Philosophie

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Primärliteratur (von Hegel selbst)

Von Hegel gibt es hier vereinzelte Artikel zu einzelnen Philosophen/Werken seiner Zeit (seine Zeitschriftenartikel in Jena, Heidelberg und Berlin).

In der Phänomenologie wird auch hierzu einiges gestreift (etwa zur Aufklärung, Kant, Schiller), in der Enzyklopädie schreibt er zwar allgemein etwas zur Philosophie, aber (verglichen mit den Vorlesungen) wieder nur sehr kurz.

Die 3bändigen Ausgabe von Hegels "Vorlesungen zur Philosophiegeschichte" wurden im Rahmen der Werksausgabe ("Freundesausgabe") von Michelet herausgegeben. Erdmann schreibt dazu, dass das besonders schwierig war, da Hegel für die Vorlesungen das Manuskript der 1.Vorlesung zugrunde legte, aber zu vielen Punkten später abweichende Ausarbeitungen machte, so dass es voller Abänderungen war (zwischen den Zeilen lese ich den Vorwurf, dass Michelet viele dieser Positionsänderungen nicht mit bekommen habe).

Hier wären die Nachschriften der letzten Vorlesungen interessant. Bei Meiner ist zumindest eine solche Nachschrift veröffentlicht (Reihe Vorlesungen Band 6-9), habe diese aber noch nicht verglichen.

Problematisch ist auch, dass die Zeit zwischen dem Neoplatonismus und Bacon/Descartes (des Mittelalters und der Renaissance) von Hegel kaum behandelt werden, Cusanus z.B. wird von ihm nirgends erwähnt (die Erforschung/Wiederentdeckung der Philosophie des Mittelalters fing erst zu/nach Hegels Zeit an, u.a. auch durch Hegels Schüler Erdmann) und dass generel der Zeitraum nach dem Hellenismus, auch die Zeit ab Descartes vergleichsweise wenig behandelt werden (da Hegel in seinen Vorlesungen immer die meiste Zeit auf die alten Griechen verwandte, so dass für den Rest dann zuwenig Zeit blieb).

Werke der Hegelschule dazu

  • Erdmann 1866 "Grundriss der Geschichte der Philosophie" (1.Auflage)
  • Erdmann 1869/70 "Grundriss der Geschichte der Philosophie" (2.Auflage)

Hinweis: Werke zu einzelnen Abschnitten der Philosophiegeschichte finden sich in den Artikeln zu diesen Abschnitten.

Werke der Hegelschule zur Geschichte von einzelnen Gebieten der Philosophie

zur Naturphilosophie

  • Schaller 1850 [Geschichte der Naturphilosophie] (="Briefe über Alexander von Humboldts Kosmos" Bd.2) Volltext Inhalt

zum objektiven Geist

  • Henning 1824 "Principien der Ethik in historischer Entwicklung" Inhalt Volltext
  • Hinrichs 1850 "Geschichte der Rechts- und Staatsprinzipien" Volltext (Bd.2)
  • Michelet 1866 Kapitel "Geschichte der Rechtsphilosophie" Volltext (in "Naturrecht oder Rechtsphilosophie", Bd.1 (Inhalt), S.19-87)

Kommentar zu den Werken der Hegelschule

Die oben erwähnten Lücken von Hegels Philosophiegeschichte wollten die Hegelianer ausgleichen.

Michelet schrieb schon bald (Ende der 1830e) eine 2 bändige Philosophiegeschichte der Zeit von Kant bis zur Hegelschule (dieses Werk habe ich bisher nur bezüglich der Hegelschule ausgewertet, da ist er eine wertvolle Quelle), die damals unter Hegelianern viel gelesen wurde. Zudem schrieb er 2 Arbeiten zu Aristoteles, von der die eine einen Preis von der Pariser Akademie bekam.

Rosenkranz hat keine Philosophiegeschichte geschrieben, aber die Werke Kants herausgegeben (er sass ja in Königsberg an der Quelle), und Biographien von Kant, Hegel, Goethe und Diderot (auf letztere war er besonders stolz, Rosenkranz mochte Diderot, fühlte sich ihm geistesverwandt) geschrieben, sowie je eine Kritik von Schelling und Schleiermacher. Möglicherweise hat Rosenkranz auch noch zur Philosophigeschichte mehr geschrieben, da er sehr viel geschrieben hat und eine vollständige Bibliographie seiner Werke anscheinend nicht vorliegt)

Feuerbach hat auch eine Philosophiegeschichte angefangen, er hat aber nur den Teil von Verula und Bacon bis Leibniz abgeschlossen.

Lassalle hat ein damals viel gelobtes Buch über "Heraklit den Dunklen" geschrieben, sein philosophisches Hauptwerk.

Marx hat seine Dissertation zu den römischen Philosophieschulen der Stoiker und Epikurer geschrieben und später eine Kritik Hegels und Polemiken gegen die Junghegelianer, zumindest die letztgenannten Werke sind natürlich problematisch (von Sahra Wagenknecht gibt es eine gute Gegenkritik der marxschen Hegelkritik). Von Engels gibt es aus seiner hegelschen Phase 2 lustig zu lesende Polemiken gegen Schelling (beide im MEW Ergänzungsband 2 und im unten genannten Reader) und natürlich seinen Anti-Dühring, beides eher (berechtigte) Polemiken denn wissenschaftliche Werke. Übrigens gab es im DDR Reclam Verlag einen Reader "Marx Engels über Geschichte und Philosophie", indem aus den ganzen MEWs incl. Briefen alle (?) Stellen zu anderen Philosophen herausgeklaubt und nach Philosophiezeitaltern und Philosophen geordnet dargestellt sind. Das ergibt natürlich keine Philosophiegeschichte oder sonst ein systematisches Werk, aber einige nette kleine Bemerkungen.

Generell sind Feuerbach und der junge Marx keine echten Hegelianer (in dem hier vertretenen Sinne) und daher sind ihre Beiträge hier nur mit besonderem Vorbehalt zu lesen.

Erdmann schrieb über 20 Jahre einen augezeichneten, wahrscheinlich bis heute unübertroffenen 7bändigen "Versuch" - nach intensiver Durchsicht durch die gesamte Primärliteratur !- über die Philosophiegeschichte der Neuzeit, von Descartes bis Mitte des 19.Jahrhunderts (zu dem er im 7.Band von den mit- und nach-hegelschen Philosophen u.a. Krause, Herbarth, Schopenhauer, den alten Schelling, Onken, Steffens und Baader, sowie die Hegelschule behandelt. Marx und Nietzsche behandelt er leider nicht). Es gibt davon einen Reprint bei fromann-holzboog und das Werk liegt inzwischen auch vollständig eingescannt bei Google Books (und bei http://hegel.net/erdmann ) vor.

Diesem Werk Erdmanns war keine 2.Auflage vergönnt, er hat aber später eine 2bändige Philosophiegeschichte zur ganzen Geschichte in 4 verbesserten und erweiterten Auflagen veröffentlicht, in denen er umfangreiche Forschungen zur Philosophie des Mittelalters und Verbesserungen zu seinem 7bändigen Werk einarbeitete. Die Darstellung der Hegelschule darin ist auch als eigenes Werk erschienen, das mir vorliegt. Das 2 bändige Werk liegt mir noch nicht vor. (2 Warnungen dazu: 1. die Auflagen aus dem 20. Jahrhundert, von 1930, sind von anderen Herausgebern stark umgearbeitet und "wissenschaftlich wertlos". 2. bei rororo sind in einer mehrbändigen Philosophiegeschiche "von Vorländer und Erdmann" die letzten 2 Bände, zum Deutschen Idealismus von Kant bis Hegel, angeblich von Erdmann. Da sie fast nur aus Quellen bestehen, bleiben für den Erdman Text nur wenige Seiten. Der Herausgeber erwähnt zudem stolz, man habe alle hegelianischen Bemerkungen und Hinweise zu Bezügen zur hegelschen Philosophie aus dem Text getilgt, was die rororo Ausgabe für unsere Zwecke vollends wertlos macht.)

Die letzten fast 300 Seiten des 2.Bandes behandelt "Die deutsche Philosophie seit Hegels Tod" (einschliesslich der Hegelschule) und ist unter diesem Titel auch als eigener Band heraus gekommen. Ein Reprint aus dem Jahre 1964 bei fromann-holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt ist bei http://zvab.com einfach und vgl. günstig erhältlich. Erdmann hat über diesen Teil geurteilt, dass er ihm mehr Arbeit gemach habe, als der Rest des 2bändigen Werkes, und angesischts der Fülle an (belegten) Details kann man das gut nachvollziehen. Für jeden an der Geschichte der Hegelschule und ihrer Rezeption Interessierten ist zumindest dieser Teilband ein Muss.

Der Erdmann Schüler Kuno Fischer schrieb eine 10bändige Philosophiegeschichte, bestehend aus je 1-2bändigen Darstellungen zu Descartes, Spinoza, Leibniz, Kant, Fichte, Schelling, Hegel und Schopenhauer (liegt mir fast vollständig digitalisiert vor). Fischer war zum Zeitpunkt der Abfassung aber schon kein Hegelianer mehr, so dass seine Ausführungen mit Vorsicht gelesen werden müssen. Zumindest hat er bei den ersten Bänden, zu Lebzeiten Erdmanns, mit diesem über viele Jahre hinweg zu Sachfragen im Zusammenhang mit dem Werk korrespondiert, wobei diese in einigen Schlüsselfragen in der Beurteilung der Philosophie etwa Spinozas oder Leibniz durchaus unterschiedliche Positionen hatten (zu dem Zeitpunkt, als Fischer die Bände über Hegel und Fichte anfing, war Erdmann aber schon tot).

Auch von den anderen grossen Philosophiegeschichtsschreibern des 19.Jahrhunderts sind viele (z.B. Zeller) von Hegel mehr oder weniger stark beeinflusst, man müsste das an ihren Werken und Biografien prüfen.

Aufgaben

Von Vittorio Hösle gab es 1984 mit "Wahrheit und Geschichte" (ISBN 3772808891, Auszug auf GoogleBooks) einen Versuch, die hegelsche Philosophiegeschichte von Parmenides bis Aristoteles auf den neusten philologischen Stand zu bringen. Das Buch enthält zudem in dem 1. theoretischen Teil (nur diesen habe ich ganz gelesen) eine gute Kritik der gängigen modernen relativistischen Konzeptionen von Philosopphiegeschichte.

Bei der Aufgabe, die Philosophiegeschichte aufbauend auf die erwähnten Werke -vor allem Erdman ist hier nützlich- fortzuschreiben, stellen sich für das 19.Jahrhundert noch vor allem die Verarbeitung von Darwin, Marx, Nietzsche und Freud, die alle 4 von Erdman (und meines Wissens erst recht nicht von den anderen Hegelianern) nicht behandelt werden (alle 4 sind allerdings auch keine Philosophen im klassischen Sinne und wollen dies auch garnicht sein), aber die Grundlage für viele der weiteren Philosophien des 20.Jahrhunderts bilden.

Für die marxistischen Darstellungen zur Philosophiegeschichte gelten sinngemäss die selben Mängel wie zur Kunst ausgeführt. Die Einordnung der Philosophien in materialistische und idealistische ist zudem irreführend/abwegig und geht an der hegelschen Bestimmung von Idealismus vorbei.

Das 3bändige Opus Magnum "Einheit und Widerspruch - Problemgeschichte der Dialektik der Neuzeit" von Hans Heinz Holz (J.B.Metzler Verlag, 1997, ISBN 3476015580) teilt die üblichen Probleme der orthodoxen marxistischen Philosophiegeschichtsschreibung (nicht zuletzt kulminiert sie natürlich über Hegel und den Linkshegelianismus in Marx und Lenin, die - wie üblich bei Marxisten - selbstverständlich als Hegel überlegener Maßstab genommen werden), aber enthält interessante Beobachtungen, auch in Hinblick auf die Logik und Hegels System (und in hinblick darauf, wie Hegel wohl mit Leibniz - Holz ist der derzeit vielleicht wichtigste deutsche Leibniz Experte - einerseits, dem Marxismus andererseits, zu "verheiraten" wäre).

Artikel im Hegel-Wiki dazu