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Relevanz für Hegelstudien

Ein Studium von Hegels Philosophie ohne Übersicht über das Ganze ist vergeblich, diese wird also zumindest parallel zum sonstigen Studium benötigt.

Werke von Hegel dazu Online

  • "Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften" (Orginaltext ohne Zusätze)
    • 1.Auflage (1817) PDF
    • 2., stark vermehrte Auflage (1827) PDF
    • 3., vermehrte Auflage (1830)
    • 4. (gegenüber der 3.Auflage unverändete) Auflage, Hrsg. Rosenkranz (1845) PDF
  • "Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften" (mit den "Zusätzen", im Rahmen der 1.Hegelwerksausgabe durch die "Freunde des Verewigten" = "Freundesausgabe")

Primärliteratur (von Hegel selbst)

Vorarbeiten liegen in den hegelschen Jenaer Systementwürfen (JSE) vor (erhältlich als verhältnismässig günstige Studienausgabe im Rahmen von Meiners "Philosophische[n] Bibliothek", leider nicht bei Suhrkamp) und in der Nürnberger Enzyklopädie von 1808ff (online und in TWA Bd. 4 bei stw).

Band 15 der Vorlesungen bei Meiner gibt 2 Mitschriften von Hegels Nürnberger Enzyklopädieunterricht am Gymnasium von 1812/13 wieder.

Die offizielle Kurzdarstellung durch Hegel ist natürlich seine "Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften", insbesondere die 3. Auflage von 1830 (in der Suhrkampausgabe Band 8-10 = stw 608-610), aber ohne die Zusätze (die erst nach Hegels Tod im Rahmen der "Freundesausgabe" von den Herausgebern eingefügt wurden und auch in der Suhrkampausgabe enthalten sind).

Die Logik und der objektive Geist sind in eigenen Werken ausführlicher behandelt, verglichen mit den Vorlesungen sind insbesondere die Weltgeschichte und der absolute Geist (Kunst, Religion, Philosophie[geschichte]) in der Enzyklopädie zu kurz abgehandelt.

Nützlich wären hier als Einstieg die Vorlesungen zur Gesamtenzyklopädie. Die Mitschriften von den späteren Vorlesungen zur Gesamtenzyklopädie in Heidelberg und Berlin sind aber anscheinend noch nicht verfügbar.

Werke der Hegelschule dazu

  • Erdmann 1853 Darstellung des hegelschen Systems (incl. Phänomenologie) im letzten Kapitel seines 7bändigen "Versuch einer wissenschaftlichen Darstellung der Geschichte der neueren Philosophie" Volltext - vielleicht die beste verfügbare Kurzdarstellung (140S.) von Hegels System
  • Erdmann 1858 Mini-Enzyklopädie (Kapitel 15-17 aus "Vorlesungen über akademisches Leben und Studium") Volltext - beschreibt gut, worum es in Logik, Natur- und Geistesphilosophie geht
  • Rosenkranz 1850 "System der Wissenschaft" (weicht von Hegels Gliederungen ab, ist am Besten in der Naturphilosophie)

Kommentar zu den Werken der Hegelschule

Rosenkranz und Michelet haben eigene ausführliche weiter entwickelte Systeme veröffentlicht. Ich habe das 5bändige Werk von Michelet (der zudem auch sonst zu fast jedem Aspekt des Systems noch weitere Einzelwerke veröffentlicht hat) und auch das einbändige System (1850, ca. 640 Seiten) von Rosenkranz mit der Darstellung seines Systems. Auf Rosenkranz Werk baut Noack 1854 auf (der allerdings am meisten vom Hegelschen Orginal abweicht, so dass man noch Parallelen zu Rosenkranz findet, aber kaum noch zu Hegel).

Zu Erdmanns Vorlesung zur philosophischen Enzyklopädie von 1855 (und auch von 5 weiteren seiner Vorlesungen) existieren Aufzeichnungen an der Harvard Uni (siehe dazu: http://oasis.lib.harvard.edu/oasis/deliver/~hou01831 ), die aber noch unveröffentlicht sind. Erdmann hat aber zumindst eine - pädagogisch aufbereitete - Grundskizze seiner Fassung des Systems auch selbst veröffentlicht, und zwar in seinem Buch von 1858 (Redaktionsschluss Mitte 1857) "Vorlesungen über akademisches Leben und Studium" (9 MB), Kapitel 15-19, PDF s.o.). Seine dortige Darstellung der Logik (Kap.15) und des subjektiven Geistes (Kap.17) sind nette pädagogische Ergänzungen seiner Vorlesungsbücher, seine Naturphilosophie (Kap.16) ein interessante Weiterentwicklung von Rosenkranz (den er ja ausdrücklich in dieser Hinsicht in seiner Phiolosophiegeschichte lobt), wahrscheinlich ohne Kenntnis von Noack. Interessant an Erdmans Naturphilosophie ist, dass er sich darin besonders auf die grundlegenden Gedanken/Fragen konzentriert, so dass wenig veraltete Details darin auftauchen sondern viel noch heute beachtenswertes. Erdmanns Behandlung des Objektiven Geistes (Kap.17) ist erwartungsgemäss eher etwas konservativ und zeitabhängig, es gibt da zwar - wie immer bei Erdmann- vieles bemerkenswertes, aber insgesamt kann dieser Bereich weniger überzeugen. Schwach finde ich auch seine Behandlung von Kunst und Religion (Kap.18), insbesondere der Kunst (aber auch hier, viele interessante Einzelgedanken). Interessant ist wiederum seine Behandlung der Beziehung der Enzyklopädie auf die Fakultäten der Universität (Kap.19). (s.o. Erdmann 1858).

Sekundärliteratur

Hier nun einige gute moderne Bücher zur Einführung in Hegel (die allermeisten Einführungsbücher zu Hegel sind schlecht), siehe auch den Abschnitt über Verlage mit gutem Programm zu Hegel:

Am wichtigsten, wer nur ein Buch zu Hegel kaufen möchte, kaufe dieses:

T.S. Hoffmann : "Georg Wilhelm Friedrich Hegel - Eine Propädeutik"

"Georg Wilhelm Friedrich Hegel - Eine Propädeutik" von Thomas Sören Hoffmann, Marix Verlag, Wiesbaden 2004, ISBN 3-937715-01-0, das vielleicht beste Einführungsbuch zu Hegel das derzeit in der deutschen Sprache existiert (kostet dabei als ca. DIN A 5 gebundenes Buch a 526 Seiten, ca. 18 EUR). Es behandelt Hegels Leben und Denkweg, und beschreibt dabei insbesondere die Entwicklung bis zur Phänomenologie (1806/07) sehr ausführlich. Von den Werken werden insbesondere der "Phänomenologie des Geistes" und der "Wissenschaft der Logik" jeweils 100 Seiten gewidmet. Die Sprache ist klar verständlich (vielleicht etwas gefärbt in Richtung Frankfurter Schule und Liebrucks, Hoffmann war selbst Liebrucks Schüler) und es werden viele einleuchtende Beispiele gegeben, die für viele Aha-Effekte gut sind. Nützlich ist auch, dass der Autor nicht nur Kant sehr gut kennt und als Hegels Hintergrund berücksichtigt, sondern zudem auch die alte griechische Philosophie, die oft nicht hinreichend als Hegels Hintergrund berücksichtigt wird. Was das Buch zudem zu einem absoluten Muss als erstes Einführungsbuch macht, ist, dass es sich - als einziges Buch in der heutigen wissenschaftlichen Hegel Literatur - selbst ohne wenn und aber (mit sehr guten, im Laufe der Lektüre immer klarer werdenden Gründen) zum Hegelschen Standpunkt bekennt, so dass das Buch auch selbst hegelianisch (aber wie gesagt dabei leicht verständlich) geschrieben ist. Ein kleines Manko ist, dass die Werke der Heidelberger und Berliner Zeit, insbesondere die Enzyklopädie, die Rechtsphilosophie und die Berliner Vorlesungen vergleichsweise kurz (je ca. 10 Seiten, insgesamt 100 Seiten) abgehandelt werden, aber dieser andere Schwerpunkt ist für ein Einführungswerk vollkommen berechtigt.

Ein Inhaltsverzeichnis (und Foto des Buchumschlages) findet sich hier

Ergänzend dazu (unter dem Vorbehalt, dass die folgenden Werke nicht von Hegelianern geschrieben wurden sondern von Autoren, die - bei aller Sympathie - Vorbehalte gegen die hegelsche Philosophie haben):

H.F.Fulda: "Georg Wilhelm Friedrich Hegel"

Hans Friedrich Fulda hat das Konzentrat seiner lebenslangen Hegel Forschung in ein schmales Bändchen "Georg Wilhelm Friedrich Hegel" der "Beck'sche Reihe Denker" Nr. 565 (Beck, München März 2003, 336 Seiten, ISBN 3406494455) gebracht. Das Buch ist die Zusammenfassung des Lebenswerkes von Fulda, einem der grössten Hegel Experten der nun abgetretenen Hegel-Forschergeneration. Mit 14.80 EUR ist es vergleichsweise günstig und gut. Es ist vor allem im Kontrast (und als inhaltliche und methodische Ergänzung) zum Hoffmann-Buch zu lesen: der Standpunkt ist eher derjenige eines heutigen Universtätsphilosophen, mit den dabei üblichen Vor- und Nachteilen (als da sind insbesondere: sehr vorsichtige Formulierungen, viel Philologie, viele Fussnoten, eher kritisches - aber prinzipiell wohlwollendes - Verhältnis zu Hegel, tendenziell eher kantianischer Standpunkt).

Walter Jaeschke: Hegel-Handbuch

Das "Hegel-Handbuch (Leben - Werk - Schule)" von Walter Jaeschke (J.B. Metzler Verlag, 583 S., Gebunden, 49,95 EUR, ISBN 3-476-01705-2) ist nicht nur ein äusserlich schönes Buch (schön gebunden und schön anzusehen, zudem angenehm, 2-spaltig gesetzt), sondern das philologische (nicht philosophische) Non-Plus Ultra, das man derzeit zu Hegel bekommen kann. Walter Jaeschke (als international anerkannter Spezialist insbesondere zu Hegels Religionsphilosophie und derzeitigem Leiter des Hegel Archivs) hat hier u.a. zu jeder noch so kleinen Hegel-Schrift philologische Anmerkungen auf der Höhe der Forschung, dabei zumeist sehr konzentriert, zusammen getragen.

Der philologische Schwerpunkt des Buches (wann hat Hegel aus welchem Anlass was geschrieben und wie ist dazu die Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte) wie auch die Voraussetzung der Kenntnis anderer Sekundärliteratur, die teilweise implizit kritisiert wird, wie auch der eher teure (aber in jedem Cent gerechtfertigte) Preis machen das Werk eher zu einer (lohnenden) Anschaffung für Hegel Spezialisten, als für Einsteiger. Wer dagegen das Werk an der Uni, der Bücherei oder Fernleihe einsehen kann, ist gut beraten, es als 3. Standardwerk mit zu konsultieren (nachdem die ersten beiden Bücher gelesen wurden).

Ausführlichere Kritik in : Jaeschke: Hegelhandbuch

Von den genannten Autoren ähnelt Jaeschke seinem Inhalt und Methodik nach eher Fulda als Hoffmann (oder Hegel), er ist von den oben genannten in seinem eigenen Vorgehen und von seinem eigenen Standpunkt (letzteren versucht er teilweise im Dunkeln zu lassen) her vielleicht am weitesten von Hegel entfernt. Vom Standpunkt der Hegel Literatur her sind aber alle genannten engagierte Verteidiger von Hegel, die sich darum bemühen, Hegel vor Vorurteilen zu verteidigen und das Rationelle in Hegel zu rekonstruieren. Zudem sind alle Bücher vergleichsweise neu und berücksichtigen so die aktuelle Literatur und Erkenntnisstand.

Vittorio Hösle "Hegels System"

Vittorio Hösles "Hegels System" (Meiner Verlag, Hamburg 1988, aktuelle 2., um ein zusätzliches Nachwort erweiterte Auflage April 1997, 709 Seiten, ISBN 3787313362, Auszüge bei GoogleBooks) war lange Zeit das Standardwerk zu Hegel im deutschsprachigem Raum und hat die neuere Hegel Interpretation massgeblich beeinflusst.

Die folgenden Pluspunkte sprechen für das Buch:

  • Er geht das ganze Hegelsche System kritisch durch auf seine Richtigkeit und Aktualität (sowohl unter der Massgabe, bewahrenswertes und übersehenes Gutes zu finden, wie auch es kritisch zu sichten) und kann dabei viele bestehende Vorurteile zu Hegel aus dem Weg räumen.
  • Im Einführungsteil legt er z.B. sehr überzeugend dar, dass die meisten früheren Auffassungen von Hegels Lehre vom Widerspruch bei Hegelfeinden wie auch einigen vermeintlichen Hegelfreunden (insbesondere der Frankfurter Schule) auf Missverständnissen beruhen, im Kapitel über die Naturphilosophie zeigt er, das Hegel oft auf der Höhe seiner Zeit war und das vieles von dem, was Hegel dort schrieb, noch heute Bestand hat usw.
  • Dabei referiert er auch die Literatur der Generation der Hegelschüler (die bis heute oft übersehen wird) und dann wiederum relativ vollständig die Literatur zwischen ca. 1950-1985 (was das Buch auch zu einer guten Einführung in diese Sekundärliteratur macht, aber zugleich den Nachteil hat, dass die wichtige Diskussion der letzten 20 Jahre nicht mehr berücksichtigt wird).
  • Er versucht Hegel immanent zu diskutieren und zu kritisieren, interessierte sich dabei zudem zentral für die Architektur des hegelschen Gesamtsystems, mit diesem Schwerpunkt war das Buch in seiner Hegelinterpretation wegweisend (die gleichzeitige Suche nach der "Intersubjektivität" bei Hegel geht dem "Nicht-Eingeweihten" am Anfang etwas auf die Nerven, aber man gewöhnt sich daran).
  • Schliesslich ist das Buch dabei noch klar und gut verständlich geschrieben, es verzichtet weitgehend auf die übliche barocke Wissenschaftssprache und setzt wenig voraus. Zudem legt er seine Argumentation, Denkwege und ungelösten Probleme vorbildlich offen.

In all diesem hat das Buch anregend gewirkt und der Hegelforschung wichtige positive Impulse gegeben und die Standards gehoben.

Hoesle war wohl schon damals kein Hegelianer (bei aller Hochschätzung von Hegel) und das Buch hilft sicherlich durch seinen immanenten und zugleich systematischen und architektonischen Blickwinkel einen kritischen Blick auf Hegel zu werfen (insofern ist es immer noch die beste Hegelkritik) - was viele ja wohl suchen. Als bekennender "Objektiver Idealist", der sich - bei aller Kritik - in der Tradition Hegels sieht und ein neues idealistisches System als Aktualisierung Hegels schaffen will, steht er von allen in diesem Abschnitt genannten modernen Autoren Hegel am nächsten (mit Ausnahme natürlich von T.S.Hoffmann, der noch hegelianischer argumentiert)

Andererseits ist das Buch meines Erachtens nicht für Einsteiger geeignet, u.a. weil darin Hegels eigene Argumentation nur unzureichend dargestellt wird (und nebenbei darum auch manches Argument, das sich für Hegels Positionen angeben liesse, nicht in das Blickfeld kommt). Hier hat sich inzwischen die Hegelforschung der letzten 20 Jahre sehr positiv für Hegel ausgewirkt, viele Probleme Hoesles sind inzwischen gelöst (ich hoffe, dass ich selbst mit meinen Artikeln hier und in meiner "Hegelwerkstatt" etwas zur Widerlegung einiger der Kritikpunkte von Hoesle aus seinem Hegelbuch beitragen kann).

Hilfsmittel

Als Hilfsmittel für das Studium des Hegelschen Systems sind zudem noch nützlich:

  • Die Hegel CD-ROMs...
    • ... des Hegel Instituts, die den gesamten Text der 20bändigen Suhrkampausgabe in elektronischer Form (durchsuchbar, kopierbar für Zitate) enthält oder
    • ... in der "XXL Version" von Carsten Worms Infoware Verlag, Berlin "Hegel im Kontext"
  • Die Systemdarstellung in den Hegelpostern und auf http://hegel-system.de sind ebenfalls nützlich, allerdings fehlt hier (in der grafischen Darstellung) jede Argumentation, was die Darstellung eher dogmatisch macht, auf der anderen Seite das "Selberdenken" anregt.

Artikel im Wiki dazu