarbeit zu legen, in dem ich vorschlage, die Frage im grösseren systematischeren Kontext zu behandeln und zuerst die erdmannsche Hegeldarstellung und dann die Erdmannsche Logik duchzugehen.

Alles Gute Kai

Antwort:

Hallo Kai,

ich hab mich da nicht auf dich bezogen mit den Analogien sondern auf die anderen weil ich den eindruck hatte, daß ich so verstanden würde, als würde ich IDentität und unterschied nur als analogien verstehen - ich wollte ausdrücken, inwieweit ich darin eine notwendigkeit sehe und sie deshalb an den anfang des WEsens gehören. Die heuristische Hilfe der PArrallelen finde ich sehr gut.

- ich konnte bisher einfach nicht einsehen, warum der Grund Einheit von identität und Unterschied ist

- ja, der BEgriff Doppelt ist lax, aber ich möchte nicht sagen, sein und schein, weil z.b. bei Identität und UNterschied nicht eines sein und das andere schein ist - ich sehe hier nur eine reihe von Kategorien, die immer aus zwei teilen bestehen, wobei eines nicht ohne das andere denkbar ist; bei Identität und UNterschied ist auch nicht eines das Wesentliche und das andere das Unwesentliche

- mit Übergang aus der Seinslogik als Kategorie meinte ich eben die KAtegorie der alten Wesenslogik "das Wesentliche und das Unwesentliche" - ich wollte damit nur sagen, daß diese Unterscheidung keine eigene Kategorie bilden sollte, da sie nichts "Wesentliches" hinzufügt - sie gehört für mich in den einleitenden Text des Wesens

- bei der Größe ist klar, daß der Unterschied von Größen irrelevant ist, das ist ja ihre Definition - aber ich habe das Ende des MAßes so verstanden, daß sich auch dei Unterschiede der Qualität und überhaupt alle Unterschiede hier als irrelvant herausstellen, daß sie in WAhrheit indifferent sind, worin zugleich die Notwendigkeit einer solchen "wesentlichen" Unterscheidung entwickelt wird - oder besser gesagt es gibt noch nichteinmal dei Kategorie des Unterschieds in der Seinslogik; wenn wir damit nicht einverstanden sind, müßten wir das ganze Dasein auch in die WEsenslogik verschieben

- die Dopplung im Wesen könnte man ja auch einfach als Unterschied beziechnen, weil das ja die allgemeinste Bestimmung des WEsens ist - alle Bestimmungen des WEsens sind in sich unterschieden ...



Antwort: bg

Lieber Kai,

Du schreibst:

> lieber beat,
>
> ich schlage vor, zunächst einmal den text von erdmann zu hegel
> (die doppelseiten auf http://hegel.net/buecher/Erdmann-Hegel/ )
> komplett zu lesen und sich darüber
> zu verstaendigen (wo gibts fragen, probleme etc).

Handelt es sich um die ersten Files mit dem Buchtitel "Versuch einer wissenschaftlichen Darstellung der Geschichte der neueren Philosophie" und dort § 46 "Hegel's Leben und Schriften"?

> als beste kurzbescheibung zu hegel die ich kenne (wer besseres
> kennt, moege dies nennen oder fuer immer schweigen :-)) sollte es
> helfen, uns zusammenzuraufen oder auch erste unterschiede in den
> auffassungen und der herangehensweise aufzuzeigen.
>
> teil der darstellung ist auch eine kurzdarstellung der logik.
> diese hilft auch schon einen ersten blick auf diese zu werfen (mein
> zu diskussion gestellter darauf folgender schritt). in dieser
> kurzdarstellung hatte lutz hansen einefrage aufgeworfen, die wir
> zuächst mal im kontext des gesamttextes angehen koennen.
>
> sodann verweist die frage aber auch auf die sache, den anfang der
> wesenslogik selbst. darum hatte ich in dem 2.verzeichnis 
> http://hegel.net/buecher/Erdmann-Logik/ den entsprechenden 
> Ausschnitt von Erdmanns Logik gestelt, so dass die Frage 
> auch aus dem Blickwinkel behandelt werden kann.
>
> Zudem erlaubt das Gleichzeitig eine erste Beurteilung von
> Erdmanns Logik durch Euch, inwiefern ihr diese für gut und hilfreich
> anseht (falls nicht, macht es wohl wenig sinn, anhand ihrer die logik
> durchzugehen).
>
> sprich: ich versuche die anfrage von Lutz Hansen dazu zu nutzen,
> systematisch Theoretische grundlagen für eikne weitere zusammenarbeit
> zu legen, in dem ich vorschlage die frae im groesseren
> systematischern kontext zu behahndeln und zuerst die erdmannsche
> Hegeldastellung und dan die Erdmannsche Logik duchzugehen.

Das finde ich gut!

> Alles Gute
> Kai

Herzliche Grüsse, Beat

Antwort: gl

<<< - ja, der BEgriff Doppelt ist lax, aber ich möchte nicht sagen, sein und schein, weil z.b. bei Identität und UNterschied nicht eines sein und das andere schein ist - ich sehe hier nur eine reihe von Kategorien, die immer aus zwei teilen bestehen, wobei eines nicht ohne das andere denkbar ist; bei Identität und UNterschied ist auch nicht eines das Wesentliche und das andere das Unwesentliche >>>

Der Unterschied zwischen dem Wesentlichen und dem Unwesentlichen ist - zu Beginn der Wesenslogik - ein "von außen" an die Sache herangetragener!

Es kann zu Beginn der Wesenslogik kein in der Sache selbst begründeter sein, dazu fehlen alle Voraussetzungen.

Wir haben hier einen ganz einfachen Unterschied - oder - wenn man so will - nicht mehr als die Behauptung eines Unterschieds.

Das aber macht Sinn im Rahmen dessen, was die Wesenslogik will.

(Kennen Sie Ibers Dissertation??)

G.L.


Antwort:

Ja aber das gilt doch für alle möglichen Wesensbestimmungen - wir brauchen hier ja ein reflektiertes Werden und man muß wohl den Grund so verstehen, daß er eine unendliche Folge von Grund und Folge bildet, es ist also ein Werden, aber die Glieder sind nicht nur gleichwertig wie im Werden, sondern zugleich gegensätzlich.


Antwort: gl

<<< [...]oder besser gesagt es gibt noch nichteinmal dei Kategorie des Unterschieds in der Seinslogik; wenn wir damit nicht einverstanden sind, müßten wir das ganze Dasein auch in die WEsenslogik verschieben >>>

A.: Es gibt in der Seinslogik "Unterschiede" - wie es "Gegensätze" und "Widersprüche" gibt etc. - es gibt aber noch nicht "den" Unterschied, d.h. die Kategorie desselben. Die kann es noch nicht geben.

G.L.

Antwort: gl

> Ja aber das gilt doch für alle möglichen Wesensbestimmungen - wir > brauchen hier ja ein reflektiertes Werden und man muß wohl den Grund > so verstehen, daß er eine unendliche Folge von Grund und Folge > bildet, es ist also ein Werden, aber die Glieder sind nicht nur > gleichwertig wie im Werden, sondern zugleich gegensätzlich.


Sie beschreiben ein altes Problem von Begründungen: Ein angegebener Grund hängt von weiteren Gründen ab ... usw. ad infinitum. Das wäre ja - auf die einfache Formel gebracht - der Mangel dieser Kategorie.

G.L.



Antwort:

Auch bei späteren Momenten ist nicht immer eines unwesentlich z.B. bei Form und Inhalt, Äußeres und Inneres, aber das ist vielleicht eine Frage der Auslegung. Außerdem finde ich es schwer akzeptierbar, das der Begriff einer Kategorie (Wesen) in ihren ersten Bestimmungen nicht erkennbar sein soll. Ich kenne Ibers Dissertation nicht, er hat sich allerdings inzwischen davon distanziert, ist kein Hegelianer mehr (sondern am ehesten Schellingianer).



Antwort:

JA, es gibt den Unterschied oder Widerspruch zwischen Sein und Nichts usw. also immer zwischen zwei Kategorien, aber keinen Unterschied innerhalb einer - außer in der Quantität z.B. das quantitative Verhältnis, weil dieser Unterschied nur ein Größenunterschied ist - oder in den MAßverhältnissen und im Fürsichsein, das sind auch quantitative Unterschiede - insofern war es vielleicht falsch zu sagen, daß die Indifferenz UNterscheidungen für falsch erklärt, sondern sie ist mehr der Punkt, an dem die UNterscheidungslosigkeit hervortritt, zum Problem wird.


Gegenantwort: lh

Liebe Hegelianer,

erstmal vielen dank für die prompten antworten. die allgemeine zustimmung zur position von erdmann hat mich doch ein wenig gewundert, zumal ja auch die noch kurz vor seinem tod von hegel überarbeitete lehre vom sein einige (wenn auch nicht so frappante) umstellungen gegenüber der enzyklopädischen fassung beinhalten. oder soll etwa diese letzte fassung wieder eine verbesserung der enzyklopädie bedeuten?

außerdem: gehören denn das unwesentliche, der schein und die reflexion nicht zum „körper der wissenschaft“ ? der anfang des wesens muß doch konsequenterweise das wesen in seiner unmittelbarkeit sein. eben dies ist doch das wesentliche dem das unwesentliche als gleichfalls unmittelbares „unwesen“ gegenübersteht.

viele grüße lutz hansen



Antwort: gl

Lieber Herr Hansen,

Sie schreiben:

<<< außerdem: gehören denn das unwesentliche, der schein und die reflexion nicht zum „körper der wissenschaft“ ? der anfang des wesens muß doch konsequenterweise das wesen in seiner unmittelbarkeit sein. eben dies ist doch das wesentliche dem das unwesentliche als gleichfalls unmittelbares „unwesen“ gegenübersteht. >>>

Volle Zustimmung.

1. Ich hatte versucht eine Position einzunehmen, die Hegels klassischen Beginn in der Wesenslogik festzuhalten versucht.

Wir hätten dann in der Wesenslogik sozusagen die "ausführliche" Fassung; diese Führt über Wesentliches und Unwesentliches, Schein und (vor allem!!) Reflexion. (In der Reflexionslogik ist der Kern der logischen Bewegung der gesamten späteren Wesenslogik schon da!!)

2. Das Lob, das Erdmann gezollt wurde könnte - trotz der Verkürzungen (die Hegel in der Enz. übrigens auch vornimmt!!) - könnte so begrünndet werden, dass er hier sozusagen den logischen Kernbestand der Wesenslogik - in ihrem Gesamtumfang - gibt.

Man muss wissen, was man sucht.

Liebe Grüße

Gerd Laschefski



Hinweis: lh

Hallo Leute,

anlässlich unserer kleinen Diskussion zum Anfang des Wesens haben wir eine Übersicht über die verschiedenen Einteilungen des Wesens erstellt, zu sehen auf unserer Seite hegel-system.de.

Dabei fällt auf, daß Hegel in der Enz. von 1808 mit "Wesentliches/Unwesentliches" anfängt, in der Logik von 1810 dagegen mit "Identität", in der großen Logik von 1812/13 wieder mit "Wesentliches/Unwesentliches" und in der Enz. von 1831 wiederum mit "Identität".

Nach Erdmanns (und der Mehrzahl von eurer) Meinung muß Hegel da ja ganz schön hin- und hergesprungen sein...

VG Lutz Hansen



Antwort: gl

Lieber Herr Hansen,

Sie schreiben:

<Nach Erdmanns (und der Mehrzahl von eurer) Meinung muß Hegel da ja ganz <schön hin- und hergesprungen sein...

Ich würde sagen:

Wir drehen uns im Kreis ...

solange wir uns nicht auf den Anfang der Wesenslogik tatsächlich einlassen, muss es bei bloßen Vermutungen bleiben.

Wir führen hier ein Scheingefecht.

Liebe Grüße

Gerd Laschefski


Antwort: bg

M.E. kann man hier nicht von Hin- und Herspringen sprechen. In der Grossen Logik hatte Hegel genügend Raum, um Missverständnissen vorbeugen zu können, und in der Propädeutik für seine Gymnasiasten musste er vor falschen Vorstellungen über den Begriff des 'Wesen' warnen. Demgegenüber musste er sich in der Enzyklopädie von 1817 kurz fassen und konnte lediglich die eigentlichen Argumentationsstränge zur Entwicklung des Begriffs des 'Wesen' darlegen (in den Vorlesungen gab er dann weiterer Kommentare dazu).

Die Gegenüberstellung von Wesentlichem und Unwesentlichem gehört dem Verstandesdenken an und verdunkelt gerade das, was Wesen bedeutet, nämlich Reflexion in sich, der Sein lediglich noch Schein (nicht einfach etwas Anderes) ist. Setzt man aber dem Wesen als Wesentlichem einfach das Unwesentliche gegenüber, dann fällt man in die Seins- oder besser die Daseinslogik zurück: Von einem Dasein wird 'Etwas' als Wesentliches hervorgehoben, dem dann 'etwas Anderes' als Unwesentliches gegenübergestellt wird. Dass dies in eine schlechte Unendlichkeit führt, zeigt Hegel ja in seiner Seinslogik zur Genüge. Das Resultat (die wahre Unendlichkeit) ist dann das Fürsichsein, das jedoch sein Anderssein total verliert und deshalb in die Quantität übergehen muss, aus derer Entwicklung neue qualitative Kategorien hervorgehen (Grad, Mass). Doch keine dieser Kategorien kann das Wesen von Sein wirklich fassen, bleibt diesem immer äusserlich. So kommt die grosse Wende, nämlich der Entscheid, das Sein zum reinen Schein zu degradieren und lediglich noch die Reflexion und ihre Denkgesetze als wahr oder wesentlich anzuschauen. Es geht hier somit nur noch um Denkrelationen, die Hegel in seiner Wesenslogik hinterfragt, ihre Widersprüche aufzeigt, um dann später im Begriff das Sein wiederzugewinnen.

Gruss, Beat Greuter


Gegenantwort: lh

Hallo Beat Greuter und die anderen !

Der Aussage, daß die "Verstandeskategorien" des Wesentlichen und Unwesentlichen (als bloße "Mißverständnisse" und "falsche Vorstellungen", die den Begriff des Wesens "verdunkeln", und das Wesen in die Sphäre des "Daseins zurückwerfen") darum aus der Explikation der Wesens auszuschließen seien, eben weil sie einem bloßen Verstandesdenken entspringen, kann ich nicht zustimmen, da in der Vernuftsbetrachtung das verständige (und dialektische) Moment enthalten sein muß. Diese Vollständigkeit liefert, wenn überhaupt, nur die große Logik. Die Abweichungen von der Einteilung der großen Logik sind deshalb für mich immernoch nur didaktisch zu erklären.

VG Lutz Hansen


Antwort: bg

Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt.

Natürlich geht Hegel von den Verstandesbegriffen aus und zeigt dann ihre Widersprüchlichkeit auf. Dies hält ja die Dialektik aufrecht. Gerade in der Wesenslogik kann man dies sehr schön sehen, so beispielsweise am Anfang, wenn er die innere und äussere Reflektion im Grund als Momente aufgehen lässt und sie eben nicht einfach als verstandesmässige Gegensätze stehen lässt.

Hingegen bin ich der Meinung, dass die Gegenüberstellung von Wesentlichem und Unwesentlichem am Anfang der Wesenslogik für die dialektische Bewegung kaum etwas bringt und von Hegel nur erwähnt wird, um Missverständnisse über das, was Wesen beinhaltet, auszuräumen. Deshalb kann er diese Passage in der Enzyklopädie auch weglassen, ohne dabei die dialektische Bewegung zu verkürzen oder unverständlich zu machen.

Ich gebe aber gerne zu, dass Hegel mit dem Abschnitt über "Das Wesentliche und das Unwesentliche" dem Leser einen einfachen Einstieg in die Logik des Wesens gibt, der ihm auch hilft, die Abgrenzung zwischen Sein und Wesen besser zu verstehen. Ich möchte deshalb eine längere Passage aus diesem Abschnitt zitieren. Vielleicht regt das die Diskussion an.

Freundliche Grüsse, Beat Greuter

Anhang: Aus "Die Wissenschaft der Logik", TWA, 6/18-19:

"Der Unterschied von Wesentlichem und Unwesentlichem hat das Wesen in die Sphäre des Daseins zurückfallen lassen, indem das Wesen, wie es zunächst ist, als unmittelbares seiendes und damit nur als Anderes bestimmt ist gegen das Sein. Die Sphäre des Daseins ist damit zugrunde gelegt, und daß das, was das Sein in diesem Dasein ist, Anundfürsichsein ist, ist eine weitere, dem Dasein selbst äußerliche Bestimmung, so wie umgekehrt das Wesen wohl das Anundfürsichsein ist, aber nur gegen Anderes, in bestimmter Rücksicht. - Insofern daher an einem Dasein ein Wesentliches und ein Unwesentliches voneinander unterschieden werden, so ist dieser Unterschied ein äußerliches Setzen, eine das Dasein selbst nicht berührende Absonderung eines Teils desselben von einem anderen Teile, - eine Trennung, die in ein Drittes fällt. Es ist dabei unbestimmt, was zum Wesentlichen oder Unwesentlichen gehört. Es ist irgendeine äußerliche Rücksicht und Betrachtung, die ihn macht, und derselbe Inhalt deswegen bald als wesentlich, bald als unwesentlich anzusehen.

Genauer betrachtet, wird das Wesen zu einem nur Wesentlichen gegen ein Unwesentliches dadurch, daß das Wesen nur genommen ist als aufgehobenes Sein oder Dasein. Das Wesen ist auf diese Weise nur die erste oder die Negation, welche Bestimmtheit ist, durch welche das Sein nur Dasein oder das Dasein nur ein Anderes wird. Das Wesen aber ist die absolute Negativität des Seins; es ist das Sein selbst, aber nicht nur als ein Anderes bestimmt, sondern das Sein, das sich sowohl als unmittelbares Sein wie auch als unmittelbare Negation, als Negation, die mit einem Anderssein behaftet ist, aufgehoben hat. Das Sein oder Dasein hat sich somit nicht als Anderes, denn das Wesen ist, erhalten, und das noch vom Wesen unterschiedene Unmittelbare ist nicht bloß ein unwesentliches Dasein, sondern das an und für sich nichtige Unmittelbare; es ist nur ein Unwesen, der Schein."


Antwort: ol

Ist das Magnetfeld der Erdkugel einpolig oder zweipolig? - Logisch gesehen ist die Antwort davon abhängig, ob wir die Erde als Sein oder als Wesen betrachten. Die gängige Sicht sagt: die Erde ist zweipolig, auch wenn die beiden Pole in ihrer Ladungsbedeutung als Minus- oder Pluspol mehrmals umgesprungen sein sollten. Die gängige Betrachtungsweise ist also wesenslogisch und damit reflektiert, sie hebt ab auf die Entgegensetzung, den wesentlichen Unterschied von Positivem und Negativem. - Man kann aber auch auf einer ontologischen These beharren und postulieren: die Pole der Erde sind, also müssen sie seinslogisch betrachtet werden. Die Zweiheit der Pole wäre nur der ständige Umschlag des Seins und des Nichtseins des einen Poles. Seine Wahrheit läge also im Vergehen und Entstehen des einen magnetischen Poles an je einem seiner geometrischen Örter, somit hätten wir Werden der Polarität, aber kein Wesen. Es gäbe nur Einpoligkeit mit Übergehen in ihr Gegenteil, von Sein in Nichts des einen Poles und umgekehrt, oder von Etwas in Anderes.

Oberlercher


Antwort: ch

Liebe Leute,

Der Beitrag von Herrn Greuter habe ich mit Interresse gelesen. Sein Argument ist sehr klar und deutlich und sein Zitat war auch für mich einleuchtend. Aber m.E. wäre es ein Kurzschluss, wenn es behauptet wird, dass der Abschnitt Wesentliche und Unwestentliche nur didaktische Bedeutung und kein systematische hat. Ich kann von dem Zitat keinen direkten Beweis herausfinden, dass dieser Abschnitt nur für ein didaktisches Ziel eingeschoben wird. Ich kann zustimmen, dass es beim Abschnitt Wesentliche und Unwesentliche um ein Missverständnis geheh kann. Aber eingetlich jede Darstellung der Kategorien in der Hegels Logik ist zugleich nichts anderes als eine Kritik gegen Missverständnis über die Kategorie. Oder? Aber ich kann noch keine feste Stellung über unsere aktuelle Diskussion über die Einteilung des Wesens. Was mir bislang einigermassen klar ist, ist nur folgende: 1)In dem Zeitpunkt, als Hegel WdL geschrieben hat, war er wahrscheilich m. E. der Auffassung, dass der später in Enyklopädie weggelassene erste Kapitel der Wesenlogik ein ordentlicher systematischer Teil sei. 2)Warum hat er dann in Enzyklopäe dem in der WdL so bedeutsam behandelten Kapitel kein systematischen Status gegeben? Ich glaube, wir brauchen eine Menge philologische Arbeit, um diese Frage zu antworten. 3)Erdmann hat gesagt, dass Hegel diesen Teil abstrich, weil er im System der WdL viele Schwierigkeiten bereit gestellt hat. Aber was wäre diese Schwierigkeiten, die der Kaptiel mit sich gebraucht hätte? Diese Frage muss mehr oder weniger erklärt werden. Hoffentlich kann ich weitere Hinweise über diese Frage von Ihmen bekommen!

Mit herzlichen Grüßen aus Hansastadt Hamburg! chang ho jeong


Antwort: bg

M.E. macht Hegel tastet sich Hegel im ersten Kapitel 'Der Schein' an den Begriff der 'Reflexion' heran, der dann im zweiten Kapitel als Wesenheit oder Reflexionsbestimmungen (Identität, Unterschied und Widerspruch) in die Dialektik der Wesenslogik führt. Dazu braucht er auch das Unterkapitel 'Das Wesentliche und das Unwesentliche', dem er den Schein als das Unwesen (und eben nicht einfach als das Unwesentliche) gegenüberstellt. Liest man die Einführung (ohne Titel) zur Wesenslogik in der Enzyklopädie von 1817, schreibt Hegel dort etwas ganz ähnliches wie im Unterkapitel "Das Wesentliche und das Unwesentliche in der Grossen Logik:

"Indem das Absolute als Wesen bestimmt wird, 
wird aber die Negativität häufig nur in dem Sinne 
einer Abstraktion von allen bestimmten Prädicaten genommen. 
Dieses negative Thun fällt dann ausserhalb des Wesens, 
und das Wesen selbst ist so nur als ein Resultat 
ohne diese seine Prämisse, das caput mortuum der Abstraktion" 
(Enz. § 64). 

Die Prämisse aber ist das Sein, das am Ende der Seinslogik aufgehoben ist, so dass Erklärungen über Wesentliches und Unwesentliches eigentlich nicht mehr erforderlich sind. In seinen Vorlesungen hat Hegel diesen stark verkürzten einleitenden Text in der Enzyklopädie sicherlich weiter erläutert und dabei auch Ausdrücken wie Wesentliches und Unwesentliches verwendet mit einem Verweis auf die Daseinslogik.

Gruss, Beat Greuter.

Antwort: gl

Sie fragen:

<<< 2)Warum hat er dann in Enzyklopäe dem in der WdL so bedeutsam behandelten Kapitel kein systematischen Status gegeben? Ich glaube, wir brauchen eine Menge philologische Arbeit, um diese Frage zu antworten. >>>

Ich sehe das "Problem" so:

a) Die Enz ist für den akademischen Unterricht geschrieben. Ihre "Verkürzungen" verdanken sich dieser Tatsache.

Hegel will sich da nicht selbst kritisieren!!

(Das macht nur deshalb in dieser Liste Schwierigkeiten, weil es hier zu wenige Lehrer gibt! Die Enz ist einfach eine didaktisch-methodische Verkürzung der WdL. Das macht in der Lehre Sinn, da der Lehrer das Ganze kennt und entsprechende Hinweise geben kann - wenn nötig.)

b) Die WdL liefert eine schrittweise, logisch vollständige Entwicklung der Kategorien.

<<< 3)Erdmann hat gesagt, dass Hegel diesen Teil abstrich, weil er im System der WdL viele Schwierigkeiten bereit gestellt hat. Aber was wäre diese Schwierigkeiten, die der Kaptiel mit sich gebraucht hätte? Diese Frage muss mehr oder weniger erklärt werden. Hoffentlich kann ich weitere Hinweise über diese Frage von Ihmen bekommen! >>>

Es hilft nix. Man muss schon den Originaltext lesen und nachvollziehen. Es gibt keinen anderen Weg.

Ich empfehle die Kommentare von Schmidt und Iber.

G. Laschefski



Antwort: ch

Lieber Hegelinaner Heute!

Zum erstens möchte ich meine Frage deutlich machen. Ihr Kernpunkt liegt darin, ob ´das Wesentliche und das Unwesentliche´ systemtheoretisch notwendig oder überflüssig ist. Ich verstehe Herrn Greuter so, dass er den Abschnitt nicht erforderlich bzw. überflüssig findet. Herr Laschefski findet dagegen den Abschnitt systemtheoretisch notwendig. Ich tendiere zwar zur letzteren Position, aber ehrlich gesagt finde ich für beide Positionen keinen entscheidenden Grund. Ich stimme zu Herren Leschfski, wenn er sagt: 'solange wir uns nicht auf den Anfang der Wesenslogik tatsächlich einlassen,muss es bei bloßen Vermutungen bleiben.'

Zweitens. Ich finde das Begriffspaar Wesentliches und Unwesentliches irgendwie merkwürdig. Es scheint m.E., sowohl zur Wesenslogik als auch zur Seinslogik zu gehören. Es gehört zur Wesenslogik, weil es inhaltlich nur erst nach der Selbstaufhebung des Seins auftreten kann. Es gehört noch zur Seinslogik, weil es logisch bzw. strukturell in der Stufe der Unmittelbarkeit bzw. des Übergangs bleibt, wie Hegel selbst gesagt hat. Vielleicht hätte Hegel hier seinen Kopf zerbrechen müssen, um eine richtige Stelle für es zu besorgen.

Drittens. Ich habe heute mit Herrn Martin Grimmsmann Schimdts Kommentar über Wesenslogik gelesen. Da habe ich erst erfahren, dass unsere Frage keine Scheinproblem, sondern eine fragwürdige Frage ist, dass Klaus Schmidt den Abschnitt Wesentliches und Unwesentliches als systematisch- notwendig findet, dass es aber andere Meinungen wie von Wölffle gibt. Sollten wir deshalb unsere Frage für erledigt halten? Oder könnte jemand mir beibringen, warum da Schmidt Recht hat? (Ehrlich gesagt, habe ich seine Idee nicht so ausführlich nachvollzogen.)

Viel Dank! Chang Ho Jeong.


Antwort: bg

Ich finde den Abschnitt über 'Das Wesentliche und Unwesentliche' keineswegs überflüssig. Aber Hegel hatte recht getan, ihn in einer Kurzfassung seiner Logik wegzulassen oder nur kurz in der Einleitung darauf einzugehen, da er in seinen Vorlesungen vertieft auf die Auseinanderlegung des Erreichten (nämlich des 'Wesen') eingehen konnte, um dann mit der im Wesen angelegten eigentlichen dialektischen Bewegung im Kapitel über die Reflexion zu beginnen. Der Ausgangspunkt unserer Diskussion war die Bemerkung von Herrn Lutz Hansen, dass "nach Erdmanns (und der Mehrzahl von eurer) Meinung muß Hegel da ja ganz schön hin- und hergesprungen sein...". Dies würde ich weiterhin vehement bezweifeln.

Was ich nicht wusste ist, dass in der Hegelliteratur diesem Punkt eine wesentliche Bedeutung zukommt. Den Kommentar zur Wesenslogik von Klaus Schmidt habe ich zwar vor etwa einem Jahr gelesen, kann mich allerdings an die entsprechende Passage nicht erinnern. Da ich das Buch von Schmidt nicht nach Saudiarbien mitnehmen konnte, wäre ich Ihnen (oder Herrn Martin Grimmsmann) dankbar, wenn Sie die Argumentation hier kurz zusammenfassen und/oder die wesentlichen Passagen zitieren könnten. Besten Dank!

Gruss, Beat Greuter


Gegenantwort: lh

hallo hegel-mitstreiter,

danke für den hinweis auf das buch von klaus j. schmidt, der mich in meiner meinung, "das wesentliche und das unwesentliche", nicht die "identität" sind der anfang der wesenslogik, bestärkt hat.

er schreibt u.a.:

>> Hegel gewinnt das Anfangskonzept des Scheins im Unterkapitel "Das Wesentliche und das Unwesentliche", indem er erneut nach dem Verhältnis von Sein und Wesen fragt. Leitender Aspekt der Fragestellung ist dabei eine Folgerung aus der Genese des Wesens, mit der das besagte Unterkapitel eröffnet wird. Die Folgerung lautet: "Das Wesen ist das aufgehobene Sein". Weil das Wesen das aufgehobene Sein ausmacht, weil ferner das "Aufheben aufbewahrt", bleibt die "Unmittelbarkeit", aus der das Wesen "geworden ist", "erhalten". Da dem Wesen auf diese Weise selbst das Prädikat der Unmittelbarkeit zukommt, stehen zwei unmittelbar Seiende "in gleichem Werte" gegenüber. Dieser Ansatz treibt in ein Dilemma. Als Aufgehobenes ist das Sein das "Unwesentliche", das Wesen, als Aufhebendes, das "Wesentliche". Unter dem Aspekt des Aufhebens können daher Sein und Wesen nicht als gleichwertig, vielmehr müssen sie als "Andere" angesehen werden. <<

abgesehen davon, daß "etwas" und "anderes" als "andere" gegeneinander gerade gleichgültig/gleichwertig sind stimme ich dem ansatz zu:

die unmittelbarkeit bleibt trotz, besser: durch ihre negation im 1. schritt erhalten: und zwar im unwesentlichen als negiertes Sein wie auch im wesentlichen als negierendes Wesen.

in dieser 1. stufe sind sie gleichwertig, da unmittelbar gegeneinander, wie etwas und anderes.

aber 2. sind sie in ihrer bedeutung absolut unterschieden (nicht mehr wie etwas und anderes).

dem einen kommt die bedeutung zu, wahr (wesen), dem anderen, nicht wahr (nur schein) zu sein.

die 3. stufe ist die reflexion, d.h. das verhältnis von wesen und schein, welches mit dem resultat des wesens als scheinen in sich übergeht in die reflexionsbestimmungen.

gruß lutz hansen

ps: das entsprechende kapitel von schmidt werden wir in den nächsten tagen auf hegel-system.de zeigen. http://hegel-system.de/de/v12111schmidt.htm



Antwort: gl

Lieber Herr Hansen,

Sie schreiben: <<< ps: das entsprechende kapitel von schmidt werden wir in den nächsten tagen auf hegel-system.de zeigen. wir geben bescheid. >>>

Das ist verdienstvoll.

Ich möchte aber aus meiner Erfahrung noch einmal betonen, dass ich den Kommentar von Iber für noch wertvoller halte.

Dass Iber sich später Schelling zugewandt hat, tut da nichts zur Sache.

Der "frühe" Iber - man entschuldige den Ausdruck - taugt mehr als der "späte".

G. Laschefski


Antwort: bg

Besten Dank für den Text von Klaus Schmitdt. Ich muss den Text noch genauer prüfen, um ihn beurteilen zu können. Eine Stelle ist mir jedoch negativ aufgefallen:

"Da der Versuch, das Verhältnis von Sein und Wesen mit Hilfe der Unterscheidung wesentlich und unwesentlich zu beleuchten, die Thematik des Wesens unterwandert, indem er das Wesen auf die Stufe des Daseins zurückfuhrt, ergibt sich für Hegel die Notwendigkeit, die Bestimmung des Scheins in die Wissenschaft der Logik einzuführen."

Wenn das stimmen würde, weshalb hat dann Hegel eine Seinslogik geschrieben, um dort als ihr Ergebnis den Begriff des 'Wesen' vorzubereiten? Die Seinslogik besteht nicht nur aus der Daseinslogik, auf die man am Anfang der Wesenslogik rekurrieren kann, um den Rückfall der Unterscheidung von wesentlich und unwesentlich in die Logik des Daseins aufzuzeigen. Das wäre eine holprige und abstrakt gehaltene Dialektik, wenn daraus die Bestimmung des Scheins notwendig hervorgehen würde.

Der angesprochene Rückfall ist unbestritten und wird ja von Hegel selbst in Abschnitt A. des 1. Kapitels dargelgt und auch von D. Henrich (gemäss Schmidt) bestätigt:

"Henrich verbindet seine These mit der Behauptung, daß das Unterkapitel 'Das Wesentliche und das Unwesentliche' sowie die erste Hälfte des Unterkapitels 'Der Schein' hinter den am Ende der Seinslogik erreichten Ergebnissen zurückbleiben."

Wie dies allerdings zusammengehen soll mit der Behauptung von Henrich (wieder gemäss Schmidt), "daß ein direkter Schritt vom Ende der Seinslogik zu den Reflexionsbestimmungen, 'unmöglich gewesen wäre' ", ist mir schleierhaft, ausser er will sagen, dass es bei Hegel nie direkte Schritte oder lineare Entwicklungen gibt, dass diese eben immer dialektisch sind.

Statt am Anfang der Wesenslogik auf die Daseinslogik zu rekurrieren, sollte man besser den Übergang von der Seinslogik (Mass) in die Wesenslogik genauer analysieren, um daraus den Begriff des Wesens und was er am Anfang umfasst aufzuzeigen. Genau das macht Hegel in der Enzyklopädie Logik von 1817 (Heidelberger Enzyklopädie). Dort war er auf dem Höhepunkt seines Denkens und konnte sein ganzes Werk auf engstem Raum darstellen (was nur gelingt, wenn man das Ganze im Griff hat).

Am Schluss der Enzklopädie Logik von 1817 (§ 63) zeigt Hegel auf, dass das Sein nun ein "auf sich selbst beziehendes Sein" geworden ist und bezeichnet dieses als Wesen. Bezeichnenderweise geht Schmidt vom ersten Satz des oben erwähnten Abschnitts A. (Grosse Logik) aus: "Das Wesen ist das aufgehobene Sein." Davon spricht Hegel nicht am Ende der Seinslogik, sondern fährt im anschliessenden ersten Paragraphen der Wesenlogik (§ 64) fort:

"Das Wesen, als das durch die Negativität seiner selbst sich mit sich vermittlende Seyn, enthält das Negative, als unmittelbar aufgehobene Bestimmtheit, als Schein, und ist Reflexion, - Beziehung auf sich selbst nur indem sie Beziehung auf Anderes ist, das unmittelbar nur als ein Gesetztes und Vermittletes [durch die Reflexion] ist."

Die Bestimmtheit des 'Sein' ist am Ende der Seinslogik aufgehoben, und damit ist es nur noch "sich mit sich selbst Vermitteltes", das seine Bestimmungen aus sich selbst setzt - das Wesen. Um darauf zu kommen, braucht es den Abschnitt A. "Das Wesentliche und das Unwesentliche" der Grossen Logik nicht notwendig. Ich würde sogar behaupten, dass gerade diejenigen, die das Wesen und seine Anfangsbestimmungen (Schein, Reflexion) so ableiten wollen, die Kohärenz des Systems gefährden und dass die Infragestellung des 1. Kapitels der Grossen Logik (gemäss Schmidt tut dies G.M.Wölfle) keineswegs "die Grundlage der Wesenslogik zerstört".

Obwohl Hegel in § 64 von Beziehung auf 'Anderes' spricht, darf dieses 'Andere' nicht mehr mit dem 'Andern' in der Seinslogik verwechselt werden. Am Schluss der Seinslogik hat sich das 'Übergehen' selbst aufgehoben (§ 63). Das 'Andere' ist nur noch ein Scheinen in 'Anderes'. Es gehört zum Wesen selber und wird in der Reflexion selbst gesetzt. Damit gibt es kein 'Übergehen' mehr, oder besser, das 'Übergehen' ist ver-innerlicht. Auf diese Weise ist der unendliche Progress des Übergangs von Qualität in Quantität und umgekerht, von Mass ins Masslose und umgekert am Schluss der Seinslogik im Wesen aufgehoben (§ 62, Enz. 1817). Ohne das Insichgehen des 'Sein' könnte dieser unendliche Progress nicht aufgehoben werden, genauso wie früher das unendliche Übergehen von Sein in Nichts und umgekehrt (reines Werden) ohne das 'Dasein' nicht hätte aufgehoben werden können.

Gruss, Beat Greuter


Antwort: ch

Liebe Hegelgruppe und Lieber Herr Greuter,

Ich habe versucht, Henrichs Gedankengang zu verstehen. Mit diesem Beitrag möchte ich hindeuten, dass das Anfangsproblem der Wesenslogik mit den verschiedenen Verständnissen über die Bestimmung der ganzen WdL zu tun hat. TG.

Chang Ho Jeong


Anhang: (Henrich, Hegels Logik der Reflexion, Hegel Studien Beihefte 18)

"Die Logik des Wesens beginnt mit zwei Abschnitten, in denen Begriffsbestimmungen des Wesens gegeben werden, die offensichtlich hinter dem zurückbleiben, was sich bereits am Ende der Logik des Seins ergeben hatte."(230)

Hier sind wir alle wahrscheinlich gleicher Meinung. Der Rückfall ist offensichtlich eine Tatsache. Die Frage ist, wie wir diesen Rückfall verstehen können. In einer notwendigen logischen Entwicklung der Kategorien in der WdL darf eigentlich ein logischer Rückfall passieren? Wenn man hier nein sagt, muss man behaupten, dass die beiden Rückfall-Abschnitten überflüssig sind, dass Hegel hier einen Fehler begangen hat. Wenn man hier ja sagt, muss man damit gewollt und ungewollt akzeptieren, dass der logische Fortgang der Kategorie in WdL nicht immer linear, und zugleich versuchen, dass dieser Rückfall kein Zufall oder keine Freiwilligkeit, sondern ein notwendiger logischer Zug ist. Genau dies tut D. Henrich in seinem berühmten Aufsatz Hegels Logik der Reflexion. Folgend ist eine grobe Skizze seiner Argumentation durch Zitate.

"(Es) soll hier gezeigt werden, dass in dem von ihm(=Hegel) erstellten Rahmen ein Schritt direkt von der Indifferenz zur Identität ´unmöglich´ wäre. In ihm ist die Behandlung von Gedanken, die hinter die Bedingungen zurückfallen, welche für einen angemessenen Wesensbegriff bereits in Geltung sind, die notwendige Vorbedingung dafür, dass der Begriff des Wesens überhaupt als bestimmter Gedanke gefasst und fortentwickelt werden kann." (232)

Warum ist dieser Umweg des Rückfalls notwendig?

"Der Gedanke von Wesen darf dem vom Sein nicht nur so nachfolgern, dass er nach ihm eingeführt wird und dass er seine Stelle übernimmt. Er muss in dem stärkeren Sinne die Nachfolge von Sein antreten, dass er alle die Charaktere einschließt, welche die Seinsbestimmungen und insbesondere die letzte Seinsbestimmung entwickelt hatten." (233)

Nur durch die Thematisierung der Beziehung zwischen Sein und Wesen als Wesentliches und Unwesentliches kann "die vollständige Integration der Seinscharaktere in den Wesensbegriff erreicht werden" (233). Er deutet auch hin dass in der WdL solcher Rückfall nur einmal in dieser Stelle auftritt und auftreten muss(234).

Also jetzt kommt seine endgültige Formulierung über die ersten beiden Abschnitte der Wesenslogik: "Die Experimente mit den Gedanken ´das Wesentliche und das Unwesentliche´ und ´der Schien´ sind die beiden Etappen des Weges, auf denen Hegel zu diesem Ziel (JCH: zum angemessenen Begriff des Wesens) kommt." (236)

Hier ist eine kurze These nach der Lektüre D. Henrichs: Die ersten beiden Abschnitten sind zwar argumentativ notwendig, aber sie haben nicht den Status der ordentlichen logischen Stufen, sondern nur den einer Gedankenexperimente für die vollständige Argumentation.

Chang Ho Jeong


Gegenantwort: lh

hallo hegel-leute,

wäre der Schritt zum wesentl./unwesent. ein bloßer rückschritt in das sein (unmittelbarkeit), wäre er in der tat überflüssig. er ist aber auch ein fortschritt: wesentl./unwesent. sind zwar beide unmittelbare, jedoch zugleich auch mehr. sie verweisen auf eine reflexion, die sie unterscheidet und wertet: das wesentliche trägt die bedeutung des wahren, das unwesentliche des unwahren seins. diese bedeutung der reflexion kommt den kategorien des seins noch nicht zu: etwas geht in anderes, endliches in unendliches, eins in vieles usw. "nur" über.

gruß lutz hansen


Antwort: bg

Liebe Hegelgruppe, lieber Herr Jeong,

Besten Dank für Ihre Zitate und Interpretation von Henrichs Beitrag zu 'Hegels Logik der Reflexion'. Leider habe ich die Studie nicht zur Verfügung. Aus Ihren Zitaten allein ist die Argumentation schwer nachvollziebar. Zuerst müsste man verstehen, was 'Indifferenz' am Ende der Seinslogik bedeutet. Henrich schreibt (Ihr Zitat):

"(Es) soll hier gezeigt werden, dass in dem von ihm(=Hegel) erstellten Rahmen ein Schritt direkt von der Indifferenz zur Identität ?unmöglich? wäre. In ihm ist die Behandlung von Gedanken, die hinter die Bedingungen zurückfallen, welche für einen angemessenen Wesensbegriff bereits in Geltung sind, die notwendige Vorbedingung dafür, dass der Begriff des Wesens überhaupt als bestimmter Gedanke gefasst und fortentwickelt werden kann." (232)

Warum dies so ist, bleibt für mich schleierhaft. In Enzyklopädie Logik von 1817 habe ich den Begriff der 'Indifferenz' nicht gefunden. Im letzten Kapitel der Seinslogik in der Wissenschaft der Logik "Das Werden des Wesens" geht Hegel ausführlich auf diesen Begriff ein. Im Folgenden ein Zitate aus Abschnitt "A. Die absolute Indifferenz":

"Das Sein ist die abstrakte Gleichgültigkeit - wofür, da sie für sich als Sein gedacht werden soll, der Ausdruck Indifferenz gebraucht worden ist -, an der noch keine Art von Bestimmtheit sein soll; die reine Quantität ist die Indifferenz als aller Bestimmungen fähig, so aber, daß diese ihr äußerlich [sind] und sie aus sich keinen Zusammenhang mit denselben hat; die Indifferenz aber, welche die absolute genannt werden kann, ist [die], die durch die Negation 5/445 aller Bestimmtheiten des Seins, der Qualität und Quantität und deren zunächst unmittelbarer Einheit, des Maßes, sich mit sich zur einfachen Einheit vermittelt. Die Bestimmtheit ist an ihr nur noch als Zustand, d. i. als ein qualitatives Äußerliches, das die Indifferenz zum Substrate hat. ............... Die Bestimmtheit ist auf diese Weise an dem Substrate nur noch gesetzt als ein leeres Unterscheiden. Aber eben dies leere Unterscheiden ist die Indifferenz selbst als Resultat. Und zwar ist sie so das Konkrete, das in ihm selbst durch die Negation aller Bestimmungen des Seins mit sich Vermittelte. Als diese Vermittlung enthält sie die Negation und Verhältnis, und was Zustand hieß, ist ihr immanentes, sich auf sich beziehendes Unterscheiden; eben die Äußerlichkeit und deren Verschwinden macht die Einheit des Seins zur Indifferenz und ist also innerhalb dieser, welche damit aufhört, nur Substrat und an ihr selbst nur abstrakt zu sein." (TWA 5, 444-445)

Der Text zeigt, worauf Hegel hinauswill: In den Begriffsbestimmungen des 'Sein' bleibt immer ein Substrat ausserhalb der Bestimmung. Dieses ist 'indifferent' zur Bestimmung. Das gilt sogar noch in der Bestimmung des 'Mass' am Ende der Seinslogik, wo zwar schon das Verhältnis (die Relation) das Bestimmende sein soll. Aber es ist noch ein "qualitativ Äusserliches, das die Indifferenz zum Substrate hat".

Doch schon im 2. Absatz kommt der Umschlag: Nun verschwindet die Äusserlichkeit in die Einheit des 'Sein' und ist innerhalb dieser Einheit und damit in ihr selber vermittelt. Dies aber ist das 'Wesen'. Und er fährt in Abschnitt "B. Die Indifferenz als umgekehrtes Verhältnis ihrer Faktoren" fort:

"Das Absolute als Indifferenz hat nach dieser Seite den zweiten Mangel der quantitativen Form, daß die Bestimmtheit des Unterschieds nicht durch dasselbe determiniert ist, wie es daran den ersten hat, daß die Unterschiede an ihm nur überhaupt hervortreten, d. i. das Setzen desselben etwas Unmittelbares, nicht seine Vermittlung mit sich selbst ist." (TWA 5, 449)

Dieser Mangel ist erst im 'Wesen' aufgehoben.

Die Zitate zeigen auch sehr schön die Grundintention der Hegelschen Philosophie: Der Begriff entlässt oder vermittelt aus sich selber seine Momente, die ihn bestimmen, und umgekehrt, die von ihm bestimmt werden. In der Seinslogik kann dies noch nicht geschehen, da die Bestimmheiten auseinanderfallen (Dasein, Fürsichsein etc.). In der Wesenslogik ist dies noch nicht erreicht, oder besser nur unter Aufopferung des 'Sein', dessen Einheit gleichgültig wird und aufhört ansichseiendes Substrat zu sein, d.h. 'Reflexion' und 'Verhältnis' wird. Erst in der Begrifflogik ist das Ziel erreicht, und auch hier erst in der Idee des 'Leben' und 'Erkennen'.

Wieso man die Unterscheidung bzw. Gegenüberstellung von 'wesentlich' und 'unwesentlich' braucht, um zu diesem Ergebnis zu kommen, ist mir weiterhin unklar.

Gruss, Beat Greuter


Gegenantwort: lh

Hallo Leute,

Nochmal die Position für die Identität als Anfang des Wesens aus meiner Sicht zusammengefasst:

Die Bestimmungen des Seins heben sich am Ende in die absolute Indifferenz und damit zur Identität des Wesens auf.

Das Wesentliche und Unwesentliche seien noch gar nicht das Wesen selbst, sondern, wie Hegel selbst sagt, nur Daseiende.

Wir wären also hierbei noch gar nicht zum Wesen fortgeschritten, sondern nur zum Sein zurückgegangen.

Mein Einwand:

Das Wesentliche und Unwesentliche finden sich aber nirgendwo im Sein, es sind offentsichtlich neue Bestimmungen, die eine weitere Bedeutung tragen.

Sie sind also nicht mehr das Sein selbst aber auch noch nicht das Wesen selbst.

Dies legt nahe, sie wie Henrich aus beiden auszuklammern und als ihren Übergang zu deuten.

Allein der Übergang ist bereits - gemäß der Methode - am Ende des Seins gemacht.


Dies Dilemma löst sich auf, imdem man - konseqent nach Hegels Methode - Wesentliches und Unwesentliches tatsächlich als den Anfang des Wesens begreift.

Das Sein hat sich mit der Indifferenz vollständig bestimmt und aufgehoben.

Das Wesen als das aufgehobene Sein, als diese Reflexion in sich ist zunächst - konsequenterweise - die reine, unbestimmte Reflexion (Schein) bevor es sich in die Reflexionsbestimmungen unterscheidet.

Die erste Form der unbestimmten Reflexion ist - wie immer - die Unmittelbarkeit.

Wesentliches und Unwesentliches sind also die unmittelbare unbestimmte Reflexion des Wesens in sich.

Man kann sagen, dies sei noch nicht das Wesen selbst, genauso wenig wie das reine Sein das Sein selbst oder das abstrakte Allgemeine der Begriff selbst sind, denn sie sollen sich erst entwickeln.

Gruß Lutz Hansen


Antwort: bg

Ich bin mit Ihnen fast einverstanden. Nur der zweitletzte Absatz stört mich etwas. Wie kann Wesentliches und Unwesentliches "unmittelbare unbestimmte Reflexion" sein? Mir scheint dies schon eine ganz bestimmte Reflexion zu sein, die eben gerade durch die Trennung wieder in Daseinskategorien zurückfällt.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir hier um des Kaisers Bart streiten. Viel wichtiger ist es doch, genau zu vestehen, worauf Hegel mit dem Begriff des 'Wesen' eigentlich zielt. Beim 'Sein' scheint dies für das Vorstellungvermögen verständlicher zu sein. Beim Wesen hat man das Gefühl von etwas Wesentlichem oder Innerem, etwas Unsichtbarem, etwas Erstem, ohne die es 'Sein' nicht geben kann. Genau fassbar ist es jedoch nicht.

Wenn Hegel sagt, dass das Sein oder Ansichsein im Wesen aufbewahrt ist, wie muss man sich das vorstellen? Mir scheint, dass die Beantwortung gerade dieser Frage wichtig ist, weil sie nämlich auf die Objektivität des 'Wesen' zielt. Nach Kant sind ja die Kategorien der Modalität nur formal; sie geben dem Sein nichts und nehmen ihm nichts weg im Unterschied zu den Kategorien der Quantität und Qualität. Dem glaubt Hegel widersprechen zu müssen, da das Ansichsein so als Voraus-Setzung indifferent und äusserlich bleibt. Das heisst aber gerade, dass er die Kantsche Trennung zwischen Wahrnehmung (Objektivität) und den subjektiven Kategorien des Verstandes ablehnt und von Kants Einheit der Apperzeption ausgeht. In dieser Einheit ist nun tatsächlich Sein aufbewahrt und zum Schein degradiert, da erst die subjektiven Kategorien ihm Bedeutung geben.

Hegel muss nun am Anfang der Wesenslogik aufzeigen, dass das Wesen, wie es aus dem Sein entstanden ist, aus sich Objektivität entwickeln kann, d.h. dass das Ansichsein im Fürsichsein aufbewahrt ist und die Einheit beider von Beginn der Wesenslogik an vorhanden ist. Dies scheint nicht einfach zu sein. Ich glaube auch, dass wir hier nicht auf einem vollumfänglichen Beweis bestehen können, da es sich um eine der grossen Wendepunkte der Philosophie handelt, genauso wie der Anfang der Seinslogik nicht bewiesen, sondern nur erläutert werden kann. Dazu hilft sicherlich auch die anfängliche Gegenüberstellung von 'Wesentliches' und 'Unwesentliches'.

Ein solcher Wendepunkt kann logisch aus den erschöpften Versuchen, in der Seinslogk das Anundfürsichsein zu finden, verständlich gemacht werden. So versucht die Philosophie dasselbe nun von der andern Seite, vom Wesen her, das sich sein Dasein selber geben muss, und es eben nicht schon als objektive oder abgetrennte ansichseiende Tatsache vorgegeben hat.

Gruss, Beat Greuter


Gegenantwort: lh

Liebe Hegelfreunde,

Beat Greuter schreibt:

<Wie kann Wesentliches und Unwesentliches <"unmittelbare unbestimmte Reflexion (des Wesens in sich)" sein?

genau das ist die frage, auf die ich zwar auch keine befriedigende antwort habe, die aber (so meine ich) aus der konsequenz der methode entspringt. nur das wollte ich eigentlich in meiner letzten mail sagen.

übrigens: da ich diesen mailaustausch als ein ringen um das verständnis der methode an einem fixierten beispiel ansehe, halte ich ihn nicht für ein streiten "um des kaisers bart".

viele grüße lutz hansen


Antwort: bg

Ich wollte damit nur sagen, dass wir uns am Anfang vielleicht nicht zu sehr auf die Frage des richtigen Anfangs und Übergangs in die Wesenslogik einlassen sollten, sondern zuvor grundsätzliche Fragen, die die Wesenslogik aufwirft (auch aus der Perspektive der Philosophiegeschichte), diskutieren sollten. Dazu können alle Versionen von Hegel herangezogen und verglichen werden, ohne dabei schon dezidierte Aussagen über den richtigen Anfang machen zu müssen. Dieser Weg mag philologisch vielleicht nicht ganz sauber sein, doch ist er für uns Amateure leichter zu gehen. Nur ein Vorschlag!

Gruss, Beat Greuter


Antwort: ch

Liebe Leute,

Ich finde immer noch dies Problem interessant, weil es ein ganz breites Spektrum der Interpretation über dies Kaptitel gibt. In einem Extrem steht das Verständnis, dass man hier kein Mekrwürdiges finden kann, weil in der ganzen Logik immer ein Rückfall in jedem Anfang auftritt. Also, der Rückfall im Wesenstlichen und Unwesentlichen ist ein normaler Verlauf der WdL. Diese Position wird von Hamburger Hegelgruppe und auch ungefähr von K. Schmidt vertreten. In anderem Extrem steht die Position, dass dies Kapitel überflüssig und illegitim sei. Nach dieser Position scheißt Wölflle die Kapiteln(W. u U., Schein, Reflexion) weg in seinem Kommentar bzw. in seiner Rekonstruktion der WdL. Ich glaube, Herr Greuter nähert sich an diese Position. In der Mitte irgendwo stehen D. Henrich und M. Theunissen. Jener behauptet, dass das Kaptiel W. und U. ein notwendiges Gedankenexperiment ist, um die ganze Struktur des Wesen zu erläutern, die in der Kompexität eine Stufe höher als Seinslogik ist. Dieser, also Theunissen behauptet, dass das Kapitel eine Proömium ist und als eine Grundlegung der Wesenslogik funtioniert. Ich versuche, an diese mittlere Position mich anzuschliessen. Aber diese Anschließen bedeutet nicht ein Endepunkt, sondern damit entstehen so viele einschlägige Frage. In dieser Frage geht es darum, wie wir WdL bzw. Wesen verstehen können. Also, eine Antwort auf das Anfangsprobem ist kein Ende der Frage, sondern eher Anfang der Forschung nach der WdL. In diesem Sinne habe ich schon etwas versucht, hinzudeuten, dass dies Problem mit dem Verständnis der ganzen WdL verbunden ist. Aber wahrwscheinlich ohne Erfolg. Es ist aber gut so. Wenn wir die verschiedenen möglichen Interpretationen über W. u U. geguckt haben, wie wäre es zusammen ein Stück weiter zu kommen. Z.B. was ist denn Schein? Oder was ist eingeltich das Andere im Wesenslogik? Ist das Wesen eigentlich mit Kant´s Apperzeption vergleichbar (in Bezug auf Herren Greuter)?

M. T. G. Chang Ho Jeong.


Antwort: ol

Werte Runde,

man muß bei der Anfangsfrage zur Wesenslogik beachten, daß die Enzyklopädie von 1830 Hegels Gesamtsystemdarstellung letzter Hand und daher m.E. verbindlich ist. Der Übergang von der Seins- zur Wesenslogik ist in dieser letzten Fassung einfach und elegant: In der Indifferenz von Qualität und Quantität steht auf beiden Seiten ein Sein S oder auch ein Dasein D, die jeweils mit sich gleich und also eine Identität sind: S = S, D = D. Also sind alle Seienden, wie verschieden auch immer, jeweils mit sich identisch: im Herzen der Identität liegt also der Unterschied als Verschiedenheit: S := D, aber auch der wesentliche Unterschied als Entgegensetzung :=: von z. B. Sein und Nichts: S :=: N. Alle Identitäten = und alle Unterschiede := gehen schließlich zu Grunde und in den Grund =:= ein usw. usf.

MfG Oberlercher


Antwort: bg

Wir sollten die Anfangspartien der Wesenslogik etwas genauer betrachten und damit zusammenhängend auch den Abschnitt 'Das Wesentliche und das Unwesentliche'. Ein Vergleich mit dem Anfang der Wesenlogik in der Enzyklopädie von 1817 wird zeigen, dass beide gar nicht so weit auseinanderliegen.

Im einleitenden Text zur 'Lehre vom Wesen' schreibt Hegel in der Wissenschaft der Logik:

"Es wurde oben schon erinnert, daß, wenn das reine Wesen als Inbegriff aller Realitäten bestimmt wird, diese Realitäten gleichfalls der Natur der Bestimmtheit und der abstrahierenden Reflexion unterliegen und dieser Inbegriff sich zur leeren Einfachheit reduziert. Das Wesen ist auf diese Weise nur Produkt, ein Gemachtes. Die äußerliche Negation, welche Abstraktion ist, hebt die Bestimmtheiten des Seins nur hinweg von dem, was als Wesen übrigbleibt; es stellt sie gleichsam immer nur an einen anderen Ort und läßt sie als seiende vor wie nach. Das Wesen ist aber auf diese Weise weder an sich noch für sich selbst; es ist durch ein Anderes, die äußerliche, abstrahierende Reflexion; und ist für ein Anderes, nämlich für die Abstraktion und überhaupt für das ihm gegenüber stehenbleibende Seiende. In seiner Bestimmung ist es daher die in sich tote, leere Bestimmungslosigkeit." (TWA 6, 14)

Gegen Ende des Abschnitts 'A. Das Wesentliche und das Unwesentliche' schreibt Hegel m.E. dasselbe:

"Genauer betrachtet, wird das Wesen zu einem nur Wesentlichen gegen ein Unwesentliches dadurch, daß das Wesen nur genommen ist als aufgehobenes Sein oder Dasein. Das Wesen ist auf diese Weise nur die erste oder die Negation, welche Bestimmtheit ist, durch welche das Sein nur Dasein oder das Dasein nur ein Anderes wird. Das Wesen aber ist die absolute Negativität des Seins; es ist das Sein selbst, aber nicht nur als ein Anderes bestimmt, sondern das Sein, das sich sowohl als unmittelbares Sein wie auch als unmittelbare Negation, als Negation, die mit einem Anderssein behaftet ist, aufgehoben hat. Das Sein oder Dasein hat sich somit nicht als Anderes, denn das Wesen ist, erhalten, und das noch vom Wesen unterschiedene Unmittelbare ist nicht bloß ein unwesentliches Dasein, sondern das an und für sich nichtige Unmittelbare; es ist nur ein Unwesen, der Schein." (TWA 6,19)

In den einleitenden Passagen zur Wesenslogik schreibt Hegel in der Enzyklopädie von 1817:

"Das Absolute ist das Wesen. - Diese Bestimmung ist insofern dieselbe, als die, dass es das Seyn ist, insofern Seyn gleichfalls die einfache Beziehung auf sich ist. Aber sie ist zugleich höher, weil das Wesen das in sich gegangene Seyn ist, d.i. seine einfache Beziehung auf sich ist diese Beziehung durch die Negation des Negativen, oder als reine Negativität. Indem das Absolute als Wesen bestimmt wird, wird aber die Negativität häufig nur in dem Sinne einer Abstraction von allen bestimmten Prädicaten genommen. Dieses negative Thun fällt dann ausserhalb des Wesens, und das Wesen selbst ist so nur als ein Resultat ohne diese seine Prämisse, das caput mortuum der Abstraktion." (§ 64)

Interessant ist nun ein Verleich mit denjenigen Passagen aus der Vorrede der Phänomenologie des Geistes, die zum Bruch zwischen Schelling und Hegel geführt haben:

"Irgendein Dasein, wie es im Absoluten ist, betrachten, besteht hier in nichts anderem, als daß davon gesagt wird, es sei zwar jetzt von ihm gesprochen worden als von einem Etwas; im Absoluten, dem A = A, jedoch gebe es dergleichen gar nicht, sondern darin sei alles eins. Dies eine Wissen, daß im Absoluten alles gleich ist, der unterscheidenden und erfüllten oder Erfüllung suchenden und fordernden Erkenntnis entgegenzusetzen oder sein Absolutes für die Nacht auszugeben, worin, wie man zu sagen pflegt, alle Kühe schwarz sind, ist die Naivität der Leere an Erkenntnis. - Der Formalismus, den die Philosophie neuerer Zeit verklagt und geschmäht [hat] und der sich in ihr selbst wieder erzeugte, wird, wenn auch seine Ungenügsamkeit bekannt und gefühlt ist, aus der Wissenschaft nicht verschwinden, bis das Erkennen der absoluten Wirklichkeit sich über seine Natur vollkommen klar geworden ist." (TWA 3, 22) ................ "Die lebendige Substanz ist ferner das Sein, welches in Wahrheit Subjekt oder, was dasselbe heißt, welches in Wahrheit wirklich ist, nur insofern sie die Bewegung des Sichselbstsetzens oder die Vermittlung des Sichanderswerdens mit sich selbst ist. Sie ist als Subjekt die reine einfache Negativität, eben dadurch die Entzweiung des Einfachen; oder die entgegensetzende Verdopplung, welche wieder die Negation dieser gleichgültigen Verschiedenheit und ihres Gegensatzes ist: nur diese sich wiederherstellende Gleichheit oder die Reflexion im Anderssein in sich selbst - nicht eine ursprüngliche Einheit als solche oder unmittelbare als solche - ist das Wahre. Es ist das Werden seiner selbst, der Kreis, der sein Ende als seinen Zweck voraussetzt und zum Anfange hat und nur durch die Ausführung und sein Ende wirklich ist." (TWA 3, 23)

Darum geht es Hegel in all diesen Textstellen: um "die Reflexion im Anderssein in sich selbst" und die Ablehnung einer "unmittelbaren ursprünglichen Einheit als solche" - das Wesentliche - die dem Anderssein - dem Unwesentlichen - einfach entgegengesetzt ist, ohne die Vermittlung aufzuzeigen. Diesem Formalismus, den er in Kants absoluter Gegenüberstellung von Anschauung und Begriff unter Hintansetzung der objektiven ursprünglich-synthetischen Einheit der Apperzeption (Selbstbewusstsein) kritisiert hatte und den er in Schellings 'Intellektuelle Anschauung' wieder aufkeimen sieht, will er am Anfang der Wesenslogik entgegentreten. Dazu dient ihm auch der Abschnitt über das Wesentliche und Unwesentliche. Erst wenn er diese unvermittelte Gegenüberstellung abgetan hat, kann er mit der Beschreibung des 'Wesen' als Reflexion und Schein beginnen und ihre weiteren Bestimmungen entwickeln (Identität, Unterschied, Widerspruch).

Gruss, Beat Greuter


Gegenantwort: lh

hallo herr greuter (und die anderen) !

sie schrieben zuletzt:

"... Darum geht es Hegel in all diesen Textstellen: um "die Reflexion im Anderssein in sich selbst" und die Ablehnung einer "unmittelbaren ursprünglichen Einheit als solche" - das Wesentliche - die dem Anderssein - dem Unwesentlichen - einfach entgegengesetzt ist, ohne die Vermittlung aufzuzeigen. Diesem Formalismus, ..., will er (Hegel) am Anfang der Wesenslogik entgegentreten. Dazu dient ihm auch der Abschnitt über das Wesentliche und Unwesentliche. Erst wenn er diese unvermittelte Gegenüberstellung abgetan hat, kann er mit der Beschreibung des 'Wesen' als Reflexion und Schein beginnen und ihre weiteren Bestimmungen entwickeln (Identität, Unterschied, Widerspruch)."

ich entnehme daraus, daß sie der auffassung sind, das wesentliche/unwesentliche nicht zur logischen fortentwicklung zu zählen, sondern es lediglich für didaktisch motiviert erklären.

aber die "unmittelbare ursprüngliche Einheit als solche" oder der "Formalismus" darf nicht "abgelehnt", "abgetan" oder gar geschenkt, sondern muß überwunden, dafür aber auch gesetzt werden und moment der logischen entwicklung sein.

vg lutz hansen


Antwort: bg

Was nicht abgelehnt werden darf, ist die Reflexion, auch wenn sie die "unmittelbare ursprüngliche Einheit als solche" 'beschmutzen' sollte. Was abgelehnt werden muss, ist die Reinhaltung der "unmittelbaren ursprünglichen Einheit als solche". Dies hat Hegel schon sehr früh in seiner philosophischen Laufbahn gegenüber Schelling und Hölderlin (später auch gegen Jacobi) vertreten. Daraus ging letztendlich seine dialektische Methode hervor, dieses Zurückgehen aus der Entfremdung in die Einheit und das Herausgehen aus der Einheit in die Entfremdung. Dies war auch der Grund dafür, dass er wieder zu Kant zurückging, nicht deshalb, um in den Dualismus und das vorausgesetzte Ding an sich zurückzufallen, sondern um seine Logik aus den Verstandeskategorien Kants heraus zu entwickeln. Nur so konnte er das Absolute fassen, ohne das Nicht-Absolute einfach aussen vor zu lassen. Auch D. Henrich macht dies in seinem Kommentar zur Logik der Reflexion deutlich, weshalb sein Bestehen auf der argumentativen Notwendigkeit der in die Seinslogik zurückfallenden Gegenüberstellung von Wesentliches und Unwesentliches am Anfang der Wesenslogik mir weiterhin nicht einleuchtet:

<>"Die Logik des Wesens beginnt mit zwei Abschnitten, in denen Bestimmungen des Wesens gegeben werden, die offensichtlich hinter dem zurückbleiben, was sich bereits am Ende der Seinslogik ergeben hatte. Hegel wollte schon dort gezeigt haben, daß sich die Differenz einer ansichseienden Grundlage von Bestimmungen auf der einen Seite und ihrem Wechselverhältnis zueinander auf der anderen als unhaltbar erwiesen habe. Die Grundlage ist aus sich selbst zugleich Bestimmtheit und die Bestimmtheit deshalb ihr gegenüber nicht äußerlich und selbständig, sondern nur das eigene Fürsichsein der Grundlage und somit wesentliches, internes Moment. Diese Struktur ist auch bereits als "einfache unendliche Beziehung auf sich, die Unverträglichkeit ihrer mit sich selbst, Abstoßen ihrer von sich" beschrieben. (I, 397, 3, 15ff) <>Was unter dem Titel >Wesentliches< und >Schein< am Anfang des folgenden Buches auftritt, erfüllt aber diese Struktur durchaus nicht. Wesentlich wird etwas unter ihm externen Gesichtspunkten. Und der Schein, obgleich er keinen vom Wesen abhebbaren Bestand hat, verhüllt er es doch nur und ist eine, wenn auch nichtige, Bestimmtheit gegen es, - nicht seine eigene Selbstbestimmung. McTaggart hat deshalb vorgeschlagen, in der Weise, wie die, Enzyklopädie es tut, die Wesenslogik mit der.Kategorie der Identität beginnen zu lassen. Nun ist aber die Enzyklopädie nur der Grundriß für eine Darstellung, die vollständige Argumente zu geben hat; und nur die große Logik argumentiert. Unter Absehen von der Frage, ob es zu ihrem Argumentationsgang Alternativen gab, soll hier gezeigt werden, daß in dem von ihr erstellten Rahmen ein Schritt direkt von der Indifferenz zur Identität unmöglich gewesen wäre. In ihr ist die Behandlung von Gedanken, die offenkundig hinter den formal schon angegebenen Begriff des Wesens zurückfallen, die notwendige Vorbedingung dafür, daß der Begriff des Wesens überhaupt als bestimmter Gedanke entwickelt werden kann." (D. Henrich, Hegel im Kontext, S. 105 f)

Allerdings darf man nicht übersehen, dass die Selbstsetzung der Reflexion unmittelbar ist, die Grenze noch nicht in der Sache selbst liegt, jene noch nicht die Sache in ihren Momenten, in ihrem Anderssein entwickelt, somit das Sein, obwohl oder gerade weil als Ansichsein verschwunden, als solches fortlebt und sich ständig selber wieder als Unmittelbares erzeugt. Erst der Begriff in der Subjektiven Logik hat die Grenze und damit die Entwicklung der Momente in sich selbst und ist so ein Anundfürsichsein geworden.

Gruss, Beat Greuter


Antwort: ch

Hallo heutige Hegelianer

1. Lutz Hansen sagt:die "unmittelbare ursprüngliche Einheit als solche" oder der "Formalismus" darf nicht "abgelehnt", "abgetan" oder gar geschenkt, sondern muß überwunden, dafür aber auch gesetzt werden

Herr Greuter sagt: Was nicht abgelehnt werden darf, ist die Reflexion, auch wenn sie die "unmittelbare ursprüngliche Einheit als solche" 'beschmutzen' sollte. Was abgelehnt werden muss, ist die Reinhaltung der "unmittelbaren ursprünglichen Einheit als solche".

Ich bin der Auffassung, dass diese beie Hegelianer hier eine gleiche Sache nur anders formuliert haben. Also, mindestens in diesem Topik teilen beide schelchthin gleiche Meinung mit einander.

2. Ich bin der Auffassung, dass der Kernpunkt der Position Henrichs von dieser Aussage Herrn Greuters abgeleitet werden kann: 'das Sein, obwohl oder gerade weil als Ansichsein verschwunden, als solches fortlebt und sich ständig selber wieder als Unmittelbares erzeugt.' Diese Tatsache, dass das Sein in der ganzen Wesenlogik fortlebt, bis es in der Begriffslogik endlich komplett aufgehoben wird und zugleich obwohl es anscheinend durch die Bewegung der Seinlogik schon völlig aufgehoben wurde - diese Tasache benötigt eine Erklärung, wie und wodurch dieses Sein oder Unmittelbare in der Seinlogik und der Wesenslogik sich unterscheiden kann und wie man die logische Struktur der beiden Logiken ganz genau unterscheiden kann. Diese beiden Fragen sind untrennbar verbunden. Könnte man vielleicht diese Frage überflüssig finden, wie Mctaggard oder Wöllfle. Aber Henlich argumentiert m. E. überzeugend, dass der entscheidene Übergang vom Sein zum Wesen - in Hinsicht auf eine Theorieentwicklung - unmöglich sei, ohne diese Fragen ausführlich zu behandeln. Dies passiert gerade im Kapitel Wesentliches und Unwesentliches und im Kapitel Schein.

Ich wünsche Ihnen frohe Festtage! Jeong.


Antwort: bg

Liebe Hegelgruppe,

Herr Jeong schreibt:

> Hallo heutige Hegelianer > > 1. > Lutz Hansen sagt:die "unmittelbare ursprüngliche Einheit als solche" > oder der "Formalismus" darf nicht "abgelehnt", "abgetan" oder gar > geschenkt, sondern muß überwunden, dafür aber auch gesetzt werden > > Herr Greuter sagt: Was nicht abgelehnt werden darf, ist die > Reflexion, auch wenn sie die "unmittelbare ursprüngliche Einheit als > solche" 'beschmutzen' sollte. Was abgelehnt werden muss, ist die > Reinhaltung der "unmittelbaren ursprünglichen Einheit als solche". > > Ich bin der Auffassung, dass diese beie Hegelianer hier eine gleiche > Sache nur anders formuliert haben. Also, mindestens in diesem Topik > teilen beide schelchthin gleiche Meinung mit einander.


Ja, in diesem Punkt scheinen Herr Hansen und ich gleicher Meinung zu sein. Was weitere Abklärungen erfordert, sind die folgenden Fragen (und ev. weitere):

(1) Was ist am Ende der Seinslogik genau erreicht worden? (2) Genügt das Erreichte, um unmittelbar mit dem weiteren dialektischen Fortschreiten in der Wesenslogik beginnen zu können? (3) Welchen Stellenwert haben Erläuterungen, nachdem eine neue Stufe in der Begriffsenwicklung erreicht worden ist? (4) Welche Funktion haben Synthese und Analyse (Deduktion) an solchen Wendepunkten der Logik?


> 2. > Ich bin der Auffassung, dass der Kernpunkt der Position Henrichs von > dieser Aussage Herrn Greuters abgeleitet werden kann: 'das Sein, > obwohl oder gerade weil als Ansichsein verschwunden, als solches > fortlebt und sich ständig selber wieder als Unmittelbares erzeugt.' > Diese Tatsache, dass das Sein in der ganzen Wesenlogik fortlebt, bis > es in der Begriffslogik endlich komplett aufgehoben wird und > zugleich obwohl es anscheinend durch die Bewegung der Seinlogik > schon völlig aufgehoben wurde - diese Tasache benötigt eine > Erklärung, wie und wodurch dieses Sein oder Unmittelbare in der > Seinlogik und der Wesenslogik sich unterscheiden kann und wie man > die logische Struktur der beiden Logiken ganz genau unterscheiden > kann. Diese beiden Fragen sind untrennbar verbunden. Könnte man > vielleicht diese Frage überflüssig finden, wie Mctaggard oder > Wöllfle.


Überflüssig sind diese Fragen keineswegs. Nur muss bei Hegel zwischen Erläuterungen über den Stand des Erreichten und das Logische allgemein einerseits und der dialektischen Weiterentwicklung des Begriffs andererseits unterschieden werden. Damit ist noch nicht gesagt, dass das erstere nicht notwendig ist.


> Aber Henlich argumentiert m. E. überzeugend, dass der > entscheidene Übergang vom Sein zum Wesen - in Hinsicht auf eine > Theorieentwicklung - unmöglich sei, ohne diese Fragen ausführlich zu > behandeln. Dies passiert gerade im Kapitel Wesentliches und > Unwesentliches und im Kapitel Schein.


Ob dies Dieter Henrich wirklich tut, bin ich mir nach genauerem Durchlesen nicht mehr so sicher. Das folgende Zitat aus Henrichs Aufsatz über die Logik der Reflexion lässt mich daran zweifeln:

"Der Gedanke vom Wesen muß nämlich so gefaßt sein, daß er nicht nur auf den der Indifferenz folgt; in einem stärkeren Sinne muß er dessen Nachfolge antreten: Er muß alle Charaktere einschließen, die zur letzten Seinsbestimmung zählten; und er muß sie so miteinander verbinden, daß seine Analyse nicht wieder in die Seinslogik zurücktreibt. In diesem Falle wäre, was Nachfolge sein sollte, bloße Vertretung, und es hätte sich erwiesen, daß die Begriffsstruktur des Seins unüberbietbar ist, auch wenn sie nicht kohärent gemacht werden kann. Damit wäre das Programm der Logik gescheitert. Hegel führt den Nachweis, daß es sich anders verhält, indem er mit Gedanken experimentiert, in denen das Verhältnis von Sein und Wesen noch als eine externe Relation gedeutet wird, zugleich aber die Priorität des Wesens grundsätzlich anerkannt ist. Man kann sie als Gedanken der Vernunft im Stadium des Versuches beschreiben, einen bestimmten Begriff vom Wesen zu gewinnen. Er wird erreicht, indem gezeigt wird, daß die Merkmale, welche das vom Wesen suspendierte, von ihm aber noch immer unterschiedene Sein kennzeichnen, als eigene Bestimmungen des Wesens zu denken sind." (Dieter Henrich, Hegel im Kontext, S. 106 f)

Am Anfang der Wesenslogik versucht Hegel, das am Ende der Seinslogik Erreichte explizit zu machen, nämlich: dass das Sein selbstreflektierend und als solches autonomes Wesen (inneres Verhälntnis) geworden ist, das sein Sein selber setzt und es als Ansichsein nicht mehr akzeptiert oder zumindest als solches für uninteressant erklärt. Dazu braucht er zum einen den Kontrast der externen Relation von Wesen und Sein - Wesentliches und Unwesentliches - wie sie noch in der Logik des Daseins gegeben ist, und zum andern eine genauere Erläuterung der Begriffe Schein und Reflexion. Deshalb schreibt Henrich etwas weiter unten:

"Offensichtlich wird in ihm [im Nachweis oder Explizitmachen des Erreichten] keine logische Ableitung des Wesens aus dem Schein gegeben" (a.a.O., S. 109).

Die logische Ableitung des Wesens ist schon am Ende der Seinslogik erfolgt.


> Ich wünsche Ihnen frohe Festtage! > Jeong.

Auch an Alle frohe Festtage und weitere gedeihliche Zusammenarbeit im Neuen Jahr!

Gruss, Beat Greuter


Antwort: bg

Liebe Hegelgruppe,

Um unsere Problematik des Übergangs von der Seins- in die Wesenslogik noch von einer weiteren Seite her zu beleuchten, habe ich mich etwas vertieft in Klaus Hartmanns 'Hegels Logik' (De Gruyter, 1999). Bis jetzt bin ich dort in der Seinslogik stecken geblieben.

Hartmann kennzeichnet die Ableitung des Wesensbegriffs aus der Entwicklung des Seinsbegriffs am Schluss der Seinslogik als eine "Verstehensaufgabe", d.h. als "Hegels systematisch-hermeneutische Intention". Im Zusammenhang damit bezweifelt er, dass es Hegel gelungen ist, eine saubere und 'lineare' Ableitung des Wesensbegriffs zu geben. Er nennt Hegels Argumentation "abenteuerlich", ein "Hin- und Hergehen" zwischen thematischer (aus dem dialektischen Potential des Begriffs des 'Mass' argumentierend) und metatheoretischer Argumentation (über den Begriff des Masses weitergehende Argumentation des Philosophierenden), obwohl Hegel ja genau diese Methode schon in der Einleitung zur Phänomenologie des Geistes beschrieben hatte, allerdings dort mit einer klaren Abgrenzung der Anwendung der beiden Argumentationstypen.

Grundsätzlich bin ich mit Hartmann in diesem Punkte einverstanden, insbesondere wenn er am Schluss seiner Erläuterungen zur Seinslogik schreibt:

"Man kann fragen: mussten dann die Stadien Qualität, Quantität und Mass druchlaufen werden, um dorthin, also zum Wesen zu gelangen? Allerdings könnte man Hegel zugutehalten, dass schwerlich auszudenken ist, welche anderen Varianten von nicht-wesentlichen Bestimmungen [Harmann meint hier Bestimmungen innerhalb der Sphäre der Seinslogik] noch hätten berücksichtigt werden müssen oder welche hätten fehlen können. Auch das Mass mag so akzeptiert werden, wiewohl seine begründete Einführung und der lineare Übergang ins Wesen fraglich bleiben. Die Nichtausdenkbarkeit einer Alternative zu dem der neuen Sphäre Vorausliegenden scheint immerhin Hegels These vom Mass als Vorgestalt des Wesens zu beglaubigen. Damit ist nicht die dialektische Rekonstruktion als ganze gerechtfertigt, vielleicht aber doch Hegels systematisch-hermeneutische Intention." (a.a.O., S. 162)

Natürlich muss jetzt die Frage nach Hegels eigenem Anspruch gestellt werden. Wollte er wirklich einen "linearen Übergang ins Wesen" aufzeigen, oder war es nicht immer eine "systematisch-hermeneutische Intention", d.h. eine "Verstehensaufgabe", die ihm für die Erfassung des Übergangs von der Sphäre des Seins in diejenige des Wesens (und anderer solcher Übergänge) vorschwebte. Hartmann beantwortet diese Frage nicht. Wie immer man sie jedoch beantwortet, etwas scheint mir klar: solange der Begriff nicht anundfürsich geworden ist, ist eine rein thematische Begründung gar nicht möglich. Es braucht die metatheoretische Begründung, um das Neu-Entstehende aufzuzeigen, eine rein thematische Fortentwicklung bleibt in der eigenen noch beschränkten "vorausliegenden" Sphäre verhaftet, kann das Neue selber noch nicht explizit erfassen, obwohl es schon implizit in ihr vorhanden ist. Die Erfassung des Neuen ist immer mit einem Sprung verbunden, den der Philosophierende erklärend aufzuzeigen hat. Dies gilt sowohl für die Geschichte des Bewusstseins als auch ihres reinen Begriffs.

Damit möchte ich die Argumentation Hegels an dieser Stelle nicht einfach rechtfertigen. Nur ein genaues Studium des Argumentationsablaufes könnte dies erbringen. Dazu wäre vielleicht auch ein Vergleich des Übergangs ins "Selbstbewusstein" in der Phänomenologie des Geistes nützlich (von "Kraft und Verstand, Erscheinung und übersinnliche Welt" in "Die Wahrheit der Gewißheit seiner selbst") - eine der schwierigsten Stellen dieses Werks. Auch interessant wäre ein Vergleich mit Hegels Realphilosophie. So ist beispielsweise für Hegel die griechische Welt durch das Mass bestimmt (auch noch in Aristoteles' Nikomachische Ethik), obwohl schon in Sokrates sich etwas ganz Neues anbahnte, das ja dann auch (zumindest nach Hegel) das Massvolle und Schöne der griechischen Welt zum Einsturz brachte.

Bevor ich in der nächsten Mail zu Hartmanns Erläuterungen der Anfangspassagen der Wesenslogik übergehen, die uns ja in dieser Diskussion am meisten interessieren müssen, möchte ich noch als Zusammenfassung eine längere Textstelle zitieren zur (metatheoretischen) Bestimmung des Wesensbegriffs am Schluss seines Kapitels zu "Quantität und Mass". Diese Stelle kann helfen, Hegels Begriff des Wesens besser zu verstehen und damit auch die darauf folgenden unterschiedlichen Einführungen zur Logik des Wesens:

"Das Problem ist die begriffliche Genesis des Gesetztseins in der neuen Konfiguration (....), die Deutung, dass die Negation des Bestimmten als eines Gleichgültigen Erzeugnis des eigenen Abstossens ist - also die Aneignung des Bestimmten als eines Eigenen. Oder: dass das Substrat sich erweisen soll als sich bestimmend und somit als nicht mehr gleichgültig gegenüber seinen Bestimmungen, als mehr denn Substrat. - Diese Deutung ist offenbar metatheoretisch (......); aber gerade metatheoretisch ist die mit Mass kohärente Proponierung einer Einheit von Sich-Abstossen und Fürsichsein im Wesen eine Verstehensaufgabe. Ein Sich-Abstossen gab es schon früher, beim Etwas, als ein Sich-über-sich-Hinausschicken: so das Sich-Abstossen des Punktes als Anfang der Linie usw. Der Unterschied zu diesem Sich-Abstossen ist das Immanentbleiben des Abgestossenen in der neuen Struktur. Das Abgestossene ist auch nicht Gleichgeartetes (zu einem Etwas noch ein Etwas und noch eines), sondern Ungleichartiges als zugehörig zum und gesetzt vom Zentrum. Gerade diese Ungleichartigkeit des Sich-Abstossenden und des (im Abstossen dennoch) Einbehaltenen kennzeichnet das mit den Denkmitteln des Seinslogik rekonstruierte oder doch angebahnte Novum, eine metatheoretisch-prinzipielle Sphärenbestimmung , das Wesen." (a.a.O., S. 160 f)

Gruss, Beat Greuter


Antwort:

Betrifft: Anfangsproblem der Wesenslogik

Beats Zitat von Hartmann fand ich sehr gut - man muß das Wesen als den sich negierenden Begriff denken, der diese Negation noch nicht aufhebt - aber schon erkennt, daß seine Negation er selbst ist - deshalb ist auch das erste, was dieser neue Standpunkt über sich sagt - "Identität"!


Antwort: gl

Wir haben in der Vergangenheit - so glaube ich - schon einmal über das Buch von Hartmann gesprochen.

Ich mag ihn inzwischen nicht mehr besonders. (Mein Anfangseindruck war besser, das hat sich aber inzwischen gelegt.)

Das klingt jetzt nach einem nur persönlich begründeten Urteil. Aber dennoch:

Hauptmangel bei Hartmann sehe ich darin, dass er

a) in manchen Partien seines Buches noch schwerer zu verstehen ist als Hegel selbst (Ich würde fast von "Scheinproblematisierung" sprechen.), dass er ...

b) dem Hegel letztlich nicht über den Weg traut und ständig meint, Fehler bei Hegel nachweisen zu müssen, ohne dass er dann jedoch in der Lage wäre - s.o. -, greifbare und nachvollziehbare Alternativen anzubieten.

Deine Frage nach dem Übergang in die Wesenslogik kann - so glaube ich - ganz gut über den Text der Enz. von 1830 angegangen werden. Ich würde schwer dafür plädieren, einfach über diesen Text zu versuchen, an die Sache selbst heranzukommen.

Liebe Grüße

Gerd


Antwort: bg

Liebe Hegelgruppe,

Das vierte Kapitel von Klaus Hartmans 'Hegels Logik' (DeGruyter, 1999) ist der Wesenslogik gewidmet. Er definiert die Wesenslogik im Titel des Kapitels als "Grundlegung von Erklärung" (S. 163). Damit meint er, dass der Begriff des 'Wesen' eine "Superkategorie" (S. 166) für die logische Bestimmung von einzelnen Erklärungen des Seins sei, die über eine unmittelbare qualitative oder quantitative Bestimmung des Seins hinausgehen, d.h. die eben das (unsichtbare) Wesen des Seins erklären wollen. Es ist sehr wichtig hier den Unterschied zwischen der Superkategorie selber und den einzelnen Erklärungen des Wesens des Seins zu betonen: "Die Struktur der einzelnen Erklärungen wird selbst Thema" (S. 166). Dabei werden die einzelnen Erklärungsversuche kritisch hinterfragt. Es geht somit um "die [kritische] Thematisierung von ontologischen Begriffen [Substanz, Akzidenz etc.] als Erklärungskonzeption" (S. 166). Damit gehe Hegel auch über Platon und Aristoteles hinaus, bei denen die "Essenz, welche als Wesen fungiert" (S. 166) immer eine bestimmte Essenz ist und nicht Superkategorie sei.

[Aus diesen (metatheoretischen) Erläuterungen von Hartmann geht auch sehr schön hervor, wie die Verbindung von Metaphysik (Ontologie) und Logik bei Hegel zu verstehen ist. Es handelt sich eben nicht einfach um eine formale Logik, die unkritisch mit ontologischen Begriffen verbunden ist (was nach Kant nicht mehr geht), sondern um die kritische Behandlung dieser Begriffe in einer logischen Abfolge, die notwendig dialektisch sein muss.]

Für unsere Diskussion interessant sind die nächsten Abschnitte des vierten Kapitels, die Hartmann mit "Die dialektische Konstitution des Wesens [Erstes Kapitel. Der Schein]" überschreibt. Er schreibt, dass Hegel in diesem Kapitel - das nur in der Wissenschaft der Logik, nicht in der Logik der Enzyklopädie, enthalten ist - "eine nähere (dialektische) Deutung der Wesensstruktur selbst unter dem Motto 'Reflexion' " (S. 167) gäbe. Davon unterscheidet er die darauf folgenden Kapitel (die sowohl in der WdL als auch der ENZ vorkommen), welche die "enwickelten Fälle" des Wesensbegriffs als Negativität in Einheit mit Resten von Sein (Schein) unter verschiedener Akzentuierung der beiden Momente behandeln (S. 167):

  • Gleichberechtigung (Gleichgültigkeit) der beiden Momente
  • Seinsübergewicht
  • Übergewicht des Wesenszentrums
  • Dominanz der Einheit beider.

Aus diesen Äusserungen könnte man entnehmen, dass das Erste Kapitel einerseits für die dialektische Entwicklung des Wesensbegriffs notwendig ist, andererseits sich jedoch grundsätzlich abhebt von den folgenden Kapiteln, 'nur' eine "dialektische Konstitution des Wesens" (oder später: "dialektische Strukturdeutung") ist, nicht schon die thematische dialektische Fortentwicklung selbst enthält. [Deshalb wäre es m.E. auch besser, auf die Bezeichnung 'dialektisch' für die "Deutung der Wesensstruktur" zu verzichten.]

Leider äussert sich Hartmann in den folgenden Unter-Abschnitten (die mit den von Hegel gewählten Überschriften "A. Das Wesentliche und das Unwesentliche", "B. Der Schein" und "C. Die Reflexion" überschrieben sind) nicht explizit zu unserer Frage, ob Hegel zwei Einstiege in die Wesenslogik gewählt hat, die sich grundsätzlich voneinander unterscheiden und ob das Erste Kapitel der WdL für den Übergang von "Indifferenz" zu "Identität" erforderlich ist (wie dies Henrich und Schmidt tun und wie dies Lutz Hansen sieht).

Einige Textpassagen bei Hartmann lassen jedoch darauf schliessen, dass er das Erste Kapitel der WdL für die Entwicklung des Wesensbegriffs als nicht sehr wichtig erachtet (mit Ausnahme vielleicht des dritten Teils "C. Die Reflexion"). Im ersten Unter-Abschnitt "A. Das Wesentliche und das Unwesentliche" wiederholt er nur, was Hegel dort selber schreibt. Im zweiten Teil "B. Der Schein" schreibt er:

"Man kann fragen, ob der Einstieg in die Wesensstruktur am Seinsrest ansetzten muss; 
in der Enzyklopädie findet sich ein solches Vorgehen nicht, 
und in der Wissenschaft der Logik ist dieser Einstieg relativiert, wenn Hegel meint, 
dass "vorhin die reflektierende Bewegung" von jener "Unmittelbarkeit, 
welche die Bestimmheit des Scheins ausmacht, [....] anzufangen schien". 
Dehalb ist auch ein Ausgang vom Seinsrest zu vertreten (von der Unmittelbarkeit 
in diesem Sinne) oder, eher noch, ein Ausgang vom Wesen als neuer Unmittelbarkeit." (S. 168)

Die Favorisierung des "Ausgang vom Wesen als neuer Unmittelbarkeit" deutet darauf hin, dass für Hartmann der am Schluss der Seinslogik sich ergebende Wesensbegriff ausreichend bestimmt ist für die dialektische Entwicklung der "Wesenheiten oder Reflexionsbestimmungen" (Identität, Unterschied, Widerspruch) im Zweiten Kapitel der WdL. Darauf deutet auch Hartmanns Anfangsbemerkung im dritten Teil "C. Reflexion":

"Die dialektische Strukturdeutung des Wesens unter dem Motto 'Reflexion' 
- die nach "A. Das Wesentliche und das Unwesentliche" sowie "B. Der Schein" 
- nun als "C." erscheint, ist nicht Fortbestimmung von A. und B., 
sondern theoretische Vertiefung des mit 'Wesen' Gemeinten." (S. 168)

Ich glaube nicht, dass wir zu einer eindeutigen Klärung unserer Frage kommen können und schlage deshalb vor, mit der Interpretation der Wesenslogik fortzufahren, wobei wir als Grundlage die WdL oder die ENZ nehmen können. Gerd Laschefski scheint in seiner letzten Mail die Enzyklopädie (von 1830) zu favorisieren, obwohl er früher die WdL als adäquatere Grundlage bezeichnet hatte.

Gruss, Beat Greuter

Antwort: bg

Liebe Hegelgruppe, lieber Gerd,

Du schreibst:

> Hallo Beat,
>
> du schreibst:
>
> <<<
> Um unsere Problematik des Übergangs von der Seins- in die Wesenslogik noch
> von einer weiteren Seite her zu beleuchten, habe ich mich etwas vertieft in
> Klaus Hartmanns 'Hegels Logik' (De Gruyter, 1999). Bis jetzt bin ich dort in
> der Seinslogik stecken geblieben.
>
> Hartmann kennzeichnet die Ableitung des Wesensbegriffs aus der Entwicklung
> des Seinsbegriffs am Schluss der Seinslogik als eine "Verstehensaufgabe"
>
> ,
> d.h. als "Hegels systematisch-hermeneutische Intention". Im Zusammenhang
> damit bezweifelt er, dass es Hegel gelungen ist, eine saubere und 'lineare'
> Ableitung des Wesensbegriffs zu geben. Er nennt Hegels Argumentation
> "abenteuerlich", ein "Hin- und Hergehen" zwischen thematischer (aus dem
> dialektischen Potential des Begriffs des 'Mass' argumentierend) und
> metatheoretischer Argumentation (über den Begriff des Masses weitergehende
> Argumentation des Philosophierenden), obwohl Hegel ja genau diese Methode
> schon in der Einleitung zur Phänomenologie des Geistes beschrieben hatte,
> allerdings dort mit einer klaren Abgrenzung der Anwendung der beiden
> Argumentationstypen.
>
> Grundsätzlich bin ich mit Hartmann in diesem Punkte einverstanden, ...
> >>>
>
> Wir haben in der Vergangenheit - so glaube ich - schon einmal über das Buch
> von Hartmann gesprochen.
>
> Ich mag ihn inzwischen nicht mehr besonders. (Mein Anfangseindruck war
> besser, das hat sich aber inzwischen gelegt.)
>
> Das klingt jetzt nach einem nur persönlich begründeten Urteil. Aber dennoch:
>
> Hauptmangel bei Hartmann sehe ich darin, dass er
>
> a) in manchen Partien seines Buches noch schwerer zu verstehen ist als Hegel
> selbst (Ich würde fast von "Scheinproblematisierung" sprechen.), dass er ...

Einverstanden, in einigen Partien! In vielen wirkt er aber aufklärend und überrascht mit neuen Erkenntnissen. Auch klärt er übergeordnete methodische Fragestellungen ganz im Sinne von Hegel. Manchmal kreiert er vielleicht unnötig neue Begriffe, die beim Vergleich mit Hegels Text Schwierigkeiten bereiten.

> b) dem Hegel letztlich nicht über den Weg traut und ständig meint, Fehler
> bei Hegel nachweisen zu müssen, ohne dass er dann jedoch in der Lage wäre -
> s.o. -, greifbare und nachvollziehbare Alternativen anzubieten.

Nicht Fehler, sondern Schwierigkeiten in der Argumentation der logischen Entwicklung an gewissen besonders heiklen Stellen. Er bietet zwar in den meisten Fällen keine eigenen echten Alternativen an, versucht aber Hegel in Schutz zu nehmen, indem er auf mögliche systematisch-hermeneutische Argumentationsweisen hinweist. Dies mag nicht immer mit Hegels eigenem Anspruch übereinstimmen, doch vielleicht klaffen manchmal - wie auch anderswo - Anspruch und Realität auseinander.

> Deine Frage nach dem Übergang in die Wesenslogik kann - so glaube ich - ganz
> gut über den Text der Enz. von 1830 angegangen werden. Ich würde schwer
> dafür plädieren, einfach über diesen Text zu versuchen, an die Sache selbst
> heranzukommen.

Einverstanden!

Liebe Grüsse, Beat