Objektiver Geist

Aus Hegel-System Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

zurück zu hegel-system.de

http://hegel-system.de/de/d32.htm

Stellung im System

System der Wissenschaften
|--Logik
|--Natur
|--Geist
   |--Subjektiver Geist 
   |--Objektiver Geist <--- Sie sind hier!
   |  |--Recht 
   |  |   |--Eigentum 
   |  |   |--Vertrag 
   |  |   |--Recht - Unrecht 
   |  |--Moralität 
   |  |   |--Handlung 
   |  |   |--Verantwortung 
   |  |   |--das Gute 
   |  |--Sittlichkeit 
   |     |--Familie
   |     |--bürgerliche Gesellschaft
   |     |--Staat
   |        |--inneres Staatsrecht 
   |        |--Völkerrecht 
   |        |--Weltgeschichte     
   |--Absoluter Geist

Hegelwerke dazu Online

Hegel "Grundlinien der Philosophie des Rechts"

Primärliteratur (von Hegel) dazu

In der Suhrkampausgabe siehe dazu stw 607 (Philosophie des Rechts), 610 (Enzyklopädie, 3.Teil) und stw 612 (Geschichtsphilosophie). Die ersten beiden Bücher wurden noch zu Hegels Lebzeiten von ihm veröffentlicht.

Weitere wichtige Artikel finden sich u.a. stw 602 (Verfassungsschrift) und 611 (Die Kritik der Englischen Reformbill, dem letzten zu Hegels Lebzeiten von ihm veröffentlichten Werk).

Zur Entwicklungsgeschichte interessant sind Hegels Arbeiten in Jena:

  • die Jenaer Systementwürfe, die leider in der stw (=Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft) Hegel Ausgabe kaum zu finden sind, da sie erst nach 1970 veröffentlicht wurden (erstmals 1976, als Taschenbuch erst 1987). Diese finden sich relativ preiswert (ca. 15-20 EUR / Band) in der Philosophischen Bibliothek bei Meiner (PhB 331-333), vor allem im 1. (PhB 331) und 3. (PhB 333) Band der dort herausgegebenen Jenaer Systementwürfe
  • das "System der Sittlichkeit" (nicht in den stw Hegelwerken, aber leicht zugänglich, z.B. als Taschenbuch bei Meiner, 12,80 EUR, 85 Seiten + 39 S. Vorwort, ISBN 3787311149).
  • der "Naturrechtsaufsatz" im "Kritischen Journal der Philosophie" (in stw 602)

In diesen Schriften tauchen z.B. Begriffe wie "Entfremdung" und "abstrakte Arbeit" zum ersten Mal auf.

Von keinem Gebiet sind mehr Vorlesungsnachschriften (im nachhinein, in den letzten 40 Jahren) veröffentlicht worden, als zu diesem. In den letzten 20 Jahre sind auch wichtige Vorlesungsnachschriften aufgetaucht, die z.T. ebenfalls Korrekturen am überlieferten Hegelbild nahe legen:

  • Am umfassendsten ist die (leider sehr teure) 4bändige Sammlung von Vorlesungsnachschriften, die Ilting 1973 bei fromann-holzboog herausgegeben hat (914 EUR, ISBN 978-3-7728-0353-6) Verlagsseite dazu. Ironischer Weise wurden erst wenig später die drei wichtigsten Nachschriften entdeckt:
  • "Philosophie des Rechts: Die Vorlesung von 1819/20 in einer Nachschrift.", Hrsg. von Dieter Henrich, 1983, Kt., DM 38 (vergriffen), Suhrkamp Verlag, ISBN 3-518-57596-11 - Hegels erste Rechtsvorlesung in Berlin, kurz vor dem Erscheinen seines Buches zur Rechtsphilosophie, als solche erstaunlicherweise ganz ohne Paragraphen, entwickelt die Gedanken ganz frei. Hier steht die Urform des berühmten Doppelsatzes von Hegel und zwar in der aufschlussreichen Form: "Was vernünftig ist, wird wirklich und das Wirkliche wird vernünftig" und es gibt eine besonders ausführliche Darstellung der Probleme der bürgerlichen Gesellschaft.
  • Am wichtigsten für die neuere Forschung ist die kurz darauf entdeckte Nachschrift des Studenten Wannemann, die sowohl in einer Ausgabe beim Meiner Verlag wie auch bei fromann-holzboog erschienen ist.
  • Die Vorlesung von 1821/22 (die erste Vorlesung nach Erscheinen seiner Rechtsphilosophie in Buchform, mit sehr vielen verblüffenden Ergänzungen und Erläuterungen. Neu erschienen Januar 2005 für 11 EUR bei stw, ISBN 3518293214).

Die Vorlesungen sind ganz klar und allgemeinverständlich gehalten, sollten wenig Verständnisprobleme machen. Und zumindest die Ausgaben bei Suhrkamp Taschenbücher sind vergleichsweise billig und gut zugänglich.

Werke der Hegelschule dazu

Kurzkommentar: In diesem über 800seitigen Werk ergänzt Michelet Hegel Rechtsphilosophie stark (z.b. um eigene Abschnitte zur Geschichte der Rechtsphilosophie und zur Geschichte des Rechts am Anfang bzw. Ende des Werkes, zum Verhältnis zwischen den Staaten, zur zukünftigen Entwicklung, zur komunalen Gliederung des Staates usw). Interessant ist sein Ansatz, soviel Selbstverwaltung von unten wie möglich einzuarbeiten, wobei ihm das damalige Vereinswesen in Deutschland und die Zustände damals in den USA vor Augen liegen (vermittet durch seine Perspektive liesse sich vermutlich prima zu ganz verschiedene moderne Richtungen von Neoliberalismus bis zur linken Opposition nachdenken). In dem Abschnitt zur Bürgerlichen Gesellschaft vertritt er eine dezidiert wirtschaftsliberale Position und bemüht sich um Berücksichtigung der neueren ökonomischen Literatur, incl. Bastiat, Proudhon, Fourier, St.Simon etc., aber ohne Marx und List. Er bemüht sich generell immer um eine fortschrittliche liberale Interpretation von Hegel mit Anklängen an die Sozialdemokratie (insofern passt er eher in die heutige Bundesrepublik. Er hat auch kein Problem mit einem Präsidenten statt eines Königs).

Sekundärliteratur dazu

zum Objektiven Geist

Peperzak 1991 "Hegels praktische Philosophie"

Bestes Buch zum ganzen "Objektiven Geist" (incl. praktischer und freier Geist aus der Psychologie) (Aber leider teuer, kann man als "Normalsterblicher" wohl nur als Buch aus der Bücherei/Fernleihe beziehen) ist der schon oben erwähnte Kommentar zum objektiven Geist (und zum praktischen und freien Geist im Abschnit vom Subjektiven Geist) der Enyzklopaedie:

Adriaan Theodor Peperzak: "Hegels praktische Philosophie: Ein Kommentar zur enzyklopädischen Darstellung der menschlichen Freiheit und ihre objektiven Verwirklichung", fromann-holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1991, ISBN 3-7728-1351-8, Leinen, 372 S., leider 159 Euro (F-H ist Quelle sehr guter aber prohibitiv teurer Bücher zu Hegel und seiner Zeit).

Einziges - aber schwerwiegendes - Manko ist, dass das Buch die Abschnitte über Familie und die bürgerliche Gesellschaft nicht mitbehandelt (man kann sich also schon denken, dass das Buch wirklich sehr gut sein muss, wenn es dieses Manko ausgleichen will).

Hartmann 1974 "Die Philosophie des deutschen Idealismus: II. Teil., Hegel"

Die vielleicht beste *Einführung* zu Hegels Philosophie des Objektiven Geistes findet sich in Nicolai Hartmanns Darstellung des Hegelschen Systems in seinem Buch "Die Philosophie des deutschen Idealismus: II. Teil., Hegel" (Neuveröffentlicht von Walter de Gruyter, 1974, ISBN 3110048787). Auszug bei GoogleBooks

Gegenkritik zur traditionellen marxistischen Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie

Bücher zur Rezeption der Hegelschen Rechtsphilosophie

Für diejenigen, die sich für die Rezeption der hegelschen Rechtsphilosophie interessieren, möchte ich dazu auf 2 nützliche Bücher hinweisen, die helfen, sich in der Sekundärliteratur zu Hegels Rechtsphilosophie zu orientieren:

Henning Ottmann: "Individuum und Gemeinschaft bei Hegel"

Am wichtigsten ist:

Ottmann, Henning: Individuum und Gemeinschaft bei Hegel, Bd 1: Hegel im Spiegel der Interpretationen (KF: Band 2 ist nie erschienen) de Gruyter, Berlin/New York 1977. X, 406 Seiten. Leinen. Euro 91.00 ISBN 3-11-007134-7 (leider vergriffen, sollte aber in den Unis und über http://subito-doc.de zu bekommen sein)

Das Buch informiert umfassend über die Konjunkturen der Hegel Deutungen von Links, Mitte und Rechts (wobei nach Ansicht von Ottmann der "authentische" Hegel nur in der "unverkürzten" Gleichzeitigkeit aller drei Aspekte/Sichtweisen, ohne Ausblendung einer von ihnen, gewonnen werden kann. Er zeigt auch, dass sich in Westdeutschland nach dem 2. Weltkrieg (in Abgrenzung gegen Nazis - rechts und Realexistierenden Sozialismus - links) das Bild des politischen Hegels der Mitte durchsetzte.

Die verschienden Schulen und ihre gegenseitige Beinflussung werden ausführlich behandelt (angefangen von Hegels Zeit bis 1977 - dem Erscheinungsdatum des Buches -, wobei auch die NS Zeit ausführlich - und besser als bei Kiesewetter, der auch vorkommt- untersucht wird), wobei der Schwerpunkt natürlich auf der deutschen Hegel Rezeption liegt.

Die für den 2.Band versprochene, eigene umfassende Interpretation der Hegelschen Rechtsphilosophie durch den Autor ist nie erschienen.

Paul Gerhard Dietl: "Die Rezeption der Hegelschen "Rechtsphilosophie" in der Sowjetunion"

Für diejenigen, die sich für die Hegel Rezeption in der UdSSR und DDR interessieren (zudem hat diese Rezeption direkt und indirekt das Hegel Bild der deutschen Linken ja zumindest mit beeinflusst, R.Beyer wird in dem Buch z.B. mitbehandelt), angefangen von Lenin bis hin in die Gorbatschov Zeit, ist evtl. dieses Buch interessant:

'Die Rezeption der Hegelschen "Rechtsphilosophie" in der Sowjetunion : eine kritische Rekonstruktion ihrer Wirkungsgeschichte' von Paul Gerhard Dietl (Europaische Hochschulschriften = Publications universitaires europeennes = European university studies ; Reihe XX, Philosophie ; Bd. 242) (Dissertation an der Münchner Uni von 1987), Frankfurt am Main ; New York 1988, Verlag P. Lang, 488 Seiten, ISBN 3820412492 (vergriffen)

Auch dieses Buch arbeitet verschiedene Strömungen / Schulen heraus. Der Autor arbeitet in dem Buch dabei selbst teilweise mit hegelianischen Konzepten (versucht die "vorurteilsbelastete" Rezeption auch immanent zu kritisieren und versucht eine begriffliche Entwicklung derselben), geht aber andererseits bei aller Kritik an den Vorurteilen der russichen Hegelrezeption davon aus, dass die Marxschen Konzepte stimmen (kritisiert also den realexistierenden Sozialismus immanent von links/einer marxistischen Position) und sieht die von ihm festgestellte immer weitere Annäherung an Hegel in der Hegelrezeption des Ostens (die grösste Hegel ferne war danach unter Stalin, seitdem ginge es immer weiter auf Hegel zu) sehr reserviert bis ablehnend, er unterstellt dabei, dass die hegelschen Konzepte gar nicht so gut/rationel sein können, wie sie in der immer positiveren Hegel Aufnahme im Osten erscheinen (eine Prüfung, ob nicht diese immer positivere Rezeption auch berechtigt an Hegel anknüpfen könnten, kommt ihm garnicht in den Sinn).