Subjektiver Geist

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Primärliteratur (von Hegel selbst)

Nur in Teilbereiche des Themas werden in der Jenaer Zeit (in den Jenaer Systementwürfen) und Nürnberger Zeit (Propädeutik) behandelt. Veröffentlicht wurde von Hegel zum Thema nur (teilweise) in der Phänomenologie und ganz im 1.Teil (Subjektiver Geist) des 3.Bandes der Enzyklopädie (allerdings enthalten auch die Vorlesungen von Hegel, insbesondere zur Ästhetik, eine Fülle von Einsichten, die zum Thema passen).

Es ergibt sich damit eine ähnliche Situation wie bei der Naturphilosophie: der eigentliche, zu Hegels Lebzeiten gedruckte und von ihm authorisierte Text der Enzyklopädie ist (zu) kurz, das Meiste sind Zusätze, die der Herausgeber des entsprechenden Teils der Enzyklopädie für die "Freundesausgabe", Boumann, hinzugefügt hat.

Zum Hegels Vorlesungen zum Subjektiven Geist ist bei Meiner eine Mitschrift von Erdmann erschienen, die sehr ausführlich ist und einen sehr guten Eindruck macht (liegt hier an der Uni München vor).

Es liegen noch von weiteren Hegelvorlesungen zum Thema (noch unveröffentlichte) Mitschriften vor, die auch in dem Buch von Dirk Stedenroth "Hegels Philosophie des subjektiven Geistes. Ein komparatistischer Kommentar." (s.u.) zumindest von der Gliederung her verglichen werden.

Werke der Hegelschule dazu

  • Daub 1838 "Vorlesungen über die philosophische Anhropologie" Volltext
  • Michelet 1840 "Anthropologie und Psychologie, oder die Philosophie des Subjectiven Geistes" (Volltext noch nicht verfügbar, bestellbar in elektronischer Form bei Philosophiebuch.de, Auszüge bei GoogleBooks)
  • Erdmann "Grundriss der Psychologie"
  • Erdmann "Psychologische Briefe"
    • 1.Auflage 1852 (derzeit keine digitalisierte Version für diese Auflage verfügbar)
    • 2.Auflage 1856 Volltext Inhalt
    • weitere (jeweils vermehrte und verbesserte) Auflagen 1863 PDF, 1868 PDF, 1875, 1882
  • Rosenkranz "Psychologie"
    • 1.Auflage 1837 (derzeit keine digitalisierte Version für diese Auflage verfügbar)
    • 2.Auflage 1843 Volltext Inhalt
    • 3.Auflage 1863 Volltext
  • Schaller 1860 "Das Seelenleben der Menschen" Volltext Inhalt

Kommentar zu den Werken der Hegelschule

Alle 3 schon besonders hervorgehobenen Hegelianer (Erdmann, Michelet und Rosenkranz) haben eigene, ausführliche Werke zum subjektiven Geist geschrieben.

Der österreichsche Herbarthianer Franz Exner (der dafür sorgte, dass in Österreich nur Herbarthianer zu Philosophieprofessoren berufen wurden, die Herbarthianer waren eh explizite Gegner von Hegel. Herbarth war übrigens der Vorgänger von Rosenkranz in Königsberg) hat in 2 Bänden ("Die Psychologie der Hegel'schen Schule" 1842 PDF, 1844) explizit Hegels Lehre vom subjektiven Geist kritisiert und dabei auch die Unterschiede in den genannten verschiedenen Schülerversionen aufgezeigt und kritisiert (Rosenkranz und Michelet antworten darauf in der jeweils folgenden Auflage ihrer Psychologien(Rosenkranz 1842, Erdmann 1847), Exner erwiedert darauf im 2.Band von 1844). Ich versuche die 2 Werke zu bekommen, die bisherigen Berichte lassen vermuten, dass Exner zumindest ein Verständnis der hegelschen Philosophie völlig abgeht, so dass er zwangsläufig zu gravierenden Missinterpretationen kommt.

Rosenkranz Werk ist als erstes erschienen, noch bevor der 3.Teil der Enzyklopädie im Rahmen der Werkausgabe mit den Zusätzen erschien. Er will den Hegeltext nur näher erläutern, mit Beispielen auffüllen, so dass Vittorio Hösle in "Hegels System" urteilt, Rosenkranz hätte das Werk nur durch Hereinnahme von Material aus der zeitgenössischen Psychologie aufgebläht

Michelet hat in seiner Version die Phänomenologie entfernt, da diese ja schon als Anfang des Systems vorliege und stattdessen das dort behandelte Material auf die Anthropologie und Psychologie verteilt, wobei er generell (auch sonst in seinem System) versucht dabei alle (von ihm als solche wahrgenommene) inhaltliche Doubletten auszumerzen.

Die Werke von Erdmann zum Thema sollen am besten sein, er hat sich auch sein Leben lang am intensivsten mit dem Thema beschäftigt. Ich habe sein Werk in der 5.Auflage, aber bisher erst überflogen. Er erhält Hegels Grundarchitektur mit guten Gründen. Eine populäre Darstellung seiner Ergebnisse verföffentlichet er später in den "Psychologischen Briefe", diese waren zu ihrer Zeit ein Bestseller.

Sekundärliteratur dazu

"Für diese ausführliche komparatorische Detailanalyse 
werden alle verfügbaren Materialien zur "Philosophie des subjektiven Geistes" 
des Heidelberger und Berliner Hegel, darunter auch unveröffentlichte Vorlesungsnachschriften, 
herangezogen, wobei die Analyse immer auch auf die erfahrungswissenschaftlichen Grundlagen 
zurückgreift."  (Auszug aus der Selbstanzeige des Verlages)
  • Am 22.7.2007 habe ich in der theologisch-philosophischen Fachbibliothek der LMU München von Dipl.psych Werner Haisch "Versuch einer Neuformulierung von Hegels 'Anthropologie' auf dem Hintergrund der modernen psychologischen Wissenschaften", seine Dissertation von 1977 an der LMU München, entdeckt. Soweit ich sehen kann, ein sehr nützliches Werk, dass sich darum bemüht, zumindest Hegels Anthropologie (als ersten und Grundlegenden Teil der Lehre vom Subjektiven Geist) zu verstehen und dabei auf den neusten Stand (von 1977) zu bringen. Dabei bemüht es sich u.a. auch um eine Aufhebung der Psychoanalyse und des Behaviourismus sowie der modernen Naturwissenschaften, sofern sie den Menschen betreffen (es müsste dabei auch eine gute Grundlage abgeben, um die - erst Jahre nach diesem Werk entstandene - Kritische Psychologie von Klaus Holzkamp & co. mit zu integrieren). Dabei sehr, sehr klar formuliert. Er rezipiert dabei auch die oben erwähnten Werke, insbesondere Rosenkranz' Psychologie und Erdmanns psychologischen Werke. Erstaunlicherweise scheint dieses Werk in der ganzen Hegel-Literatur und Psychologischen-Literatur in den ganzen 30 Jahren seit Erscheinen bisher kaum rezipiert worden zu sein! (Dirk Stedenroth erwähnt Haisch zumindest 2 mal beiläufig in seinem Werk zu Hegels Lehre vom Subjektiven Geist, kann allerdings aufgrund seines, Stedenroths, philologischen Schwerpunktes Haisch kaum nutzen). Werk bei GoogleBooks durchsuchen