Kunst

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Primärliteratur (von Hegel selbst)

Die wenigen Sachen, die hierzu von Hegel zu seinen Lebzeiten veröffentlicht sind, sind die Abschnitte zur Kunst in der Phänomenologie und Enzyklopädie, beide betrachten in erster Linie die Kunst der Griechen und unter dem Aspekt der Kunst Religion.

Mittelalterliche (und so indirekt auch romantische) Kunst lernte Hegel erst in Heidelberg schätzen, die Kulturen von Persien, Ägypten und Indien lernte er ebenfalls erst in Heidelberg und dann auch in Berlin näher kennen (Beginn der entsprechenden Orientalistik Studien in Europa), dies gilt analog auch für die Religion (siehe dazu z.B. der nützliche Ausstellungskatalog "Hegel in Berlin. Preußische Kulturpolitik u. idealistische Ästhetik. Zum 150. Todestag d. Philosophen", Ausstellung d. Staatsbibl. Preuß. Kulturbesitz Berlin in Verb. mit d. Hegel-Archiv d. Ruhr-Univ. Bochum u. d. Goethe-Mus. Düsseldorf. Berlin 11.Nov.1981 - 9.Jan.1982 u. Düsseldorf 20.Jan.-7.März 1982).

Die 3bändigen Vorlesungen zur Ästhetik, die Hotho nach den Berliner Vorlesungen im Rahmen der Werkausgabe herausgegeben hat, wurden von vielen Hegelianern des 19. Jahrhundert sehr gelobt (u.a. von Rosenkranz, Erdmann, Michelet, Engels) sind aber in dieser Form wohl eher eine kongeniale Nachschöpfung Hothos.

In unserer Zeit führt Annemarie Gethmann-Siefert, die weltweit führende Expertin zum Thema hegelsche Kunstphilosophie, einen regelrechten "Kreuzzug" gegen die hothosche Ausgabe. Sie hat dazu (zum Vergleich) eine Reihe von Vorlesungsmitschriften zur Ästhetik von Hegel veröffentlicht, u.a. auch ein günstiges Taschenbuch der Vorlesung von 1825 bei stw (Frankfurt 2005, ISBN 3518293222).

Werke der Hegelschule dazu

Kommentar zu den Werken der Hegelschule

Von den Hegelianern ist zunächst Hotho selbst zu nennen, der u.a. zu den holländischen und deutschen Malern veröffentlicht hat (Siehe Literaturangaben im Artikel Holländische und deutsche Malerei). Sein umfassendes, systematisches Gesamtwerk ist wohl die hegelsche Vorlesung zur Ästhetik selbst, unter seinem eigenen Namen hat er kein Gesamtwerk herausgegeben. Allerdings existiert seit kurzem ein Nachdruck der Mitschrift von Hothos Vorlesung von 1833 durch Hegels jüngsten Sohn Immanuel unter dem Titel "Vorlesungen über Ästhetik oder Philosophie des Schönen und der Kunst (1833)", Frommann-Holzboog 09/2004, ISBN 3-7728-2211-8 (leider 154 EUR für 316 Seiten).

Rosenkranz hat zu vielen Spezialgebieten der Ästhetik geschrieben, grössere Gebiete behandelt er in seiner "Geschichte der Deutschen Poesie im Mittelalter", "Die Poesie und ihre Geschichte. Eine Entwicklung der poetischen Ideale der Völker" (diese finden sich mit Volltextlinks in den Literaturangaben im Artikel Poesie) und der berühmten "Ästhetik des Hässlichen" (s.o.)

Michelet und Erdmann haben meines Wissens nichts nennenswertes zur Ästhetik veröffentlicht (den Abschnitt dazu in Michelets System habe ich noch nicht gelesen, ist aber vergleichsweise kurz).

Sehr viele, ansonsten unbekannte, "kleinere" Hegelianer haben auf diesem Gebiet gearbeitet und veröffentlicht, sei es ganze Systeme, sei es zu Einzelthemen.

Der bedeutendste Hegelschüler als Kunstprofessor im 19. Jahrhundert war Vischer. Sein großes systematisches Werk zur Kunst "Ästhetik, oder Wissenschaft des Schönen" (Stuttgart 1847-58, 3 Bde.) wird von Erdmann sehr gelobt (während Annemarie Gethmann-Siefert anscheinend nicht viel von ihm hält). Es hat anscheinend einen anderen Aufbau als Hegels/Hothos, ist aber noch umfangreicher, systematischer und detailierter, und berücksichtigt mehr neuere Entwicklungen. Für den Anfang sollten zuerst die Gliederungen miteinander verglichen werden.

Schnaase hat im 19.Jahrhundert eine 8bändige Kunstgeschichte von der Antike bis zur Renaissance geschrieben, das umfangreichste Werk der Hegelschule zur Kunstgeschichte.

offene Fragen/Aufgaben

Unter den Hegel Forschern heutzutage wäre vor allem die bereits erwähnte Annemarie Gethmann-Siefer zu nennen. Sie arbeitet an der Fernuni Hagen, wo es ein eigenes Institut für Kunstphilosophie des Idealismus gibt. Dort werden viele nützliche Bücher und Aufsätze zur hegelschen Kunstphilosophie veröffentlicht. Ihr neustes Buch ist beim UTB Verlag erschienen: "Einführung in Hegels Ästhetik".

Frage wäre sodann, ähnlich wie bei der Naturphilosophie (aber eigentlich bei allen Bereichen), bevor Neueres integriert wird, worum es in diesem Bereich geht, was die Aufgabe der Kunst und Kunstphilosophie ist. Ich habe hier generell eine Reihe von Gedanken zum Verhältnis von Kunst, Religion und Philosophie (z.B. andere Reihenfolge), wie auch generell zum Aufbau des Geistes und den Reilen untereinander, die ich teilweise hier (siehe Abschnitt "Artikel im HegelWiki dazu" im Artikel Absoluter Geist) angedeutet habe. Das wäre mindestens einen weiteren eigenen Artikel wert.

Aufgabe ist dann natürlich die Einbeziehung der neueren Entwicklung, die neuen Kunstrichtungen, Kunstbereiche, bis hin zu neuen Kunstgattungen (Comic, Film, Fernsehen, Videokunst, Internet etc), die aber alle im Bereich der "romantischen Künste" verbleiben.

Hier wären auch die neueren Kunstphilosophien durchzusehen:

Gombrich hat den Hegelpreis der Stadt Stuttgart bekommen, ist aber bekennender Anti-Hegelianer und taugt für unsere Zwecke erst mal nicht.

Die marxistische Kunstbehandlung begnügt sich entweder damit

  • die Kunstprodukte auf die Ökonomie/Technik einerseits (Material/Form), auf Klasseninteressen (Inhalt) andererseits zurück zu führen, wobei einerseits eine Themenverfehlung (eher eine Kunstsoziologie) vorliegt und andererseits eine primitive Parteilichkeit (dient die Kunst fortschrittlichen Verhältnissen/Klasseninteressen?), die Kunstbeurteilung wird so auf das Niveau einer Fussballreportage (die Guten gegen die Bösen) herab gebracht (gilt ähnlich auch für die marxistische Philosophiegeschichtsschreibung). In beiden Fällen werden jedenfalls kunstferne Kriterien einführt
  • die realistische (sozialistischer Realismus) Darstellungsweise (Materialismus) zu fordern, anderes wird mit Verständnislosigkeit quittiert (gilt als Ablenkung oder Schlimmeres)
  • entsprechend für die Kunst im Kapitalismus zu fordern, dass Kunst hier nicht versöhnen/beschönigen soll, sondern die Zerrissenheit/Hässlichkeit darstellen soll, um - etwas überspitzt formuliert - aus diesem Unbehagen die Leute zur Revolution zu bringen (so praktisch der ganzer westliche Marxismus nach dem 1.Weltkrieg, insbesondere die Frankfurter Schule, aber auch Lukacs)
  • umgekehrt, wenn die Kunst als Ideologieproduktion unterstellt ist, so wird von einigen Spontis und Vulgärmaterialisten dann demgegenüber eine ideologiefreie reine Unterhaltung gefordert (westlicher Vulgärmarximus, MG/Gegenstandpunkt)

All dies ist in dieser Form extern zur Kunst und damit zur produktiven Weiterentwicklung der hegelianische Kunstphilosophie wenig zu gebrauchen.

Ich habe mir erst einmal den Reader "Klassiker der Kunstphilosophie" von Stefan Majetschak (Hrsg.) in der beckschen Reihe besorgt. Dort werden nach Hegel noch Konrad Fiedler, Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger, Theodor Adorno, Maurice Merleau-Ponty, Arthur C. Danto und Jean-Francois Lyotard besprochen. Einziger Lichtblick darin ist evt. Arthur C. Danto, es finden sich da Ähnlichkeiten einiger seiner Konzepte zu Hegel (in einer sehr minimalistischen Version), so dass sich hier zumindest Anknüpfungspunkte ergeben könnten.

Dann habe ich noch den dicken (551 S.) Wälzer "Das unsichtbare Meisterwerk - die modernen Mythen der Kunst" von Hans Belting (einem Schüler/Anhänger von Walter Benjamin) bei C.H.Beck. Es könnte (trotzt seiner Hegelkritik) hilfreich sein, denn es interpretiert die moderne Kunst als Erfüllung der romantischen Kunst.