Rosenkranz

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Meyers Grosses Konversationslexikon 1906

Rosenkranz, Karl, Philosoph, geb. 23. April 1805 in Magdeburg, gest. 14. Juni 1879 in Königsberg, studierte in Berlin, Halle und Heidelberg, habilitierte sich in Halle 1828, ward 1831 daselbst außerordentlicher, 1833 ordentlicher Professor der Philosophie in Königsberg, war 1848-49 vortragender Rat im Ministerium des Kultus zu Berlin, nahm seine Professur in Königsberg wieder auf und erblindete zuletzt vollständig. R. gehört zu den vielseitigsten und geistvollsten Schülern Hegels, der freilich von der Hegelschen Logik nicht unbedeutend abwich. Er hat sich als philosophischer, auch als literarhistorischer und belletristischer Schriftsteller hervorgetan. Von seinen sehr zahlreichen Schriften seien genannt: »Geschichte der deutschen Poesie im Mittelalter« (Halle 1830); »Handbuch einer allgemeinen Geschichte der Poesie« (das. 1832-33, 3 Bde.); »Enzyklopädie der theologischen Wissenschaften« (das. 1831, 2. Aufl. 1845); »Kritik der Schleiermacherschen Glaubenslehre« (Königsb. 1836); »Psychologie oder die Wissenschaft vom subjektiven Geist« (das. 1837, 3. Aufl. 1863); »Kritische Erläuterungen des Hegelschen Systems« (das. 1840); »Königsberger Skizzen« (Danz. 1842, 2 Bde.); »Vorlesungen über Schelling« (das. 1843); »Die Pädagogik als System« (Königsb. 1848); »Meine Reform der Hegelschen Philosophie« (das. 1852); »Ästhetik des Häßlichen« (das. 1853); »Die Poesie und ihre Geschichte« (das. 1855); »Wissenschaft der logischen Idee« (das. 1858-59, 2 Bde.); »Diderots Leben und Werke« (Leipz. 1866, 2 Bde.); »Hegels Naturphilosophie und die Bearbeitung derselben durch A. Vera« (Berl. 1868); »Erläuterungen zu Hegels Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften« (das. 1871). Außerdem schrieb er das verdienstvolle »Leben Hegels« (Berl. 1844) und zu dessen 100jähriger Geburtstagsfeier: »Hegel als deutscher Nationalphilosoph« (Leipz. 1870), worin er denselben als »Vollender Kants« feierte. In Gemeinschaft mit F. W. Schubert veranstaltete R. eine Ausgabe der Werke Kants (Leipz. 1838-40, 12 Bde., deren letzter seine »Geschichte der Kantschen Philosophie« enthält). Seine Schrift »Goethe und seine Werke« (Königsb. 1847, 2. Aufl. 1856) ist jetzt veraltet. Kleinere Abhandlungen etc. erschienen gesammelt als »Studien« (1. Teil, Berl. 1839; 2.-5. Teil, Leipz. 1844-47) und »Neue Studien« (Leipz. 1875-78, 4 Bde.). Unter dem Titel: »Von Magdeburg nach Königsberg« (Berl. 1873) veröffentlichte R. seine Selbstbiographie bis zur Übersiedelung nach Königsberg. Vgl. Quäbicker, Karl R. (Leipz. 1879); Jonas, Karl R. (das. 1907).

[Lexikon: Rosenkranz, S. 1 ff.Digitale Bibliothek Band 100: Meyers Großes Konversations-Lexikon, S. 167583 (vgl. Meyer Bd. 17, S. 151 ff.)]

Eisler: Philosophenlexikon

Rosenkranz, Karl, geb. 1805 in Magdeburg, 1831 Prof. in Königsberg, gest. 1879 daselbst.

R. gehört zur »mittleren« Richtung der Hegelschen Schule, weicht aber in manchem von Hegel ab.

Die »Wissenschaft der logischen Idee« zerfällt in Metaphysik, Logik und Ideenlehre. Die Metaphysik gliedert sich in Ontologie, Ätiologie, Teleologie. Die Ideenlehre handelt vom Prinzip, von der Methode, vom System. Denken und Sein haben ihre Einheit in der Idee, der Einheit des Begriffs und seiner Realität. Sie ist das »absolute Prinzip, welches sich die ihm immanente Form als Methode zur Einheit aller seiner notwendigen Bestimmungen entwickelt, ein System«. Die Idee ist »das absolute, von nichts anderem abhängige, in sich unbedingte Sein«.

Die Idee entfaltet sich in Natur und Geist. Dieser ist das »Für-sich-sein der Idee als Idee«, die sich wissende und wollende Idee, das Prius der Natur und der Vernunft. Der objektive Geist ist der Geist, der seine Freiheit als eine objektive Welt hervorbringt; der absolute Geist ist »der Geist, der sich selbst als den absoluten Inhalt in der diesem Inhalt kongruenten absoluten Form weiß«.

Die Natur ist das System, worin sich das Denken als Sein setzt. Die Psychologie gliedert R. in Anthropologie, Phänomenologie und Pneumatologie.

     Schriften: De Spinozae philosophia, 1828. - 
   Die Naturreligion, 1831. - Enzyklop. d. theolog. 
   Wissenschaft, 1831; 2. A. 1845. - Das Verdienst 
   der Deutschen um die Philos. d. Geschichte, 
   1835. - Kritik der Schleiermacherschen Glaubens-
   lehre, 1836. - Psychologie, 1837; 3. A. 1863. - 
   Geschichte der Kantschen Philosophie, 1840, - 
   Kritische Erläuterungen des Hegelschen Systems, 
   1840. - Studien, 1839-48. - Über Schelling und 
   Hegel, 1843. - Schelling, 1843. - Hegels Leben, 
   1844. - Kritik der Prinzipien der Straußschen 
   Glaubenslehre, 1844; 2. A. 1864. - Goethe u. 
   seine Werke, 1847; 2. A. 1856. - Die Pädagogik 
   als System, 1848. - System der Wissenschaft, 
   1850. - Meine Reform der Hegelschen Philoso-
   phie, 1852. - Ästhetik des Häßlichen 1853. - 
   Apologie Hegels gegen Haym, 1858. - Die Wis-
   senschaft der logischen Idee, 1858-59 (Haupt-
   werk). - Epilegomena, 1862. - Diderots Leben 
   und Werke, 1866. - Hegels Naturphilosophie, 
   1868. - Hegel als deutscher Nationalphilosoph, 
   1870. - Erläuterungen zu Hegels Enzyklop. d. Phi-
   los., 1878 (Philos. Bibl.). - Neue Studien, 1875 
   ff. - Vgl. QUÄBICKER, K. R., 1879.

[Eisler: Philosophenlexikon, S. 1560 ff.Digitale Bibliothek Band 3: Geschichte der Philosophie, S. 18492 (vgl. Eisler-Phil., S. 610 ff.)]

digitalisierte Werke von Rosenkranz

Siehe auch

[hier] bei GoogleBooks)