Religion

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Werke von Hegel selbst dazu

Dieser Bereich hat Hegel mit am längsten beschäftigt, angefangen von den von Noel 1907 herausgegebenen "Theologischen Jugendschriften", von denen leider fast nichts in die weit verbreiteten Suhrkampausgabe übernommen wurde.

Hegel hat hier seine Ansichten aber besonders stark gewandelt (erst später berücksichtigt er die orientalischen Religionen und erst mit der Zeit erkennt er, dass sich das Christentum in seine Philosophie aufheben lässt), so dass die Texte der vor-berliner und besonders vor-heidelberger Zeit zum Thema eher biographisches als systematisches Interesse haben. Vorlesungen zum Thema hat Hegel erst ab Anfang der 1820er Jahre in Berlin gehalten (wohl herausgefordert durch/als Gegengewicht zum in der Religion damals - und auch heute noch - viel einflussreicheren Schleiermacher).

Andererseits ist zum Thema vom vorsichtigen Hegel zu seinen Lebzeiten kaum etwas erschienen, die entsprechenden Abschnitte in der Phänomenologie verdanken sich einer anderen Perspektive und sind eher historisch, der Abschnitt in der Enzyklopädie nur kurz.

Kurz vor seinem Tod wollte Hegel noch die Vorlesung über die "Beweise zum Dasein Gottes" als Buch veröffentlichen, das Manuskript ist auch fast fertig geworden, nur der letzte Teil musste ergänzt werden. Allerdings sagt Hegel selbst, dass die "Beweise" eher zur Logik als zur Theologie gehören.

Die "Vorlesungen zur Philosophie der Religion", die nach Hegels Tod von Marheineke 1832 (und in der zweiten, stark geänderten Ausgabe von Bruno Bauer mit Einverständnis und unter Aufsicht von Marheineke 1840) im Rahmen der Hegelwerke herausgegeben wurden (heutzutage bei Suhrkamp im Rahmen der TWA Bd. 16/17 - bzw. stw 616/617 - auf Basis der 2.Auflage), haben zu starken Angriffen auf die hegelsche Philosophie geführt und die Spaltung der Schule zumindestens nicht verhindert.

Walter Jaeschke hat im Rahmen der "Hegel Werke" bei Meiner eine vorbildliche 3bändige (für jeden der 3 Teile der Vorlesungen je einen Band) vergleichende Edition verschiedener Versionen (von 1824, 1827 und 1831) der hegelschen Vorlesungen zur Religion herausgegeben (Auszug aus dem 1.Band bei GoogleBooks), die ohne den umfangreichen Anmerkungsteil auch als Taschenbuch in der meinerschen "Philosophischen Bibliothek" erschienen ist (Band 459: Begriff der Religion, ISBN 3-7873-1116-3; Band 460: Die besonderen Religionen, ISBN 3-7873-1167-2; Band 461: Die absolute (christliche) Religion, ISBN 3-7873-1118-1). Jaeschkes Ausgabe ist inzwischen sogar ins englische übersetzt worden.

Werke der Hegelschule dazu

  • Hinrichs 1822 "Die Religion im inneren Verhaeltnisse zur Wissenschaft PDF Inhalt
Erstes gedrucktes Werk zum Thema Religionsphilosophie aus der Hegelschule, mit berühmten Vorwort von Hegel. Erschien noch vor Hegels erster Vorlesung zum Thema

Schilderung der Diskussion der Hegelschule dazu in philosophigeschichtlichen Werken

Michelet beschreibt (aus seiner Perspektive, nach eigener Einschätzung (1843) "Mitte-Links") die Debatten der Hegelschule zur hegelschen Religionsphilosophie ausführlich in seinen 3 Werken zur Philosophiegeschichte:

  • Michelet 1838 "Geschichte der letzten Systeme der Philosophie", Bd.2 Volltext Inhalt
  • Michelet 1843 "Entwickelungsgeschichte der neuesten deutschen Philosophie" Voltext
  • Michelet 1878 "System der Philosophie", Band 3: "Geist" (letzter Teil davon: Philosophiegeschichte) Volltext Inhalt

Aus Sicht des konservativeren Hegelianers Erdmanns stellt sich der "Auflösungsprozess" der Hegelschen Schule eher so dar:

  • Erdmann 1866, Grundriss der Geschichte der Philosophie, Bd.2, 1.Auflage Volltext Inhalt
  • Erdmann 1870, Grundriss der Geschichte der Philosophie, Bd.2, 2.Auflage Volltext
  • Erdmann 1996, Grundriss der Geschichte der Philosophie, Bd.3 (hierher ausgelagert), 4.Auflage, übersetzt ins englische Volltext

Sekundärliteratur dazu

Walter Jaeschke: "Die Religionsphilosophie Hegels", "Die Vernunft in der Religion"

  • Jaeschke, Walter: Die Religionsphilosophie Hegels, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983, ISBN 3-534-07007-0, 154 S., kartoniert (vergriffen). Gibt u.a. einen entwicklungsgeschichtlichen Überblick über die religiösen / theologischen Gedanken Hegels in seinen Entwicklungsphasen und gleichzeitig ein vorzüglicher kommentierter Überblick über die Sekundärliteratur zu dem Thema.
  • Jaeschke, Walter "Die Vernunft in der Religion", fromann-holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1986, ISBN 3-7728-1188-4, 478 S., Leinen, 107 EUR. Behandelt ausführlich die 4 Themenkomplexe:
    • Die Auseinandersetzung Hegels mit Kant
    • Hegels Religionsphilosophie in Jena
    • Hegels Religionsphilosophie in Berlin
    • Der Streit um die spekulative Religionsphilosophie

Artikel im Hegel-Wiki dazu

Relevanz, Ausblick, Aufgaben

Die hegelsche Schule zur christlichen Religion ist sehr wichtig, um zu einer rationellen, vernünftigen Auffassung des Christentums zu kommen, in der dieses nicht einfach wie im Marxismus und sonstigem Atheismus abstrakt negiert wird, sondern mitsamt der ganzen darauf basierenden europäischen Kultur vollauf befriedigend aufgehoben / auf den Begriff gebracht wird ("Flucht [vor der Aufklärung] in den Begriff" hat es Jaeschke formuliert).

Siehe dazu auch die Beiträge dazu hier unter Religion

Über die weitere Entwicklung der (evangelischen, deutschen) Theologie, die es dann aufzuheben gälte, informieren z.B. Barth in seiner klassischen "Theologie des 19. Jahrhunderts" (mit bemerkenswert positiver Behandlung Hegels, speziel für einen solchen theoretischen Antipoden) und Zarndt "Die Sache mit Gott" (eher populäre Darstellung der deutschen Theologie des 20. Jahrhunderts, u.a. zu Barth, Bultmann, Tillich und Thielecke). Auch hier ist eher ein Verfall zu erkennen, dass man sich in Angesicht der hegelschen Alternative gerade für das Gegenteil entschieden hat (überspitzt formuliert interessiert sich Barth gerade für das Unvernünftige = nicht-menschliches = Göttliches in seiner Bibelexegese), hier gilt es einen mächtigen irrationalen Trend umzukehren (der bis zu den Fundamentalchristen in den USA geht)

Probematisiert wurde im 19. Jahrhundert meines Wissens immer nur der 3. Teil der Religionsphilosophie, der die christliche Religion behandelt, in unserer heutigen globalisierten multikulturellen Welt wird auch die unangemessene Behandlung der anderen (besonderen) Religionen gerügt.

Hier könnten die Bücher von Hans Küng helfen, der für sein Projekt Weltethos die verschiedenen Religionen (bis hin zu den Religionskritikern) ausführlich wissenschaftlich behandelt. Diese müssten natürlich mit den Konzepten der hegelschen Schule abgeglichen und dann eingearbeitet werden.

Hegel ist hier ebenfalls sehr wichtig, weil er mit seiner Religionsphilosophie Grundlagen zu einem vernünftigen Dialog der Religionen und damit der Kulturen liefert (siehe dazu die Andeutungen in den Artikeln zur Religion (auf Hegelwerkstatt.de))

Speziel bei der Behandlung des objektiven Geistes und der Religion muss besondere Sorgfalt walten, da diese Themen so weitreichende praktische Folgen haben.

siehe auch