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Hegel und Folgezeit

Aus Hegel-System Wiki

Der Fortschrittsgedanke in der Philosophie des 19. Jahrhunderts


Textauszug aus:

Wahrheiten suchen und finden (von Gerhard Kruse) Religion und Philosophie, Glaube und Vernunft in Ost und West. Ein Überblick.


Das Buch kostet 19,90 plus 2,20 Porto und ist erhältlich über [email protected]



G. W. F. Hegels (1770−1831) Geistphilosophie beschreibt einen Prozeß, bei dem der Geist sich in die ihm fremde Form der Natur entläßt und durch die Geschichte hindurch im Menschen zu sich kommt. Am Ende dieses In-Sichgehens steht der sich selbst wissende Geist das Absolute, als die Identität der Identität und der Nichtidentität. In Hegels Philosophie erkennt der Geist sich selbst als Subjekt und als Substanz.

Seine „Phänomenologie des Geistes″ behandelt drei Stufen des Verhältnisses des Geistes zu sich selbst:

Der subjektive Geist

- als aus der Natur hervorgehend und bestimmt. (Anthropologie)

- als Bewußtsein im Gegensatz zur vorgefundenen Natur (Phänomenologie)

- als sich zu seinen eigenen Bestimmungen verhaltend. (Psychologie)


Der objektive Geist, der aus seiner subjektiven Sphäre heraustritt, um die Welt nach seinem Willen zu gestalten.


Der absolute Geist, der sich in der Identität des Sich-selbst-Wissens in Kunst, Religion und Philosophie konstituiert und darin Unabhängigkeit von seinen endlichen Erscheinungsformen gewinnt.


In der Geschichtsphilosophie verwirklicht sich nach Hegel der Weltgeist in der Form, daß die Vernunft die Welt beherrscht, daß es also auch in der Weltgeschichte vernünftig zugegangen ist. Das Ziel der Weltgeschichte ist also, daß der Geist zum Wissen dessen gelange, was er wahrhaft ist, und dies Wissen gegenständlich mache, es zu einer vorhandenen Welt verwirkliche, sich als objektiv hervorbringe. Der Handlungen einzelner Menschen, der welthistorischen Persönlichkeiten bedient sich der Weltgeist zur Verwirklichung seiner Zwecke. Doch diese Persönlichkeiten wähnen nur, ihre Zwecke zu verfolgen, in Wahrheit bedient sich die List der Vernunft ihrer für die allgemeinen Ziele. Damit zeigt sich nach Hegel die Geschichte als Wirklichkeit der Vernunft, in der der Weltgeist schon alles zum Guten richten wird. Diese Ansicht kulminiert in dem Satz: Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig. Hegel faßt die Dialektik als die Gesetzmäßigkeit auf, die der Natur des Denkens und der Wirklichkeit selbst zugrunde liegt: Jede These birgt in sich schon ihre Antithese, beide werden in der Synthese aufgehoben. (bewahrt und zu Ende gebracht) Also die ständige Überführung scheinbarer Gegensätze auf eine höhere Stufe des Erkennens.

Der Weg vom Bewußtsein zum Begriff der Wissenschaft führt über Selbstbewußtsein, Vernunft, Geist und Religion. Der Antrieb ist die Dialektik, deren Kern die bestimmte Negation von jeweiligem Gegenstand und jeweiliger Bewußtseinslage ist. Die Systematik, die sich auf diese Weise aufbaut, ist vollständig, wenn der Gegensatz von Subjekt und Objekt, der das natürliche Bewußtsein charakterisiert, überwunden ist, so daß nun beide, Subjekt und Objekt, als untrennbar Eins bewußt werden und eine Stufe erreicht ist, auf welcher der Inhalt des Bewußtseins seinem Wahrheitsmaßstab entspricht.

Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch die Entwicklung sich vollendende Wesen. Auf dieser letzen Stufe setzt die Phänomenologie als Ausdruck des Gestaltwandels vom Selbstbewußtsein zum absoluten Wissen eine Form der Erkenntnis frei, die das Absolute von sich selbst hat.

Diese Erkenntnis nennt Hegel Logik, die hier keine Formallehre von den Gesetzen des Denkens bedeutet, sondern die Wissenschaft der reinen Idee, das ist die Idee im abstrakten Element des Denkens. Die Idee ist das Wahre an und für sich, die absolute Einheit des Begriffs und der Objektivität. Die Logik beansprucht nichts weniger, als das System der reinen Vernunft zu sein, das Reich des reinen Gedankens, das die Wahrheit ist. Das bedeutet, daß ihr Inhalt die Darstellung Gottes ist, wie er in seinem ewigen Wesen vor der Erschaffung der Natur und eines endlichen Geistes ist. Die Lehre vom Sein beginnt mit der These, das reine Sein und das reine Nichts seien dasselbe, weil beide vollkommene Bestimmungslosigkeit sind. Ihre Wahrheit liegt im Übergang des Seins in das Nichts und des Nichts in das Sein. Ihre Wahrheit ist also diese Bewegung des unmittelbaren Verschwindens des einen in dem anderen: das Werden.

Seine Religionsphilosophie kulminiert in dem Satz: Der Inhalt der christlichen Religion als der höchsten Entwicklungsstufe der Religion überhaupt fällt ganz zusammen mit dem Inhalt der wahren Philosophie. Die Philosophie ist der Beweis für die Wahrheit, daß Gott Liebe, Geist, Substanz und ewig in sich zurückkehrender Prozeß sei. Der Mensch weiß nur von Gott, insofern Gott im Menschen von sich selbst weiß. Dieses ist das Wissen des Wissens, das Selbstbewußtsein Gottes im unendlichen Bewußtsein. Diese Philosophie Hegels identifiziert menschliches Wissen mit der Vollendung der Wirklichkeit Gottes. Das ist der höchste Anspruch, den je eine Philosophie erhoben hat! Nach Hegel ist die Philosophie die Vollendung der absoluten Religion. Sie ist das Denken des Denkens GOTTES, der im philosophischen System vollständig zum Bewußtsein seiner selbst gelangt.