Logik

Aus Hegel-System Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

zurück zu Hegel-System.de

http://hegel-system.de/de/d1.htm

Stellung im System

System der Wissenschaften
|--Logik <--- Sie sind hier
|   |--Sein
|   |  |--Bestimmtheit
|   |  |  |--unbestimmtes Sein
|   |  |  |--Dasein
|   |  |  |--Fürsichsein
|   |  |--Größe
|   |  |--Maß
|   |--Wesen
|   |  |--Reflexion in sich
|   |  |--Erscheinung
|   |  |--Wirklichkeit
|   |--Begriff
|      |--Subjektivität
|      |  |--Begriffsmomente
|      |  |--Urteil
|      |  |--Schluß
|      |--Objektivität
|      |--Die Idee
|--Natur
|--Geist

Relevanz für Hegelstudien

Die Logik ist der hegelsche Grundtext, alles andere baut darauf auf. Ohne Kenntnis der Logik und des Gesamtzusammenhanges (der sich teilweise ebenfalls aus der Logik ergibt) ist der Rest des hegelschen Systems nicht angemessen zu verstehen.

Quellen

über Primärtexte (von Hegel selbst)

Vorarbeiten sind hier wieder die "Jenaer Systementwürfe" (JSE, nur der zweite Entwurf enthält dabei eine erste Logik, leider nicht in stw enthalten) und die Nürnberger Propädeutiken (stw4). Speziel die Nürnberger Texte sind in ihrer Kürze, Einfachheit und auch in ihren unterschiedlichen Versionen hilfreich für erste Orientierungen (zur Geschichte der Logik siehe unten Schäfer 2001 in der Sekundärliteratur)

Die Wissenschaft der Logik (WdL) ist der definitve Text, aber teilweise langatmig (Quantität) und auch selbst erklärungsbedürftig. Zudem liegt der 1. Teil (Seinslogik) in zwei unterschiedlichen Auflagen (1812 und 1832) vor, die teilweise stärker voneinander abweichen (Beispiel Daseinskapitel). Umgekehrt könnte man sagen, dass der 2. (Wesenslogik) und 3.Teil (Begriffslogik) nur in einer vergleichsweise veralteten Fassung vorliegen, was besonders die Wesenslogik betrifft.

Die enzyklopädische ("kleine") Logik (im 1.Band der Enzyklopädie) ist neuer und übersichtlicher, aber an vielen Stellen (Dasein, Maß) so kurz, das man sie ohne Hilfen kaum versteht. Die von den Herausgebern der Hegelwerke hinzugefügten "Zusätze" zur Logik in der Enzyklopädie sind vergleichsweise hilfreich, teilweise aber auch ablenkend.

Besser sind die beiden bei Meiner veröffentlichten Vorlesungen zur Logik, eine von 1817 (Verlagsprospekt) und eine (von Hegels Sohn Karl mitgeschrieben) von 1831 (Verlagsprospekt). Letztere ist besonders relevant für den 2. und 3. Teil der Logik, den Hegel ja nicht mehr umarbeiten konnte (Von dieser Version ist gerade eine englische Übersetzung herausgekommen). Beide Logikvorlesungen hielt Hegel übrigens anhand der "kleinen Logik" im 1.Band der Enzyklopädie (nach der 1.Auflage von 1817 bzw. der 3.Auflage von 1830).

Die Vorlesungen zum "Beweise des Daseins Gottes" gehören (auch nach Hegels eigener Einschätzung im Vorwort) mehr zur Logik als zur Theologie. Sowohl Erdmann als auch Rosenkranz weisen darauf hin, dass diese zu Unrecht von den meisten Studenten der hegelschen Logik übersehen werden.

Werke der Hegelschule dazu

Kurzfassung seiner späteren Logik, mit der selben Architektur, aber ohne die Beispiele
  • Rosenkranz "Wissenschaft der logischen Idee" (gegenüber Hegels Logik geänderte Architektur)
  • Michelet1876 "System der Philosophie", Bd.1 (Logik) Volltext

Kommentar zu den Logiken der Hegelschule

Erdmann, Rosenkranz und Michelet haben eigene Logiken geschrieben, die vergleichsweise klarer/leichter verständlich sind.

Erdmann

Erdmanns "Logik und Metaphysik" erschien zu seinen Lebzeiten in 5 Auflagen (s.o.), davon mindestens die ersten 4 Auflagen mit jeweils Überarbeitungen und Ergänzungen. Ich habe die 2.Auflage im Orginal und habe diese eingescannt, das Ergebnis liegt allerdings noch nicht in PDF Form vor. Dieser Text erschien von allen hier erwähnten Logiken der bekannten Hegel-Schüler als erstes. Die Behandlung der hegelschen Logik in seinem 7bändigen Werk zur Philosophie der Neuzeit erschien 1851, Rosenkranz "Wissenschaft der logischen Idee" erschien 1858/59, der 1.Band (zur Logik) von Michelets System erst 1876. Von daher bauen die anderen Texte teilweise hierauf auf (interessanter Weise ohne die Klarheit und die Einsichten dieses ersten Textes komplett zu reproduzieren oder gar "aufzuheben").

Nach Erdmanns Biographen Glockner soll Erdmanns Logik das Klarste sein, was die Hegelschule zur Logik hervorgebracht hat. Wie Rosenkranz in seiner "Wissenschaft der logischen Idee" ganz richtig sagt, zeichnet sich die Erdmannsche Logik vor allem durch eine grosse Klarheit der Wortverwendungen aus. Jedes Fachwort, das eingeführt wird, wird erklärt (auch warum gerade dieses als Bezeichnung gewählt wurde), insbesondere in den zahlreichen Fussnoten, und dann konsistent verwendet.

Die einzelnen Abschnitte werden bei Erdmann nicht nach der ersten oder nach der letzten Kategorie benannt, sondern er versucht, in seiner Benennung den Gesamtcharachter eines Abschnittes zu treffen und so eine zusätzliche Interpretationshilfe zu geben. Die Übersichten über die einzelnen Abschnitte kommen bei Erdmann interessanterweise nicht wie sonst am Anfang, sondern immer am Ende eines jeweiligen Teilabschnittes, diese sind teilweise sehr nützlich.

Rosenkranz

Rosenkranz eigene Logik ("Die Wissenschaft der logischen Idee", s.o.) ist besonders zur Sein- und Wesenslogik voller Beispiele und guter Gedanken und Anwendungen, dabei auch sehr kurzweilig zu lesen. Seine Darstellung macht die besprochenen Kategorien sehr anschaulich, die orginal Hegeltexte sind anschliessend viel leichter zu lesen. Kehrseite davon ist das Zurücktreten der Architektonik und der Strenge der Argumentation. Man muss sich also von Rosenkranz das Material holen und die Architektur daraus selbst ableiten (bzw. mit den anderen Autoren vergleichen). Hierzu gehört auch, dass Rosenkranz sich eher an der Gliederung der Logik der Nürnberger Enzyklopädie hält und im 3.Teil der Logik (Begriffslogik bei Hegel) nur noch den subjektiven Begriff, Zweck (als Vermittlung zwischen Wesen und Begriff) und die absolute Idee behandelt. Kann man verstehen, ist aber denoch verfehlt (der Lektüre der einzelnen Teile seiner Darstellung tut das aber keinen Abbruch). Argumente gegen Rosenkranz Kürzungen ergeben sich insbesondere auch aus meinen Argumenten zur Objektivität/Objekt innerhalb der Logik (siehe unter Begriff und Objekt).

Die "kleine" Logik in Rosenkranz' System von 1850 (s.o.) ist eine Kurzversion (ca. 150 Seiten) seiner späteren "Wissenschaft der logischen Idee". Die Architektur ist die selbe (also mit dem selben Aufbau, den selben Kürzungen), leider fehlen die vielen schönen Beispiele, dafür ist die Gliederung besser ersichtlich.

Michelet

Michelet (der die Logik im 1.Band seines fünfbändigen Systems behandelt, s.o.) hat durchgehend eine verständliche Gliederung. Gegenüber Hegel (von dem er in seiner Logik vergleichsweise wenig abweicht) fällt generell in Michelets System auf, dass er sich bemüht Doppeltes zu streichen, 2er Gliederungen in 3er Gliederungen umzwandeln und dass er Teile weiter ausführt (und generel immer bemüht ist, fortschrittliche, nicht-mystizistische, klar nachvollziehbare Interpretationen zu geben). In Michelets Logik gibt es wenig Abweichungen von Hegel, er ordnet mit bedenkenswerten Gründen Quantität und Maß als Punkte unter das Fürsichsein ein und der Idee des Wahren und Guten gesellt er die Idee des Schönen hinzu (was dann aber als 3.Punkt in Hinblick auf die Realphilosophie problematisch ist). Michelet kritisiert in seiner Darstellung öfters Rosenkranz und Erdmann, die er beide im Verdacht hat, theologische Vorstellungsinhalte durch die Hintertür wieder in die Logik hineinzuschmugeln (wie ich meine zu Unrecht, insbesondere gegenüber Erdmann).

Werder

Das erste 1/9 der Logik (bis einschl. Fürsichein) hat seinerzeit auch der Hegelianer Karl Werder kommentiert, dieser Text wurde seinerzeit von den anderen Hegelianern gelobt. Die Hamburger Hegelianer Lutz Hansen und Martin Grimsmann loben den Text sehr und haben auch einen Ausschnitt Online gestellt (Das Buch ist inzwischen auch hier als PDF verfügbar).

Zusammenfassende Einschätzung

Insgesamt ergänzen sich diese 4 Interpretationen und erlauben einen durchgehenden Kommentar der hegelschen Logik, der einen guten Gesamtüberlick bietet. Die Texte orientieren sich dabei eher an Hegels Enzyklopädie und an Hegels Vorlesungen, in Rosenkranz Fall auch an den Nürnberger Entwürfen. Die Wissenschaft der Logik wird dabei ebenfalls behandelt, allerdings erreicht keiner der Kommentatoren die Dichte des Hegelschen Orginals in 1. oder 2.Auflage, hier gibt es Fortschritte in den letzten Jahren.

Erst in den letzten 20-30 Jahren gibt es wieder Kommentare zu Hegels Logik, die teilweise über diese alten Texte hinaus gehen, allerdings werden darin nur Teilgebiete behandeln und die alten Texte der Hegelschule in der Regel nicht mit berücksichtigt, oft nicht einmal in der Bibliographie genannt.

Siehe auch: Zum Verhältnis Michelet, Rosenkranz, Erdmann#in Bezug auf die Logik

Sekundärliteratur

Es gibt noch keinen befriedigenden ausführlichen Kommentar zum Gesamttext der "Wissenschaft der Logik".

Bestehende gute Kommentare sind entweder nützliche Übersichten (aber bis ca. 150 Seiten, s.u.) oder Arbeiten zu Teilen der Logik (diese werden in den Artikeln zu den einzelnen Teilabschnitten extra besprochen. An dieser Stelle möchte ich schon einmal besonders auf die Literatur zum Abschnitt Reflexion in sich hinweisen).

Umgekehrt bedeutet dies auch, dass alle bisher veröffentlichten Gesamtkommentare zu Hegels Logik (sei es auf Basis der enzyklopädischen Logik, sei es auf Basis der 'Wissenschaft der Logik') mangelhaft sind (oft handelt es sich nur um Umformulierungen von Hegels Text oder gar um Texte, die noch schwieriger zu verstehen sind als Hegels Text (und/oder den Sinn falsch wiedergeben), oder um Erläuterung derjenigen Teile von Hegels Logik, die heutzutage eher Gemeinwissen sind - oft auch um eine Kombination aus Beidem: das, was wir eh schon wissen, wird verständlich erklärt, der Rest bleibt im Dunklen einer blossen Hegel Paraphrasierung.

Nützlicher sind da diejenigen Kommentare, die sich auf diejenigen Bereiche konzentrieren, zu denen sie Hilfreiches beitragen können und die den Rest auslassen. Erwähnenswerte positive Beispiele in dieser Hinsicht sind etwa Gniosdorsch 1994 (ISBN 3884798758) und Hansen 2001 (ISBN 3826012526).

gute Übersichtsdarstellungen zu Hegels Logik

  • eine gute Übersicht über die derzeitige Forschung zu Hegels Logik gibt der Reader des Akademieverlages Berlin "Klassiker auslegen" (November 2002, Taschenbuch, 291 S. ISBN 3050037113). Die Aufsätze sind alle sehr gut lesbar, nützlich zum Verständnis und enthalten dabei gleichtzeitig den aktuellen Stand der Hegelforschung, repräsentiert durch die besten Forscher der neuen Generation. Auszüge auf GoogleBooks
  • Thomas Sören Hoffmann: "Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Eine Propädeutik" (Marixverlag, März 2004, gebunden, 526 S., 18 EUR, ISBN 3937715010) die derzeit beste Einführung zu Hegel, enthält dabei auch 100 Seiten Erläuterung zu Hegels Logik mit klasse Beispielen.
  • Nicolai Hartmanns Darstellung des Hegelschen Systems in seinem Buch "Die Philosophie des deutschen Idealismus: II. Teil., Hegel" (Neuveröffentlicht von Walter de Gruyter, 1974, ISBN 3110048787) enthält auch eine nützliche Übersichtsdarstellung zu Hegels Logik von fast 100 Seiten. Siehe http://books.google.de/books?hl=de&id=eNps88J8994C
  • Pirmin Stekler-Weithofer: "Hegels Analytische Philosophie" (Paderborn 1992 bei Verlag Ferdinand Schöningh ISBN 3-506-78750-0; dann Mentis-Verlag ISBN 3897850257; jetzt wieder beim Autor), Online Komplettausgabe enthält eine orginelle, produktive Auseindersetzung mit Hegels Logik aus dem Blickwinkel der modernen Logik, die zeigt, wie diese für die aktuellen Diskussionen der moderne Logik fruchtbar gemacht werden kann.

zur Entwicklungsgeschichte von Hegels Logik

Gesamtkommentar zu Hegels Wissenschaft der Logik auf englisch

  • Erwähnung verdient das - leider nur auf englisch verfügbare - Buch des amerikanischen Rechtsprofessors David Gray Carlson "A Commentary to Hegel's Science of Logic" (Palgrave Macmillan, März 2007, ISBN 1403986282, gebunden, 700 S., ca. 100 EUR). Dieses Buch bemüht sich darum, wirklich jeden Teil der Hegelschen 'Wissenschaft der Logik' bis in die einzelnen Verästelungen und Übergänge zu kommentieren (er bedient sich dazu einer grafischen Methode, die "Hegel-Dreiecke" in sich überschneidenden Kreisen darzustellen. Die Grafiken für das erste Drittel der Logik werden auch dargestellt am Ende von Carlson 2003 "Hegel's Theory of Measure", S.94-101 (PDF, S.96-103). Problematisch an dem Text ist, dass Carlson anscheinend kaum deutsch kann und darum z.B. die gesamte deutsche Sekundärliteratur nicht berücksichtigt (die von ihm minutiös zitierte moderne englische Sekundärliteratur hat sich bisher vergleichsweise kaum mit Hegels Logik beschäftigt) und dass Carlson - wohl beeinflusst von seiner Frau, einer Psychoanalytikerin Lacanscher Prägung - teilweise versucht, Hegel durch die Lacansche Brille zu lesen. Dennoch ist das Werk ein wichtiger Schritt nicht nur für die englischsprachige Hegelforschung, sondern gehört in seiner Vollständigkeit und der Klarheit der Sprache auch für uns zu den wenigen hilfreichen Kommentaren.

Artikel zur Logik im HegelWiki