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Pflanzenartige: Unterschied zwischen den Versionen

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== '''Artikel zu Schleimpilzen''' ==
 
== '''Artikel zu Schleimpilzen''' ==
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* [http://de.wikipedia.org/wiki/Schleimpilze Artikel dazu auf Wikipedia]
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: Gleich im 1.Absatz des Artikels heisst es:
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  "Ob Schleimpilze als Einzeller oder Mehrzeller anzusehen sind, ist schwer zu beantworten.
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  Auch ist man sich nicht einig, ob Schleimpilze den Tieren, Pilzen oder Pflanzen zuzurechnen sind."
 
   
 
   
 
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=== Weitere Einführungen Online ===
aus : [http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,455405,00.html]
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* [http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,455405,00.html Wolfgang Richter (Spiegel Online): WEDER TIER NOCH PFLANZE - Bizarre Wesen aus der Schleimzeit] - anschauliche journalistsiche Einführung in die Problematik der Schleimpilze
 
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* [http://www.plant.uga.edu/mycology-herbarium/myxogal.htm Beitrag einer Universität zum Thema]
 
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* [http://www.mdr.de/tiere/1612964.html Gallerie von 14 Fotos (mdr)]
WEDER TIER NOCH PFLANZE
 
Bizarre Wesen aus der Schleimzeit
 
 
 
Von Wolfgang Richter
 
 
 
Schleimpilze sind Forschern ein Rätsel. Sie sind 700 Millionen Jahre alt, scheinen einen eigenen Willen zu haben, sind weder Pflanzen noch Tiere - aber dennoch sehr lebendig. Treffen zwei Myxomyzeten aufeinander, praktizieren sie die simpelste Form des Sex.
 
 
 
In der Maisinger Schlucht westlich des Starnberger Sees kriechen drei Männer bei strömendem Regen durchs Unterholz. Sie tragen Stirnlampen, Regenjacken, Bergschuhe und Halsbänder, an denen Lupen baumeln. Sie fahnden nach einer bizarren Lebensform. Nach Myxomyzeten, zu deutsch: Schleimpilzen.
 
 
 
Die Fahndungsfotos, die Expeditionsleiter Peter Karasch vom Münchner Pilzverein und seine Mitstreiter vorzeigen, erscheinen wie aus einer anderen Welt. Die nur wenige Millimeter großen Schleimpilze sehen bei 50facher Vergrößerung aus wie filigrane Lampions, bunte Billardkugeln oder rote Flaschenbürstchen.
 
 
 
 
 
"Streng genommen sind wir für Myxomyzeten gar nicht zuständig", sagt Karasch. Denn eigentlich seien Schleimpilze gar keine Pilze. Ebenso wenig, wie sie Pflanzen oder Tiere sind. Ihr Entwicklungszyklus ist einzigartig in der Welt der Lebewesen. Trägt der Wind eine Myxomyzetenspore in eine feuchte Ecke des Waldes, entsteht daraus eine einzellige Amöbe. Diese Myxamöbe ernährt sich von Bakterien. Ihr Ziel ist die Vereinigung mit einer anderen Myxamöbe – die simpelste Form von Sex, die es gibt. Währenddessen verschmelzen die Kerne der beiden, es entsteht ein so genanntes Plasmodium. Alle acht Stunden teilen sich nun dessen Zellkerne weiter, ohne dass sich die Zelle selbst teilt. Sie wird größer, verfärbt sich und produziert Schleim.
 
 
 
"Plasmodien findet man sehr selten, weil sie sich im Laub oder faulen Holz verstecken", erzählt Schleimpilzsucher Andreas Kuhnt, während er einen morschen Baumstamm umdreht. Er meint das wörtlich: Plasmodien können laufen und etliche Meter zurücklegen. In den zentimetergroßen Riesenzellen mit zum Teil Millionen Zellkernen entstehen aderförmige Strukturen, die wie menschliche Muskeln funktionieren. Sie ziehen sich im Minutenrhythmus zusammen, entspannen sich wieder und pumpen auf diese Weise Zellplasma hin und her. Erschnüffelt ein Plasmodium mit seinen chemischen Rezeptoren etwas Essbares, etwa eine Bakterienkolonie oder einen Speisepilz, dauert die Strömung in diese Richtung etwas länger als in eine andere. Der Schleim schiebt sich ein Stück vorwärts – mit einem Tempo von rund einem Zentimeter pro Stunde.
 
 
 
 
 
 
 
Doch bis jetzt haben die bayerischen Schleimpilzjäger keine Plasmodien aufgespürt. Eigentlich hatten sie auf den vom Wetterbericht versprochenen Sonnenschein gehofft. In warmen Perioden nach langen Regenzeiten klettern die sonst lichtscheuen Plasmodien auf Gräser und Baumstämme, manche Arten sogar bis hinauf in die Baumkronen. Dort verhärtet sich ihr Schleim zu Stielen und Fruchtkapseln, und die Zellkerne verwandeln sich in Sporen. "Wenn man nicht aufpasst, passiert das allerdings auch zu Hause auf dem Schreibtisch", sagt Kuhnt und erzählt von einem Fund, der sich in einem unbeobachteten Moment aus seiner Pappschachtel stahl, über Nacht auf das nächstbeste Bestimmungsbuch kletterte und dort Fruchtkörper bildete.
 
 
 
Es wird noch unheimlicher: Der japanische Forscher Toshiyuki Nakagaki von der Hokkaido-Universität in Sapporo setzte ein Exemplar der Art Physarum polycephalum in ein Labyrinth. Schnell wucherte es sämtliche Gänge zu, mied aber die Trennwände aus Kunststoff. Nun platzierte der Wissenschaftler an den beiden Ausgängen des Labyrinths Haferflocken. Der Schleimpilz nahm Witterung auf, pulsierte schneller. Dann zog er sich aus den Sackgassen des Labyrinths und den langen Umwegen zurück. Übrig blieb ein einziger dicker Plasmastrang, der sich auf dem kürzesten Weg zwischen den Haferflocken durch das Labyrinth schlängelte.
 
 
 
Mittlerweile haben Toshiyuki Nakagaki und seine Kollegen weitere Intelligenztests für ihren Schützling ersonnen. Sie reichten ihm Haferflocken aus verschiedenen Richtungen in einer Petrischale. Schnell veränderte er seine Gestalt, wenige gefräßige Hauptschlagadern schlängelten sich, geometrischen Gesetzen folgend, auf den kürzesten Wegen von Häppchen zu Häppchen. In einer Anfang dieses Jahres veröffentlichten Studie schlägt Nakagaki daher ein neuartiges Navigationssystem vor: Ausgehend von den Regeln, die der preußische Physiker Gustav Robert Kirchhoff im 19. Jahrhundert für den Bau von Stromnetzen aufstellte, und den Strömungsgesetzen des französischen Mediziners und Physikers Jean Louis Marie Poiseuille, hat er die Theorie des kürzesten Schleims aufgestellt. Mit Hilfe des Schleimpilz-Algorithmus kann ein Computer auf einer Karte der Vereinigten Staaten tatsächlich den schnellsten Weg zwischen Seattle und Houston finden.
 
 
 
2. Teil: Lesen Sie weiter: Schleimpilze steuern Roboter und überraschen Genforscher. Das Standardwerk über die seltsamen Wesen haben drei deutsche Laien verfasst.
 
 
 
"Schleimpilze reagieren auf Umweltbedingungen flexibel", sagt Klaus-Peter Zauner von der Universität Southampton. "Mit dem Wort Intelligenz sollte man aber vorsichtig umgehen." Dann erzählt er die Geschichte vom Schleimpilz im Salzrand. Dahinter verbirgt sich kein Haute-Cuisine-Gericht, sondern ein Myxomyzet in der Falle. Über Salz läuft ein Plasmodium nämlich nicht gern. Ist es von einem Salzring eingeschlossen, müsste es eigentlich verhungern. "Irgendwann nimmt dann aber doch jeder Schleimpilz die Salzhürde", sagt Zauner. Aber warum? Erzeugt ein Frustrationsmechanismus einen Mut der Verzweiflung? Niemand weiß das.
 
 
 
Zauner bedient sich der Fähigkeiten von Physarum polycephalum zur Steuerung eines Roboters. Er hat einen sternförmigen Schleimpilz mit sechs Zacken gezüchtet, dessen pulsierende Bewegungen eine Kamera aufnimmt. Jedes Zucken der Zacken übersetzt ein Computer in Steuerbefehle und sendet diese an einen spinnenartigen Roboter mit sechs Beinen. Dieser trägt einen Lichtsensor. Läuft der Roboter ins Helle, wird eine Lampe eingeschaltet, die über dem Schleimpilz hängt. Da grelles Licht für den Schleimpilz unangenehm ist, pulsiert er anders, der Roboter erhält neue Steuerbefehle.
 
 
 
"Auf diese Weise erreichen wir eine Rückkoppelung, der Schleimpilz wird zum Gehirn des Roboters", erklärt Zauner. Bisher erinnern die ungelenken Bewegungen des Gefährts allerdings noch an eine Breakdance-Vorführung. Trotzdem sehen die Wissenschaftler in ihm den ersten Schritt in der Entwicklung von Robotern, die in komplexen Situationen nicht so schnell überfordert sind wie heutige.
 
 
 
Zurück in der Maisinger Schlucht: Nach zwei Stunden hält Peter Karasch den ersten Schleimpilz des Tages in den Regen – Lycogala epidendrum, einen Blutmilchpilz in ausgereiftem Zustand. Jeder Regentropfen, der ihn trifft, schlägt kleine Sporenwolken aus seinen prall gefüllten Fruchtkapseln. Der Blutmilchpilz ist eine von rund 370 Arten, die bisher in Deutschland gefunden wurden, 1000 sind es weltweit.
 
 
 
Die meisten Schleimpilze werden von Laien entdeckt und bestimmt. Selbst das dreibändige Werk Die Myxomyzeten haben nicht Biologen, sondern ein Naturfotograf, ein pensionierter Lehrer und ein Amtsgerichtsrat im Ruhestand verfasst. Weil sie keinen Verlag für die Bücher finden konnten, veröffentlichten sie sie im Eigenverlag und streckten 150.000 Euro aus eigener Tasche vor. Mittlerweile sind ihre drei Bände zum Standardwerk avanciert und wurden in 20 Ländern verkauft. Eine ungewöhnliche Karriere für ein Fachbuch in deutscher Sprache.
 
 
 
Eine der strittigsten Fragen der Schleimpilzforschung konnten allerdings erst Profis nach aufwändigen Untersuchungen beantworten: Was für Lebewesen sind Schleimpilze? Schon 1864 hatte der Freiburger Botaniker de Bary erkannt, dass Myxomyzeten keine Pflanzen sind, und sie den Tieren zugeordnet. Nicht nur wegen ihrer Wanderleidenschaft, sondern auch aufgrund der "Aufnahme und Wiederausscheidung fester Ingesta, von denen mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass sie nicht zufällig in die Leibsubstanz gelangen, sondern zum Behufe der Ernährung aufgenommen und verwendet werden". Moderne Genforscher wissen es besser: Tiere, Pflanzen und Schleimpilze haben zwar gemeinsame Vorfahren, doch seit 700 Millionen Jahren bilden die Schleimpilze einen eigenen Zweig im Stammbaum des Lebens. Zuvor waren bereits die Pflanzen eigene Wege gegangen.
 
 
 
Dass die genauen Abstammungsverhältnisse jetzt geklärt sind, haben die Myxomyzeten ihren Cousins, den unechten Schleimpilzen, zu verdanken. Deren Amöben bilden keine einzelne Riesenzelle, sondern rotten sich bei Nahrungsknappheit zusammen und formen Zellhaufen. "Diese zellulären Schleimpilze sind die Erfinder des Opfertodes", sagt Gernot Glöckner vom Leibniz-Institut für Altersforschung in Jena. Hocken die Zellen zu Millionen aufeinander, beginnen sie, wie ein winziger Wurm vom dunklen Waldboden aus ans Licht zu kriechen. In einem letzten Aufbäumen reckt sich der Organismus schließlich in die Höhe: Die unteren Zellen bilden einen Stiel, andere den Fruchtkörper und eine auserwählte Minderheit die Sporen. Da alle Zellkerne im Gegensatz zum Plasmodium echter Schleimpilze unterschiedliche Erbinformationen tragen, opfern sich die Zellen im Stiel, damit sich die Sporenzellen fortpflanzen können. "Wer sich vermehren darf, hängt von bestimmten Fitness-Faktoren ab, die wir aber noch nicht genau kennen", sagt Glöckner.
 
 
 
Zusammen mit Forschern aus Köln, Großbritannien und den USA hat er im vergangenen Jahr das Genom des zellulären Schleimpilzes Dictyostelium discoideum entschlüsselt. Neben der Stellung der Schleimpilze im Stammbaum des Lebens brachte die Genomanalyse ein weiteres, überraschendes Ergebnis: Dictyostelium besitzt 12.500 Gene, fast genauso viele wie die Fruchtfliege und immerhin mehr als halb so viele wie der Mensch. Offenbar war also schon der Genpool unserer einzelligen Vorfahren sehr groß.
 
 
 
Bis zum Jahr 2007 wollen Glöckner und seine Kollegen auch das Genom eines echten Schleimpilzes entziffern. Der Wunschkandidat ist wieder Physarum polycephalum, dessen grellgelber Schleim es schon ins Guinness Buch der Rekorde geschafft hat: Bonner Forscher züchteten 1987 zum Abschied ihres Chefs Karl-Ernst Wohlfarth-Bottermann ein fünfeinhalb Quadratmeter großes Exemplar in W-Form. Das war die größte Zelle der Welt. "In den nächsten Jahren werden echte und unechte Schleimpilze in der Genforschung eine große Rolle spielen", prophezeit Gernot Glöckner. Denn mit ihrer Hilfe könnten die Forscher herausfinden, welche Gene sich bereits bei den gemeinsamen Vorfahren von Tieren und Schleimpilzen verändert haben und welche erst im Schleimpilz-Zweig des Stammbaums.
 
 
 
Die Teilnehmer der feuchten Safari in der Maisinger Schlucht haben am Ende des Tages nur echte Schleimpilze in ihren Sammelboxen. Einen frischen Blutmilchpilz zum Beispiel, aus dem nach dem Anschneiden ein rosafarbener Schleim sickert, Hemitrichia calyculata, die ihre Sporen durch elastische Fäden herausschleudert, und Ceratiomyxa fruticulosa, deren Fruchtkörper für jede Spore ein eigenes Stielchen formen. Später im Münchner Pilzverein werden die Schleimpilzsucher ihre Funde durch die Stereolupe begutachten und mit den Augen durch einen Märchenwald wandern. Da geht es steile Böschungen hinab, auf denen goldfarbene Fäden wachsen, quer durch Wälder aus Wunderkerzen hin zu den winzigen Glühlampen unter riesig wirkenden Mooszweigen.
 
 
 
 
 
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Links:
 
 
 
[http://www.plant.uga.edu/mycology-herbarium/myxogal.htm]
 
und diese Gallerie von 14 Fotos:
 
[http://www.mdr.de/tiere/1612964.html]
 
 
 
Hier dazu der Artikel aus Wikipedia:
 
[http://de.wikipedia.org/wiki/Schleimpilze]
 
Gleich im 1.Absatz des Artikels heisst es:
 
"Ob Schleimpilze als Einzeller oder Mehrzeller anzusehen sind, ist schwer zu beantworten.
 
Auch ist man sich nicht einig, ob Schleimpilze den Tieren, Pilzen oder Pflanzen zuzurechnen sind."
 

Version vom 24. September 2008, 08:06 Uhr

Artikel zu Schleimpilzen

Gleich im 1.Absatz des Artikels heisst es:
 "Ob Schleimpilze als Einzeller oder Mehrzeller anzusehen sind, ist schwer zu beantworten. 
 Auch ist man sich nicht einig, ob Schleimpilze den Tieren, Pilzen oder Pflanzen zuzurechnen sind."

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